Krebsgedanken, Nachwirkungen

Fatigue und andere Nebensächlichkeiten

Ich hatte grad ein interessantes Gespräch mit meiner Freundin über Krebs, über die Diagnose, über die Behandlung, über die Folgen, über alles eigentlich. Sie ist selbst Betroffene, hatte aber das verdammte Glück, dass durch eine Operation ihrem Krebs der Garaus gemacht wurde. Sie brauchte keine weiteren Behandlungen, was aber an der niederschmetternden Diagnose nichts ändert. Außerdem weiß man am Anfang ja noch gar nicht, wo die Reise hingeht.

Und es ändert auch nichts daran, dass man fortan ständig zu irgendwelchen Nachsorgeterminen muss, anfangs alle drei Monate, dann alle 6, dann… aber man wird halt immer und immer wieder damit konfrontiert. Die Unbeschwertheit ist dahin. So ist es einfach. Wie habe ich das genannt, Krebs geht nie weg, denn wenn er weg ist, bleibt er in den Gedanken. Und wenn man Pech hat, bleibt auch bei der noch so wirkungsvollsten Behandlung etwas übrig, woran man lange zu knabbern hat.

Bei mir ist es die Fatigue. Die kam im Laufe der Bestrahlung, die hat mich noch unter dem Linearbeschleuniger liegend aber sowas von niedergestreckt, teilweise bin ich wie in Trance zum Taxi gewankt und habe von der Heimfahrt so gar nichts mitbekommen. Ich wollte nur schlafen, schlafen, schlafen…

Fatigue ist französisch und heißt Müdigkeit. Das ist der Begriff, der von Dr. Gregory Curt geprägt wurde, einem mittlerweile verstorbenen Onkologen aus den USA. Er bezeichnete damit eine signifikante Müdigkeit sowie erschöpfte Kraftreserven oder ein erhöhtes Ruhebedürfnis, was disproportional zu allen kürzlich vorangegangen Anstrengungen liegt. Was nichts anderes heißt als: egal, was man gemacht hat, selbst wenn es nichts war, man ist einfach nur ömm. Aber sowas von.

Hierzulande benutzt man den Begriff Fatigue meist für ein „krebsbedingtes Syndrom“, aber auch für andere schwere und/oder chronische Erkrankungen. Und was da als typische Merkmale steht, kann ich voll unterschreiben: anhaltende Schwäche und Abgeschlagenheit trotz ausreichender Schlafphasen, eine Überforderung bereits bei geringen Belastungen und eine deutliche Aktivitätsabnahme im privaten und beruflichen Umfeld.

Das ist der Grund, warum ich im Sommer in den vorzeitigen Ruhestand gehe. Die Anstrengungen, meinen Arbeitsalltag durchzuhalten, werden immer größer. Ich kann und ich will nicht mehr. Auch wenn mein Arbeitgeber mir mit meinem „behindertengerechten Arbeitsplatz“ wirklich sehr entgegengekommen ist, die Mühe, das überhaupt durchzuhalten und dann noch ein mehr oder weniger aktives Privatleben zu führen, ist mir zu viel geworden. Ich höre auf.

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