Chemo, Urlaub, Weihnachten

Frisur zu verschenken

Als meine Mutter an Krebs erkrankte und eine Chemotherapie bevorstand, da hat sie sich eine Perücke gekauft. Da ihre Kasse alles bezahlte, hat sie sich eine richtig gute gekauft. Sie hat sie zweimal getragen, dann verschwand sie im Karton.

Nun habe ich sie ausgegraben und stehe vor der Entscheidung, soll ich sie nun fortwerfen oder… lieber wäre mir verschenken.

Hat jemand Interesse?

Als meine Chemo bevorstand, da wusste ich, ich kauf mir keine, ich trage lieber Tücher und Mützen. Es war ja auch Winter, da fiel das manchmal gar nicht auf. Wenn ich heute daran zurück denke, was habe ich alles mitgemacht. Manchmal kommt mir das so unwirklich vor.

Und dann habe ich heute die Vorweihnachtszeit eingeläutet, meine Deko ausgepackt und in der Wohnung verteilt. Wir werden dieses Jahr Weihnachten im Kloster sein, also einem ehemaligen Kloster, was jetzt eine Ferienwohnung ist. Nicht das ganze Kloster natürlich 😉 einen umgebauten Teil davon, die Stimmung dort ist jedenfalls wundervoll, das passt zu Weihnachten. Wenn dann noch Schnee liegt, wäre alles perfekt.

Vor vielen Jahrhunderten haben adelige Jungfrauen dort gewohnt. Im Laufe der Zeit müssen die Mädels aber heftig über die Stränge geschlagen haben 😜 „nachhaltige Lockerung der Lebensformen“ heißt es in dem Bericht, da war bestimmt einiges los in dem Gemäuer 😉

Wir jedenfalls werden dort Weihnachten feiern. Mit Baum und allem drum und dran. Ich freue mich schon 🎄 Da werden wir unsere Lebensform auch mal so richtig nachhaltig lockern und an Silvester im Klostergarten im Kreis tanzen 🤪

Brustzentrum, Chemo, Familie, Nachwirkungen, Seele

Gesamtüberleben

Das Bild ist meine wunderschöne neue Kaffeetasse, die mir meine Kolleginnen zum Geburtstag geschenkt haben ❤️ der war schon im Februar, aber ich war erst jetzt wieder arbeiten, die Schmerzen hatten mich ziemlich nieder gedrückt. So war es einfach. Doch die gute Nachricht ist, ich habe das Gefühl, sie ziehen sich zurück, ja wirklich, als ginge es langsam bergauf.

Dienstag war ich im Brustzentrum (an dieses Wort werde ich mich nie gewöhnen können) und auch da war alles in Ordnung. Ich sagte meiner Operateurin, dass ich nun auf Tamoxifen umgestiegen sei und sie fragte mich, ob ich am Ende auch solche Schmerzen in den Füßen gehabt hätte 😲

UND WAS FÜR WELCHE 😩 ich dachte manchmal, ich könne kaum laufen.

Mich kontaktierte eine Journalistin, die an einem Artikel über Krebsüberlebende und die Langzeitfolgen von Krebsbehandlungen schreibt (mehr erzähle ich, wenn es soweit ist). Es geht dabei auch um Langzeitfolgen, es geht auch darum, dass die Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen möglicherweise oft denken, dass alles wieder beim Alten ist, wenn der Krebs geheilt wurde.

Nein, nichts ist beim Alten und mich haut das zuweilen mehr um als die Diagnose selber. Die habe ich ja erstaunlich ruhig aufgenommen. Ich war nicht geschockt. Und es war auch kein Antischock oder was auch immer da reingedichtet wurde, ich habe mir das angehört und gedacht, na klasse, nun musst du dich nach der ganzen Scheiße der letzten Jahre auch noch – ebenso wie meine Mutter übrigens – mit Brustkrebs auseinander setzen. Ich habe nicht eine einzige Träne vergossen, das macht mich weder stolz noch ängstigt es mich, es war einfach so. Ich war nicht wütend, ich war nicht erschüttert, ich stand einfach da und dachte, ok, nun bekämpfen wir eben den Krebs. Wird bestimmt nicht schön, aber was hilft es. Augen zu und durch. So bin ich, so war ich immer, so werde ich bleiben. Und da lasse ich mir auch nichts erzählen.

Meine Therapeutin nennt das eine Riesenportion Resilienz. Was auch immer es ist, es hat mich getragen. Trägt mich bis heute. Auch wenn mich diese Langzeitfolgen manchmal ziemlich schaffen. Sowohl da, wo sie auftreten als auch im Kopf. Und es sind beileibe nicht nur die Knochenschmerzen. Soll ich mal aufzählen? Wollt Ihr es wirklich wissen? Die meisten, die hier lesen, kennen es vermutlich selber. Es ist eine verdammte Scheiße, ‚tschuldigung, aber so ist es doch. Wer glaubt denn wirklich, dass eine Chemo nur die Krebszellen kaputt macht? Dass eine Bestrahlung nur genau da wirkt, wo sie auch hinstrahlt? Dass das ganze Gepille ohne Nebenwirkungen ist?

Überleben hat seinen Preis. So ist es einfach. Punkt.

Heute war eine Beilage in der ZEIT, ging auch um Krebs, da schrieb ein Arzt, selber betroffen, über die Folgen für ihn und seine Patienten. Und er sagte, viele hätten ihm nach erfolgreicher Therapie, Jahre später, gesagt, dass der Krebs ihnen mehr gegeben als genommen hätte. Wenn ich jetzt mal die Nebenwirkungen auf das Pluskonto zähle… war’n Scherz 😉 nein, ich glaube, da ist was Wahres dran. Ich lebe bewusster, ich lebe endlicher. Was heißt das? Ich WEISS einfach, dass das Leben von jetzt auf gleich kippen kann, dass nichts selbstverständlich ist. Und was heißt das noch? Dass ich keinen Bock mehr auf sinnloses Gelabere habe. Dass mir Menschen unglaublich auf den Zeiger gehen, die nur an ihren Vorteil denken oder sich mit Pillepalle aufhalten. Oberflächlichkeit geht mir auf den Senkel. Ich werde immer ungeduldiger.

Und jetzt muss ich los zur Massage, damit die Schmerzen erträglicher werden.

Ich grüße aus dem Neanderthal ❤️

Chemo, Leben, Nachwirkungen, Urlaub

Eddnbroh 😎

img_8675-001Da stehe ich in einem schönen Pub, wir schreiben noch 2016 aber nicht mehr lange 😜 wir sind durch die Stadt gewandert, Edinburgh, alles sagt hier ziemlich hart „Eddnbroh“ 😛 doch egal, wie man es nun ausspricht, es ist wunderschön hier! Und die Pubs sind klasse!!

„Auld Lang Syne“ ist dann ein wenig spärlich ausgefallen, wir hörten nur rudimentäre Liedfetzen, aber das tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Es war herrlich!! Wir fühlten uns herrlich!! Das neue Jahr in Eddnbroh begrüßt, klasse, einfach nur klasse!!

Die Nacht war noch lang und schön und wir waren bester Stimmung, fröhlich, ausgelassen, gemeinsam, ein sehr schönes Gefühl, und wir haben uns diesen Wunsch erfüllt, Silvester in Edinburgh. Das Leben ist oft anstrengend, oft leider auch hart, oft aber eben auch wunderschön!! Manchmal bin ich sehr nachdenklich, weiß ich doch aus leidvoller Erfahrung, dass alles sehr schnell vorbei sein kann, darum sind solche Augenblicke so kostbar.

Ich spüre meine aromatasegehemmten Knochen und Muskeln auch hier sehr deutlich, sie sind mein ständiger Begleiter. Ich weiß, warum das so ist, ich weiß, dass dies zu meinem Antikrebsstandardprogramm gehört, all das weiß ich. Ich vergesse es auch nicht. Sowas kann man nicht vergessen. Es ist nur nicht mehr ständig im Vordergrund.

Vor fünf Jahren habe ich auch Cocktails genossen, allerdings sahen die etwas anders aus, schmeckten metallisch, verursachten Übelkeit, den Verlust der Haare und brachten große große Unsicherheit, nein, sowas vergisst man nicht. Niemals.

18012012292

Eddnbroh ist definitiv besser 😎

Chemo

sie ist drin

So, ich war in Salzwedel im Krankenhaus, die letzte Chemo des ersten Zyklus ist verklappt, anders als in Düsseldorf nicht direkt und pur in mein Adersystem sondern per Tropf, das dauert länger, aber es geht mir viel besser.

Es geht mir so gut, dass ich Vaters Gericht essen konnte, dass mir noch nicht ein einziges mal übel war, und dass ich jetzt hier mit Mutter in ihrem Zimmer sitze und ihr Gesellschaft leiste, denn ihr geht es nicht gut. Als Vater und ich in der Klinik waren, kam das erste mal eine Pflegekraft zu ihr, das hat sie sehr verunsichert.  So sehr, dass sie jetzt furchtbar unruhig ist.

Also sitze ich bei ihr, weil es mir so gut geht, und das finde ich prima!!

Ich glaube, ich bleibe den Rest der Chemo hier. Irgendwie gefällt mir Salzwedel besser, die Gespräche mit den Ärzten, die netten Schwestern, die Ernsthaftigkeit, ich kann es nicht genau ausdrücken, aber ich fühle mich besser aufgehoben.

Mal sehen. Die erste Chemo des zweiten Zyklus bin ich ja sowie so noch hier, die ist in drei Wochen. Dann kann ich auch noch 8 Wochen länger bleiben, oder?

Chemo

Ankündigung

Ich habe das Glück, eine Freundin zu haben, die eine hervorragende Portraitfotografin mit eigenem Studio ist. Und ich habe eine Kopfform, die mich einfach nicht loslässt. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich schaue es mir immer wieder an und da kam mir dann eine Idee…

Wenn auch das letzte Fläumchen verschwunden ist, wenn ich mit mir noch mehr im reinen bin, wenn ich erholter bin, wenn ich die Chemo hinter mir habe, dann werde ich mich von Beate fotografieren lassen. So ein richtig schönes künstlerisches Foto von mir ohne Haare.

Ich will das so. Ich weiß nicht, warum mir das so gefällt. Ich schaue es mir nur immer wieder an und bin fasziniert davon. Nicht erschreckt, was ich vermutete, nein, ich bin einfach fasziniert. Und ich will ein Foto haben, eine Erinnerung.

Zunächst aber steht Familie auf dem Programm. Habe heute meine 3. Chemo im Wendland vorbereitet, geht alles, muss nur noch rumtelefonieren. Und nächsten Dienstag geht es dann los, mit meiner kleinen Nuckelpinne, meiner Schwester, zwei ihrer Kinder und Kleinstköfferchen, denn mehr passt in das Autelie einfach nicht rein ;-)))) Hauptsache die Geschenke kommen mit…

Chemo, Familie

Familie

Ich ziehe um. Für ein paar Wochen. Ins Wendland. Morgen organisiere ich, dass die nächste Chemo dann dort im Krankenhaus stattfinden kann. Ich brauche Familie. Ich brauche betütteln. Ich brauche töttern am gedeckten Frühstückstisch. Ich will einfach nicht mehr hier alleine mit all dem Mist kämpfen.

Nein, ich bin nicht alleine, ich habe Freunde, ich habe einen Mitbewohner, ich habe Menschen, die sich kümmern. Aber ich will jetzt, Weihnachten, das 2. Weihnachten ohne meinen Mann, Familie haben. Ich will das. Und ich mach das, was ich will.