kochen, Liebe, Nachwirkungen, Pilgern

Flashback

Da lag ich dann gestern wieder beim HNO und ließ die helfende Flüssigkeit, erneut auf die Hälfte reduziert, in mich hinein fließen. Und als ich da so lag, da kam’s mir hoch. Aber sowas von. Ein regelrechter Flashback. Unvermittelt. Heftig. Einfach so. Es war die Erinnerung an meine intensive Antikrebstherapie. Ständig zum Arzt, ständig Blutkontrolle, ständig neue Infusionen, auch mit helfenden Flüssigkeiten, allerdings hochtoxisch. Der Kontakt mit dem (immer netten) medizinischen Personal, die Scherze, gemeinsames Lachen, deren intensive konzentrierte Arbeit an mir, ich liege nur rum, gemeinsam mit der Hoffnung, dass es helfen möge. Das bittere Wissen, nun auch „dazu“ zu gehören. Wozu eigentlich? Zu den Krebskranken. Alexander Solschenyzin. Krebsstation. Das Ende.

Ich brauchte ein wenig, um mich von diesem Flashback zu erholen. Eine Weile trug ich ihn mit mir herum. Warum grad jetzt? Warum so intensiv? Weil ich schon lange nicht mehr so kurz hintereinander, immerhin jetzt den dritten Tag in Folge, behandelt wurde. Jeden Tag Infusion. Das hat es glaube ich ausgelöst, diese Intensität der Behandlung. Dieses Liegen im Infusionszimmer, das ständige Kontrollieren dieser Infusion… das hat mich so an die Zeit erinnert, als das über Monate mein Leben war. Mein Überleben.

Komme ich beim Arzt raus, stehe ich auf dem mittlerweile errichteten Wochenmarkt. Buntes Treiben. Nur noch ein Pflaster erinnert mich an die dunklen Gefühle. Ich marschiere los, vorbei an einem Käsestand. Und was sehe ich, einen Pilgerkäse 😎

IMG_0912„Den allerschönsten bitte!“ zeige ich auf die Auslage, es solle ein Geschenk sein und sofort gesellt sich eine Kundin hinzu und zu Dritt suchen wir das schönste Käseküchlein heraus, was der Stand herzugeben hat 😉

Spargel und Erdbeeren habe ich noch erstanden, dem gemütlichen Abend bei meinem Lebensgefährten stand nichts mehr im Wege ☺️ Der schmiss sich dann auch regelrecht ins ZeugIMG_0916 und gemeinsam zauberten wir ein leckeres Essen und bei einem Glas Rotwein erzählte ich ihm von meinem Tag und den alten Gefühlen und Alexander Solschenyzin und langsam kamen wir dann zu seiner Pilgerreise und was die für ihn, für uns, für mich bedeutete und bedeutet.

Das war ein wunderschöner versöhnlicher Abend. Schicksalsversöhnlich ❤️

Und was bedeutet nun so eine Pilgerreise? Was sie für meinen Freund bedeutet, muss er erzählen, für mich war und ist seine Reise eine ungeheure Erweiterung, ich meine es tatsächlich so, er hat sich erweitert, er ist weiter geworden. Er hat etwas nur für sich getan, für sich ganz alleine. Und dieses „für sich“ macht ihn fester für mich, standhafter. Ich weiß nicht genau, wie ich das sagen soll. Aber ein Mensch, der in der Lage ist, sich und seine Wünsche ernst zu nehmen und umzusetzen, sich allen Widrigkeiten zum Trotz auf den Weg zu machen, der ist auch in der Lage, seine Lebensgefährtin ernst zu nehmen. Und sich auch da auf den Weg zu machen. Immer und immer wieder. Partnerschaft leben.

Der Wandersmann ist schon klasse 😍 jedenfalls ist er mehr als ein Käseküchlein wert 😜 ach was sage ich, Hunderte… 😎👍

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heute wird der Mann verwöhnt 😉

IMG_0868Heute wird der Mann verwöhnt, also der Wandersmann, also mein Wandersmann🍴!
Lammkeule im Römertopf. Hmmmm!! Quinoa-Avocado-Salat gab es schon, nun warten wir auf das Ende der Bratzeit. Das dauert noch etwas, also „arbeiten“ wir am Computer, d.h. er stellt seine neusten Beiträge ein und ich blogge auch. Das ist etwas, was mich besonders freut, dass er auch seine Leidenschaft für’s bloggen entdeckt hat. Bin ich ja nicht ganz unschuldig dran 😇 doch es ist schön, andere Menschen an seinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Und der Camino del Norte WAR ein Erlebnis. Gestern trafen wir etliche KollegInnen von ihm, jedeR wollte sich berichten lassen und natürlich auch die Blog-Adresse haben. Ich finde das echt klasse!! Und die Bilder, die er eingestellt hat, sind ja nun wirklich schön.

Und sonst so? Sonst so Knochenschmerzen. Mal wieder einen Schub. Jede Frau erlebt diese Aromatasehemmer anders. Einige merken das gar nicht so, andere können kaum laufen. Ich kann laufen. Manchmal denke ich, gerade noch so eben. Also laufen. Handgelenke. Fußgelenke. Überhaupt Gelenke. Sch… ist das, mehr fällt mir dazu nicht ein.

Kochen macht trotzdem Spaß. Immer und immer wieder 😊