Krebsurlaub 🐾

Warum dies ein Krebsurlaub ist? Nun, weil Sue und ich uns niemals ohne Krebs kennengelernt hätten 😜 was man gut oder schlecht finden kann, wir beschränken uns heute aber auf das Gute und das ist das Meer und die Spuren im Sand, das leckere Essen, das schöne Ferienhäuschen und Askan, der wilde Hundling 🐺

Und ich stelle eine Besserung fest, habe ich mich letztes Jahr noch ganz fürchterlich aromatasegehemmt die Düne rauf und wieder runter gequält, so geht es dieses Jahr viel leichter. Tamoxifen haut in dieser Beziehung nicht so rein. Es haut anders rein. Aber haut die Krebsbehandlung nicht immer rein? Eben. Und damit ich nicht vergesse, was 2011 so alles reingehauen hat, schlucke ich jetzt meine Pillchen. Und dann haue ich rein und mache Frühstück. Am Strand war ich schon. Das war klasse. Hund und Strand. Besser geht nicht ❤️

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wir sind am Meer

Wir sind am Meer!! Nach einer langen Fahrt durch die Sonne mit Hund sind wir am Meer angekommen, haben unser Häuschen bezogen und sind dann erstmal essen gegangen. Köstlich. Und dann sind wir mit Askan im Dunklen ans Wasser, so dunkel, dass ich leider keine Aufnahmen machen konnte. Leider, denn es war zu schön, wie der wilde Hundling durch den Sand pflügte und in die Wellen biss, wie er Muscheln durch die Luft schmiss und um uns herum raste. Er konnte nicht genug bekommen.

Morgen dann werden wir im Hellen ans Meer gehen und einfach nur das Leben genießen.                 ❤️

Games Of Cancer

Der Lieblingsschotte und ich sind ausgesprochene Fans von Game Of Thrones, echt jetzt, hätte ich niemalsnienicht gedacht, bis ich angefangen habe, es zu schauen. Wir haben uns die DVDs gekauft, wir sind süchtig geworden, wir haben NÄCHTELANG diese Filme geguckt. Kennt Ihr die? Spielt in einer Fantasiewelt ähnlich Herr der Ringe, es ist der Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer entlehnt, die Handlung ähnelt dem europäischen Mittelalter, Männer mit Schwertern und Frauen mit Drachen, es geht um den Krieg der Adelshäuser untereinander, um Religion, Politik, Macht, um Moral, Verrat, um Mord und Totschlag. Es wird regelrecht gemetzelt. Schlachten werden ziemlich originalgetreu der Welt des Mittelalters nachgestellt. Es ist furchtbar, aber so war die Welt. Und ich glaube, so ist sie heute noch oft, viel zu oft, aber das ist ein anderes Thema.

Viele bekannte Schauspieler sind dabei, sogar Sibel Kikelli (die nette Tatortkommissarin 😍), ich schaue sie gerne, diese Filme, wobei wir nur noch eine Folge übrig haben, dann haben wir alles geschaut, was derzeit in Deutsch verfügbar ist, dann müssen wir auf die neue Staffel warten.

Und so saßen wir in unserem Cottage und schauten Folge x und y und z auch noch und ich dachte drüber nach, wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben. Wir besuchen ja gerne Mittelaltermärkte, dort wird vieles geboten und manche Händler versuchen sogar so zu reden wie damals. Ein wenig kommt mir das wie eine Verherrlichung vor, wobei ich das durchaus legitim finde. Es ist ja ok, wenn man sich etwas vor->stellt und seiner Fantasie freien Lauf lässt und Spaß dabei hat. Warum nicht, es ist ein netter Zeitvertreib.

Aber das Leben damals war hart. Man starb an einer Blinddarmentzündung, entzündete sich ein Zahn, war man vom Tode bedroht, war die Ernte schlecht, verloren die schwächsten Familienmitglieder ihr Leben, marodierende Räuberbanden zogen umher, der Fürst verlangte seinen Obolus, wenig blieb zum Leben übrig, ständig drohte Gefahr und viele Kinder überlebten die ersten Jahre gar nicht erst.

Man lebte von jetzt auf gleich, was die Zukunft bot, wer wusste es schon? Urlaub planen? Kannten die Menschen damals überhaupt das Wort Urlaub? Wer jeden Tag ums Überleben kämpft, wo will der Urlaub machen?

Und auf einmal merkte ich, dass ich auch nicht mehr plane, also ich meine, ich lebe nicht im Mittelalter und es ziehen keine marodierenden Banden an meinem Haus vorbei, kein Fürst verlangt zu viel von dem wenigen, was einem zum Leben bleibt (über die Forderungen des Finanzamtes können wir uns durchaus streiten 😜), all das betrifft mich nicht, betrifft niemanden von uns. Solch ein Leben führen wir nicht, selbst wer keine Arbeit hat, wird in unserem Land nicht verhungern. Nein, das ist es nicht. Es ist etwas ganz anderes.

Der Krebs katapultiert einen ins Mittelalter zurück, ins gefühlte Mittelalter. Natürlich plane ich Urlaub, ich möchte mit meinem Wandersmann nächstes Jahr nach Irland, klar müssen wir das planen. Und doch hat sich etwas verändert, früher konnte ich in Jahrzehnten denken. Das ist vorbei. Ich konnte in Dekaden planen. Das geht nicht mehr. Ich bin in den Games Of Cancer angekommen, wir alle wissen nicht, was uns erwartet, keiner weiß das, gesund oder krank, spielt keine Rolle. Aber im gefühlten Mittelalter ist dieses Denken Alltag. Was vor 10 Jahren für mich selbstverständlich war (auch wenn ich es nicht wissen konnte, ich dachte es jedenfalls), ist für mich heute zumindest fraglich, im besten Falle möglich. Es ist nichts mehr selbstverständlich. Es ist schön, wenn es so kommt, wie man es sich wünscht. Aber ob es so kommt, nun, bei den Games Of Cancer wissen wir, dass wir nichts wissen. Das weiß keiner. Aber wir Mitspieler wissen, wie es sich anfühlt, wenn man es nicht weiß.

Das ist der Unterschied. Den ich nicht kannte, von dem ich nicht mal mehr wusste, dass es ihn gibt.

Willkommen im Club, kann ich nur sagen 🙃

urlaubsreif

Es waren mal wieder DocDays und sie waren erfolgreich, d.h. es ist alles gut soweit. Was mich natürlich sehr zufrieden macht, wie Ihr Euch vorstellen könnt. Zudem scheine ich mich langsam an diese Aufregungen zu gewöhnen, ich blende den Termin meist bis einen Tag vorher aus. Das klappt erstaunlich gut. Urlaubsreif war ich dann trotzdem. Was aber nicht an den DocDays lag sondern an dem ganzen Kram, den ich die letzten Wochen und Monate erledigen musste.

Nun hocke ich mit meinem Liebsten in Schottland, in einem wunderschönen Cottage, und genieße das gemeinsame Leben! Es ist wundervoll hier, gestern waren wir in den Highlands unterwegs, sind über die Isle of Skye gefahren und haben auch dort übernachtet.

Eine Woche haben wir gebraucht, um wirklich anzukommen und jetzt stellen wir fest, wie nötig wir diese Auszeit haben. Und wie gut wir miteinander harmonieren. Manchmal könnte ich darüber regelrecht frohlocken, denn selbstverständlich ist das nicht. Nach all den Mühen, all dem Dunklen der vergangenen Jahre bin ich darüber sehr sehr dankbar.

Das Dunkle. Vor vier Tagen war der 7. Todestag meines Mannes, wir haben darüber gesprochen, über seine Krankheit, seine Hoffnungslosigkeit, die Schwere, die ihn umgab, den Kummer, den er hatte und somit auch ich. Es waren harte Jahre gewesen und es folgten noch härtere, nämlich die Antikrebstherapie, die wahrlich nicht von Pappe ist. Krebs zieht tiefe Furchen in den Lebensweg, viel, verdammt viel muss man aushalten. Bis heute. Und es wird noch länger dauern, auch wenn ich nicht klagen will, aber so ist es. Punkt.

Heute zieht ein Sturm über’s Land, wir sitzen in dem gemütlichen Cottage und lassen es uns einfach nur gut ergehen. Die Küche hier ist prima, so kann ich meiner Leidenschaft fröhnen und leckere Gerichte zaubern. Mein Freund genießt das, wie Ihr Euch vorstellen könnt 😎 und ich genieße das brutscheln in der Küche. Heute gibt es Schweineschnitzel (Bio natürlich) mit Schmorgurken und Kartoffelpüree. Mömpf! Liebe geht durch den Magen, wissen auch die Schotten 😜❤️

Der Tod trinkt keinen Kaffee ☕️

Mein anfängliches Schlafproblem ist hinfort, der Lavendel scheint zu wirken, wie und warum ist mir völlig wurscht, ich kann schlafen. Mein Schlafzimmer gleicht irgendwie einer Lavendellagerstätte 😎 überall hängen so kleine duftende Säckchen und ab und an brennt ein Teelicht in der Duftlampe mit reinem Lavendelöl. Wunderbarer Duft, findet auch mein Wandersmann, der sowieso schläft, ob nun mit oder ohne Lavendel 😉

Soviel dazu. Kommen wir zum Kaffee. Das ist keine leichte Kost, also ich meine, die Gedanken, die ich dazu habe. Obwohl es ja eigentlich positiv ist. Uneigentlich weiß ich nicht, muss jeder selbst entscheiden.

Wenn ich meinen Alltag lebe, wenn ich hier im Haus herum gehe, mir z.B. Kaffee koche, dann schweifen meine Gedanken oft ab, das sind ja so Handlungen, die immer gleich sind. Filter knicken, einlegen, Kaffee mahlen (bei mir gibbet frisch gemahlenen Kaffee 😎), Wasser in den Tank, Deckel drauf, anstellen… kennt vermutlich jeder, jede, so ähnlich, ob nun mit Kaffee oder Tee oder was auch immer. Rituale. Alltagsrituale.

Und dann stehe ich hier also in der Küche, meiner Wohnküche, die Kaffeemaschine steht in dem Teil, der mal das Schlafzimmer meiner Großeltern war, mein Vater hat eine Wand eingerissen, so dass aus der winzigen Küche eine Wohnküche wurde. Meine Wohnküche.

Diese Küche war auch mal das Zimmer meiner Tante, dann war sie die Werkstatt meines verstorbenen Mannes, dann wurde sie zur WG-Küche und nun ist es meine Wohnküche. Ich will damit sagen, ich kenne diese Räume seit Jahrzehnten, als Kind bin ich in Opas Quitschbett herum gehüpft (wo jetzt meine Kaffeemaschine steht 😜) und dann habe ich dort mit meiner Tante gesessen und dann mit meinem Mann und dann… zog das Leben so dahin. Immer begleitet von Alltagsritualen. Die nimmt man doch gar nicht mehr wahr. Das ist einfach so. Filter knicken, einlegen, Kaffee… das ist doch immer gleich und man bemerkt es kaum.

Bis, ja, bis man realisiert, dass das Leben grad dabei ist, einem diese Rituale wegzunehmen.

Während meines Klinikaufenthaltes war ich oft in der kleinen Kapelle des Krankenhauses, die war sehr schön gestaltet, ein Raum der Ruhe, mit einem Baum aus Metall, wo man Kerzen aufstellen konnte, Fürbittkerzen. Ich habe so manche Fürbittkerze entzündet. Und ich habe gehofft, ich überlebe den ganzen Mist, ich habe so sehr gehofft, dass ich weitere Filtertüten falten kann. Dass ich dort stehen kann, wo einmal das Qutischebett meines Großvaters stand, und Filtertüten falten. Und einlegen. Und Kaffee mahlen. Und all das tun, was ich jeden Tag tat, ohne darüber nachzudenken.

Ich mag meine Küche, obwohl sie so anders ist, wie ich mir eigentlich Küchen wünschte, es ist eine Einbauküche und ich liebe ja eigentlich so zusammengestelltes aus allen möglichen Epochen, bunt, unegal, aber nun ist es anders gekommen und ich mag sie. Ich mag meine Kaffeemaschinenchaosecke, ich mag es, dort den frischen Kaffee zu mahlen, ich mag den Duft, ich mag den Milchaufschäumer, ich mag mich dann an den Tisch setzen und darüber nachdenken, was das Leben mit mir gemacht hat.

Ich habe diese Alltagsrutiale lieben gelernt. Sie sind mir jetzt so bewusst geworden. Ich hatte Angst, ich verliere sie. Denn der Tod trinkt keinen Kaffee ☕️ und wenn, dann nur schwarz 😜

Aber so schnell wird nicht gestorben, jetzt leben wir erstmal weiter und trinken unseren Kaffee 😎

Lavendel ./. Tamoxifen 😉

Älsö (würden die Missfits jetzt sagen 😜) das ist so eine Sache mit dem Tamoxifen. Weil nämlich, es gibt kein Gepille ohne unerwünschte Wirkungen. Man ist mit den erwünschten Wirkungen ja schon überfordert und dann die unerwünschten erst! Ich wünschte, ich hätte mit all dem… aber wünschen hilft da nicht. Vielleicht aber Lavendel.

Lavendel? Ja, das ist so eine Sache mit den ätherischen Ölen, hier gibt es viele gute Tips dazu, auch und gerade bei Krebs. Ätherische Öle sind keine Wundermittel, aber sie helfen vielleicht der einen oder anderen. Und Eliane ist eine wahre Expertin darin.

Wie auch immer, Lavendel. Ich musste es nicht mal bestellen, ich hatte es da. Also ab ins Duftlämpchen und damit ab ins Schlafzimmer. Seit gestern schlafe ich unter einer Glocke aus Lavendelgeruch und die erste Nacht war schonmal vielversprechend, ich habe tief und fest geschlafen. Denn: seit ich Tamoxifen nehme, liege ich des öfteren in der Nacht hellewach in meinem Bett. Ich quäle mich nicht, ich bin einfach wach. Eben hellewach. Und natürlich stehe ich dann auf, lese, surfe, blogge, räume die Spülmaschine aus… es gibt vieles, was man im Dunkeln manchen kann 🤣 und das ist auch ok. Warum nicht.

Nur: den Tag drauf bin ich zerdötscht, weil: gegen Morgen schlafe ich dann wieder ein und natürlich reicht das nicht und wenn ich arbeiten muss, dann ist das ganz arg.

Nun zu meinen Gelenkschmerzen: sie haben sich auf die Füße konzentriert. Überschaubar. Leider nicht gehbar 😜 so trage ich derzeit wirklich hübsche Schühchen, Marke Breitlatsch, sieht klasse aus, aber wenigstens kann ich gehen, anfangs humpeln, aber das wird mit zunehmender Schrittzahl in den Breitlatschen besser.

Ach Leute, Krebs ist nicht lustig. Da hat man lange, wenn nicht immer was von.

Und trotzdem, das Leben ist schön, oben meine Morgenrunde, hier meine Abendrunde mit dem Hund, ich liiiiiieeeebe diese Spaziergänge!

Ich liebe sie!