Krebsgedanken, Leben, Tumor

und immer wieder Krebs

Gestern kam Hiob zu uns. Er hatte eine Botschaft bei sich, die keiner haben wollte. Und doch lud er sie ab. Unser bester Freund ist schwer an Krebs erkrankt. Erst einmal langes schweigen. Was soll man auch sagen?

Ich habe immer noch keine Worte. Werde jetzt in die Arbeit fahren und danach beginnt mein Hospizkurs. Die Erde dreht sich einfach weiter, kommenden Montag fliege ich nach London zu meiner Familie, Freitag kommt mein Liebster nach und wir besuchen ein Joan Baez Konzert.

Und jetzt Sonntag werde ich 60. Aber das ist im Augenblick völlig unwichtig. Etwas anderes ist wichtig und dafür habe ich grad keine Worte. Nur Trauer. So ist es einfach.

Tumor

Frauenquote

Ich für meinen Krebs habe die Frauenquote bereits erfüllt, es operierte mich eine Frau und nun habe ich noch eine Onkologin. Therapiebegleitend unterstützt mich eine Heilpraktikerin, und in bälde gehe ich zu einer Psychoonkologin, außerdem begleitet mich jedesmal meine Freundin, die alles aus eigener Erfahrung kennt, es kann also sogesehen nix schief gehen 😉

Gestern nun erfuhren wir die Empfehlung der Tumorkonferenz (welch ein Wort!!) die da lautet: 3 x in Abständen von 21 Tagen ein Zeug, danach 9 x jede Woche zwei Zeug. Im Anschluss Bestrahlung. Wir waren bei „meinem Professor“, der mich ja durch alles durchlotst und mir immer alles erklärt, so ich es möchte.

Danach gab es eine klasse Currywurst am wenn nicht weltbesten so doch regionsbesten Currywurststand in Kaiserswerth, natürlich mit Pommes und Majo.

Und, damit mir nicht langweilig wird, fahre ich gleich wieder in die Klinik zur Drainagenkontrolle. Donnerstag bin ich auch wieder da, Erstgespräch mit meiner Onkologin. Ich hab gedacht, wenn man krank ist, soll man sich auf das Sofa legen und ausruhen und nicht durch die Gegend düsen und Pommes essen 😉

Heute gibbet Kötbullar. Zu Hause!!

Operation, Tumor

Schmerz lass nach

Gestern noch habe ich gedacht, ich komme nie, niemals von den Schmerzmitteln los, aber heut geht es schon besser, ich brauche weniger. Und diese beschissene Drainageflasche baumelt noch an mir herunter und füllt sich auch immer weniger mit roter Flüsseigkeit. Aus was besteht eigentlich so ein Mensch? Ich kann sowas doch gar nicht ab, medizinische Berufe kämen für mich überhaupt nicht NIEMALS ABSOLUT NIEMALS infrage, und jetzt muss ich ständig so ein Teil mit mir rumschleppen. Na immerhin haben sie mir gestern Flasche No. 1 entfernt, ich hatte ja zwei. Jetzt habe ich nur noch eine. Trotzdem Scheiße.

Und dieses Teil erinnert mich permanent und ohne Gnade daran, dass ich jetzt nicht mehr zu den Sorglosen gehöre.

Schmerzen habe ich trotzdem, so innendrin, aber sie lassen sich aushalten, ab und an ein Pillchen und es geht. Morgen wieder Wundkontrolle in der Klinik. Mir rasen zillionen Gedanken durch den Kopf, dicht gefolgt von doppelt so viel Gefühlen, dann bin ich völlig fertig und möchte weglaufen, und wenn ich realisiere, dass weglaufen nicht mehr geht, bin ich noch fertiger… und dann scheint die Sonne und mir geht es wieder gut.

Ist das normal? Bin ich normal?

Was weiß denn ich.

Tumor

der erste Kontakt

Am 2. September fühlte ich ihn das erste Mal, meinen „Knubbel“, wie ich ihn nannte, in der linken Brust. Ich hatte keine Panik, war weder aufgelöst noch hilflos, es war mehr so ein „ach, da ist er ja“-Gefühl. Sehr seltsam. Ich habe sofort einen Termin bei meinem Frauenarzt gemacht, dem ehemaligen Chefarzt der Gynäkologie einer großen Klinik, der nun in einer Frauenarztpraxis arbeitet und dort sein unschätzbares Wissen weiter gibt. Ich wusste, er wird mir helfen und ich wusste sehr sicher, dass er die richtigen Dinge tun wird. So, wie er es bereits einmal getan hat, als ich mich einer schweren Operation unterziehen musste, die er durchführte und mit deren Hilfe ich wieder ein schmerzfreies Leben führen konnte.

Ich war mir sicher, er wird mir erneut helfen und so war es auch. Er lenkte mich durch das Wirrwarr der Untersuchungen, er brachte Ruhe hinein, erklärte und half und machte mir unmissverständlich klar:

  1. Krebs ist kein Notfall
  2. Brustkrebs lässt sich in jedem Stadium behandeln

und so ist es auch. Ich bin dann in diverse elektronische und oft auch nukleare Gerätschaften, mit und ohne Kontrastmittel gefüllt, geschoben worden, man fand nichts weiter und die Krebsstufe war G1, soll heißen, noch ziemlich am Anfang.

Das alles stimmte mich und meine Operateurin, die damals bei der großen Operation übrigens dabei war, recht froh und mittlerweile bin ich auch operiert und werde bald aus der Klinik entlassen. Da einige Lymphknoten befallen waren, muss ich mich einer Chemotherapie unterziehen, um auch dem letzten Krebs in mir den Garaus zu machen. Und die Brust wird bestrahlt, damit auch da nichts mehr wiederkehren kann.

Ich werde hier davon berichten, was der Krebs mit meinem Leben macht, wie er es verändert, wie er mich verändert und wie sich das anfühlt, diese Veränderung. Medizinische Fakten sind dabei nicht in meinem Fokus, dafür habe ich „meinen Professor“, dem ich vertraue und der dafür sorgen wird, dass alles Wichtige und Richtige getan wird. Hier aber geht es nur um meine Gedanken und Gefühle.