Abschied, Familie, Heimat, Träume

Heimweh

Letztens waren wir Schwestern mit unserem Vater essen und da sagte er uns, dass er manchmal richtig Heimweh habe nach dem Haus im Wendland, wo er mit unserer Mutter viele Jahre lebte und das er einige Jahre nach ihrem Tod verkaufte, es wurde ihm, mittlerweile immerhin über 80, alles zu viel.

Er wohnt ja nun wieder in seinem alten Elternhaus, in der Wohnung über mir, der ersten gemeinsamen Wohnung seiner jungen Ehe, mich gab es damals auch schon.

Es ist etwas anderes, etwas ganz anderes, wenn man mit einem alten Menschen in einem Haus wohnt, wenn man sich alte Geschichten anhört, wenn fast alles nur noch „damals“ stattfindet, wenn Erinnerungen wichtiger sind als die Zukunft und wenn Abschied oft zur Sprache kommt und er immer mehr Namen kennt, die in den Todesanzeigen stehen.

Letzte Woche noch war ich bei meiner Nichte in London, die ihre Karriere plant, die in die Zukunft lebt, an neue Stellen denkt, an Weiterbildung, an ein weiteres Studium vielleicht… Pläne, Hoffnungen, Wünsche.

Ich werde jetzt Eiskonfekt essen. Eis mit Schokolade überzogen. Meine Gedanken werden mir sonst zu schwer. Schokolade löst zwar keine Probleme, das ist mir schon klar, aber das tut ein Apfel auch nicht 🤣

Familie, Leben

Krebsgedanken

Heute sind wir in der Gondel über die Themse geschwebt, bei herrlichstem Wetter, London ist schon eine spannende Stadt! Und auf dem Rückweg schwebten wir an den neuen Luxuswohnungen vorbei, die dort gebaut werden. Da muss ich an den Brexit denken, ob er wohl wirklich kommt? Was dann mit den Wohnungen wird? Klar, reiche Leute gibt es immer und überall, aber wenn die Banken fortziehen, die großen Firmen, wer soll sich dann noch dafür interessieren?

Hab grad einen Bericht in der Tagesschau gefunden, immer mehr Leute ziehen fort:
https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-509759~player_branded-true.html

Und ich werde meine Krebsgedanken nicht los, trotz Sonne, trotz London, trotz der tollen Eigentumswohnung meiner Nichte. Es ist so schwer auszuhalten, nicht zu wissen, was nun passiert mit unserem Freund, dann denke ich an meine eigene Erkranung und an die noch folgenden Untersuchungen, die mich ein Leben lang begleiten werden und… da konnte die Sonne noch so viel scheinen heute, aber das mag auch an der Erkältung liegen, die mich heimgesucht hat. Meinen armen Vater hat es erwischt, der ja nun in der Wohnung über mir wohnt und zwei Wochen trotzte ich dem hervorragend und ausgerechnet einige Tage vor dem Londonflug erwischte es mich auch. So ein Mist.

Dank Gepille und Hustensaft und Nasenstift und Nasenspray und was es alles so für Hausmittelchen gibt, habe ich es bislang gut überstanden, doch ich bin angeschlagen, Krebsgedankenangeschlagen. Weglaufen möchte ich, wissend, dass es nichts bringt, doch mir ist nach weg. Auf die Insel Ohnesorg. Die in meiner Phantasie ein Land ohne Krebs und was es noch für schreckliche Dinge gibt ist. Komm mir jetzt keiner damit, dass es sie nicht gibt. Ist mir doch egal. Ich geh da jetzt hin…

😉

Nein, keine Sorge, ich bleibe und genieße London und ich halte das alles aus und hier was man so alles findet in London, Männer die läuten, in der Dunkelheit:

Glocken from SaMaTe on Vimeo.

Krebsgedanken, Leben, Tumor

und immer wieder Krebs

Gestern kam Hiob zu uns. Er hatte eine Botschaft bei sich, die keiner haben wollte. Und doch lud er sie ab. Unser bester Freund ist schwer an Krebs erkrankt. Erst einmal langes schweigen. Was soll man auch sagen?

Ich habe immer noch keine Worte. Werde jetzt in die Arbeit fahren und danach beginnt mein Hospizkurs. Die Erde dreht sich einfach weiter, kommenden Montag fliege ich nach London zu meiner Familie, Freitag kommt mein Liebster nach und wir besuchen ein Joan Baez Konzert.

Und jetzt Sonntag werde ich 60. Aber das ist im Augenblick völlig unwichtig. Etwas anderes ist wichtig und dafür habe ich grad keine Worte. Nur Trauer. So ist es einfach.

Krebsgedanken

Krebspersönlichkeit

Was? Es gibt keine Krebspersönlichkeit? Dachte ich immer. Gibt doch auch Leistenbruchpersönlichkeiten, oder nicht? Brüchige-Fingernägel-Persönlichkeit. Nie davon gehört? Komisch. Pickelpersönlichkeit. Die gibt es ganz bestimmt. Und pendeln funktioniert auch, habe ich vor einigen Jahren selber ausprobiert.

Ich bin diesen ganzen Fake-News-Verschwörungstheorie-Mist sowas von leid. Natürlich hat die Psyche was mit dem Körper zu tun und der Körper was mit der Psyche, schließlich gehören sie zusammen. Aber was da so alles an kruden Meinungen existiert, ich kann es nicht mehr hören.

Bzw. ich höre es nicht mehr, weil ich sofort mein Pendel… äh… 🤪

Allgemein

Mutant

Ich wusste ja, dass ich nicht ganz normal bin, dass es aber gleich so schlimm ist, das blieb mir bisher verborgen. Heute Augenärztin, Kontrolle. Neue Augenärztin. Die blickte mir tief in die Augen und wurde blass. Sagte nichts weiter und ordnete einige neue Untersuchungen an, mein Kopf wurde in Apparate gespannt und die Augen wurden mit allen möglichen Instrumenten elektronisch vermessen. Dann rief sie mich wieder zu sich.

Die Untersuchungen ergaben nichts, alles war normal. Nur: mein Sehnerv sieht massiv beschädigt aus, was er aber nicht ist. Nicht sein kann, da ich sehen kann. Er ist nur, naja, irgendwie nicht richtig. Normalerweise müsste ich blind durch die Gegend tappeln. Ich kann aber gucken. Es sieht auf den Computerbildern aus wie Grüner Star im Endstadium, nahezu blind. Was es aber nicht sein kann, da ich einen niedrigen Augeninnendruck habe und völlig normal gucken kann.

Ob mir denn noch nie ein Augenarzt was gesagt hätte. Nein, nie. Ich muss noch mehr Untersuchungen über mich ergehen lassen, sie will es nun genau wissen. Eine Vermutung hat sie aber schon: ich bin so auf die Welt gekommen. Möglichkeit eins: ein Gendefekt. Meine Sehnerven sind so verbogen und ich habe einfach damit gucken gelernt. Möglichkeit zwei: bei der Geburt ist irgendwas schief gelaufen. Dafür spricht, dass ich eine riesige Narbe auf der Netzhaut habe, die älter sein muss. Riesig, sagte sie mir, sehr riesig. Aber auch damit habe ich dann offensichtlich gucken gelernt.

Aber vielleicht sehe ich ja alles anders und weiß es bloß nicht 😉 Nein, kann auch nicht sein, ich habe auf den gefühlten 1000 Tafeln, die sie mir vors Gesicht gehalten haben, alles richtig erkennen können.

Bin ich ein Mutant? Außerirdisch? Invasion von der Wega (wer kann sich daran noch erinnern?)? Oder die Frogs (aaaaaaah wie ich Raumschiff Orion liebe!!!!)?

Tja, ich weiß es nicht. Ich kann jedenfalls gucken.

Und jetzt gehe ich ins Bett, auch ein Mutant muss mal schlafen 😛

 

 

Krebsgedanken, Leben

Krebsgedanken

Montag habe ich ein Leseexemplar zugeschickt bekommen, der Verlag hatte mich, wie so viele, im Internet gefunden. Es geht um eine persönliche Krebsgeschichte. Im einem der nächsten Posts werde ich darüber berichten, wenn ich es ausgelesen habe. Es hat mich sehr berührt bislang, es hat wieder einiges aufgewühlt, obwohl die Geschichte gut ausgegangen ist. Und doch, da kam so einiges wieder hoch. Wie gut ich das alles noch erinnere und jetzt, Jahre später, fällt mir auf, wie schwer das eigentlich war. In einem Buch hört sich das alles zwar heftig, aber eben so weit weg an, außer wenn man mal drinsteckte, ob nun mit Krebs oder was es sonst noch für fiese Krankheiten gibt.

Es ist seltsam, je weiter die Krankheit und die akute Behandlung zurück liegen, desto heftiger kommt es mir vor. Heute fühle ich mich zuweilen überfordert, damals nicht. Komisch, oder? Meine Psychoonkologin meint, das sei durchaus normal. Normal ist gut, normal beruhigt mich.

Und dann noch etwas ganz seltsames, mein elektronischer Kalender schluckt alle meine Daten der Nachkontrolle. Also die vergangenen. Können Kalender denken? Einen beruhigen? Haben sie gar Absichten? Was will mein Kalender mir sagen? Zum Verständnis, ich habe ihn auf allen meinen Geräten und sobald ein Untersuchungstermin vorbei ist, ist er weg. Auf allen Geräten weg. Aber nur diese Termine. Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu 🤪

So, jetzt sende ich Grüße in die Welt und schmeiße mich in den Sessel. Weiter lesen. Das Buch berührt mich sehr.