wie es begann♋︎

Was vorher geschah

bevor ich diesen Blog eröffnete:

Freitag, 30. September 2011

Invasiv duktales Mammakarzinom G1 soviel habe ich behalten, und dass den Professor das hoffnungsvoll stimmte. Und die Operateurin auch und 1,5 cm habe ich auch behalten. Nun gut. So sei es, ich werde am Mittwoch schon operiert, eine andere Patientin sei krank geworden – wie soll ich das denn verstehen 😉 – und so werde ich vorgezogen. Wie wunderbar, je eher desto besser, ich will’s hinter mich bringen.

Dann waren wir Eis essen und hatten lauter dolle Themen drauf, nur keinen Krebs und das ist gut so. Der wird noch Thema genug sein in meinem Leben.

Zu Hause angekommen, ist meine Bestellung da, eine Nikon Coolpix L120, weil ich will doch Fotos machen, wenn ich mich schon tagelang da in der Klinik aufhalten muss, dann mache ich wenigstens Fotos, ich liebe so Stimmungsfotos, z.B. mein Weg ins Büro, sowas in der Art. Und ich denke mal, ich werde da Gelegenheit genug haben, mit meiner neuen Camera Bilder einzufangen.

Und morgen früh um halber 9 werden meine Haare ganz kurz geschnitten, meine liebe Friseuse kommt extra eine halbe Stunde früher, weil alle Termine schon weg waren. Aber ich habe mir gedacht, ab damit, wer weiß, was noch folgt, und außerdem, einen Klätschkopf im Krankenhaus, nein, das will ich nicht – also ab. Ratzfatz ab.

Und dann bin ich, wir hatten grad das mit dem G1 erfahren, an einem Lottoladen vorbei, da gab es Karten und auf einer stand etwas kluges von Mahatma Gandhi:

Wenn Du etwas 2 Jahre lang gemacht hast,
betrachte es sorgfältig.

Wenn Du etwas 5 Jahre lang gemacht hast,
betrachte es misstrauisch.

Wenn Du etwas mehr als 10 Jahre gemacht hast,
mache es anders.

Das ist mein Spruch, mein Krebsspruch. 10 Jahre hatte ich Kummer und Stress, hatte ich Last und Sorge. Und damit ist jetzt Schluss. Haare ab, schnippschnapp, der Tumor kommt hinfort, und dann mache ich es anders, das mit dem Leben, dann bin erstmal ich dran.

ICH!!

Sonntag, 2. Oktober 2011

Nach gefühlten 100 Jahren habe ich mir mal wieder Nagellack gekauft… ich rechne mal nach… also… bestimmt 15 Jahre, ehrlich, so lange, oder noch länger, 20? Viel zu lange jedenfalls wie ich finde und nun ist Farbe angesagt. Heute habe ich mich für Blau entschieden, Grün ist aber auch gut, Bordot finde ich aber am schönsten, doch egal, Farbe ist wichtig!!

Derzeit sortiere ich die Dinge für die Klinik, was man so alles braucht, vor allem Bücher!! Soll ich ehrlich sein? Ok, also, am liebsten wäre mir jetzt eine Pille, die schluck ich und dann … werde ich wach und alles ist vorbei.

Montag, 3. Oktober 2011

So, es ist alles gepackt, ich bin bereit! Die Hunde sind in ihrer Zweitfamilie und kriegen nix mit, die Blume ist in den Garten gepflanzt – ich habe nur eine – und jetzt gehe ich schlafen. Ich bin aufgeregt, was für die einen Routine ist – zum Glück – ist für mich ein Einschnitt in meinem Leben!

Bismillah!

Dienstag, 4. Oktober 2011

Das ist der Blick aus meinem Fenster, ich teile mir mein Zimmer mit einer netten Frau, die härter kämpfen muss als ich. Aber sie wird es auch schaffen. Denn wir sind im Heil-Zimmer, so habe ich verkündet und daran hätten wir uns zu halten

;-))))

Ok, das tun wir nun, wir gehen unsere schweren Wege und spenden einander Trost.

Mir hat man die Kriegsbemalung verpasst, wie es die EKG-Schwester so passend sagte, meine Operateurin hat mir sozusagen ihre Schnittmuster aufgemalt.

Irgendwo schon krass. Aber so Kliniken haben auch was Gutes, man kommt sich irgendwie normal vor, es sind so viele hier, die damit rumrennen. Und es sind so viele, die liebevoll helfen.

Das ist wirklich sehr sehr schön. Trotz allem.


Mittwoch, 5. Oktober 2011

Die OP ist geschafft, es ist vollbracht, ich liege geplättet im vollautomatischen Raufundrunterbett, auf dem Schoss mein iBook, aber ich klappe es gleich wieder zu. Ich bin redlich erschöpft.

Doch ich habe sie hinter mir, die Operation, GOTT SEI ES GEDANKT!!
Ich danke Euch allen für Eure lieben Wünsche!!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Ich bin traurig. So Nächte in einer Klinik mit einem solchen Ausblick lassen die Gefühle in Wallung kommen. Und heute bin ich traurig. Froh, dass bisher alles so gut gegangen ist, froh, dass ich so viele liebe Freunde habe, die sich um mich kümmern, die mich besuchen kommen, froh, dass hier so viele kompetente Menschen arbeiten und um meine Gesundheit bemüht sind. Aber ich bin auch traurig. Mir geht so viel durch den Kopf. So viel Schweres der vergangenen Jahre, so viel Kampf und so viel Trauer.

Der Krebs hat einen Schnitt gemacht in mein Leben. ich weiß noch nicht, wie es weiter geht. Seltsam ist das, nun hat man ein Stück aus mir rausgeschnitten, was gut so ist und was ich auch wirklich gut finde, denn sonst hätte ich keine Chance, diese Krankheit zu überleben. Und doch ist mir, als fehle mir was, ich kann das gar nicht beschreiben. Als sei etwas aus mir rausgeschnitten, was mehr war als lediglich ein Tumor. Es war ein Stück meines Lebens.

Es ist gut, dass ich heute Nacht alleine bin, so kann ich hier sitzen mit dem rauschenden iBook und meinen Blog füllen. Kann meinen Nachtgedanken nachhängen und rumheulen. Weil mir so ist wie es mir ist. Weil ich so froh bin, dass sie mir was weggeschnitten haben, was so krank war und mich noch viel kränker gemacht hätte, und weil meine Seele genau das so unbegreiflich schwer findet.

Ich komme mir so verrückt vor. Aber vielleicht bin ich ja einfach nur normal. Was weiß denn ich. Krebs weiß ich. Mehr nicht.

Blumen von meiner liebsten Schwester und Schokolade auch noch dazu!!

Freitag, 7. Oktober 2011

Der Krebs ist komplett weggeschnitten, der Pathologe war begeistert. Allerdings sind einige Lymphknoten befallen gewesen, d.h. eine Chemo wird mir wohl nicht erspart bleiben. Ansonsten hat man nichts weiter gefunden. Meine Ärztin ist sehr sehr zuversichtlich und somit bin ich es auch.

Vielleicht kann ich Montag schon nach Hause.

Ich kann es noch gar nicht wirklich fassen, so viel rauf und runter und ja und nein und doch und nicht und Hoffnung und dann liege ich bald mit meinem Muxlein wieder in einem Bett. Ach wäre das schön, einfach nur schön!!

Samstag, 8. Oktober 2011

Ich finde, so sehen „echte“ Krankenhausaufnahmen aus, wie zu Zeiten von Professor Sauerbruch ;-))))

Das Buch von diesem Professor habe ich gelesen, da war ich 12, fortan wollte ich Arzt werden, damals sagte man noch nicht Ärztin, aber heute weiß ich, das wäre nix für mich, echt nicht, weder Arzt noch Ärztin ;-))))

Ich läg die ganze Zeit ohnmächtig irgendwo in einer Ecke rum, weil ich ja nicht mal sehen kann, wie sie Spritzen verteilen geschweige denn Schlimmeres. Und ich glaube, ohnmächtige Ärzte sind nicht so wirklich der Bringer ;-))))

Nächte in einer Klinik können lang werden, für die, die darin liegen und für die, die darin arbeiten. Hinter vielen Fenstern wird gekämpft, hinter einigen wohnt das Glück und hinter anderen das Unglück.

Klinikflure sehen immer so verlassen aus in der Nacht.

Hier arbeiten die Schwestern und Pfleger, tagsüber tanzt da der Bär, nachts ist es meist verschlossen und niemand da, weil der Nachtdienst unterwegs ist.

Und hier nun wohne ich für eine Weile.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Bricht heute für mich die letzte Nacht an? Morgen noch einmal in die Röhre, und dann, so Gott will, darf ich nach Hause. Ich werde schon unruhig, ich sehne mich nach meinem Zimmer, meinem Sofa, meinem Bett. Rückzug. Abtauchen vor der Chemo. Den Schutzraum aufsuchen, bevor ich mich wieder dem Krebs stellen muss.

Weglaufen geht nicht mehr, aber für ein paar Wochen abtauchen.
Ich möchte nach Hause.

Und das schöne Foto hat Panta rhei gemacht, die mich heute mit ihrer Schwester besucht hat und wir drei Mädels hatten mächtig Spaß!!

Montag, 10. Oktober 2011

So, MRT vom Kopf ist gemacht, dort ist nichts außer das, was da hingehört GOTT SEI ES GEDANKT und nun kann ich nach Hause. Gleich holt mich mein Kumpel ab und ich kann es noch gar nicht fassen, nach Hause!! Mit diesen Drainageflaschen am Leib, aber nun gut. So sei es.

Ich komme nach Hause!!
Ich bedanke mich ganz ganz herzlich für alle guten Wünsche!!!

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