Chemo

darum das

Im Gehirn befindet sich ein sogenanntes ,,Brechzentrum“ (was für ein Wort), und das koordiniert den gesamten Vorgang wenn man mal kotzen muss. Messfühler im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn registrieren, wenn ein Giftstoff wie auch immer in den Körper gelangt ist und senden dann Botenstoffe aus, die diesem Brechzentrum den Befehl zum Würg… senden.
Die bei der Chemotherapie eingesetzten Medikamente erkennt der menschliche Organismus als vermeintliche Giftstoffe und versucht darum, sie durch Erbrechen wieder loszuwerden.
Kluger Organismus, nur leider in diesem Falle völlig sinnlos 😦
Chemo

rot rein rot raus

Es ist geschehen, das Gift ist verklappt!! Zunächst zwei dicke fette rote Spritzen, also der Inhalt war rot, hochtoxisch, wie man mir versicherte, und so käme es auch wieder aus mir heraus, rot, das toxische bleibt aber drinnen und sorgt dafür, dass sich meine Frisur ganz bald geringfügig ändern wird…
So, ich spielte also mit meinem Handy herum und fotografierte mich in meiner Einschlafposition und was stelle ich dabei fest?
ICH HABE EINE UNEGALE NASE!!

Ist man dann behindert? Oder einfach nur unegal?

;-))))
Wie auch immer, die Frau vor mir war eher fertig, die bekam nix rotes und nur ein kleines Infusionchen und war dann schnell wieder weg.

 

Mein Port tut übrigens nicht mehr weh. Der hat sein Wehsein gestern abend eingestellt. Von jetzt auf gleich. Fand ich sehr skurril, aber irgendwo auch gut.
Und nun lege ich mich auf das Sofa und warte auf das, was da kommt. Schütte Flüssigkeiten in mich hinein und jede Menge Pillen habe ich bekommen. Fragt mich mal wie ich das alles finde. Nein, fragt mich nicht.
Krankenhaus, Operation

Trillionen

Gestern noch bekam ich erklärt, dass es bei einem von 10 Trillionen Patienten vorkommen kann, dass die Vene (oder wie immer man das Ding nennt, wo der Schlauch von dem Port reinkommt) zu dünn ist und man sich deshalb was einfallen lassen muss. Irgendeine dickere Vene wird dann perforiert und dann wird was geschoben und… jedenfalls kompliziert.

Heute weiß ich, dass ich die eine von den vielen Trillionen bin. Und weil die junge und hübsche Anästhesistin die Narkosemittelmenge nach der Dauer der einfachen OP ausgerechnet hat, wurde ich vor dem Ende wach. Und hörte den ebenso hübschen Chirurgen fluchen, weil es nicht so klappte, wie er sich das gedacht hatte. Gespürt habe ich aber nix, weil die Lokalanästhesie ja noch wirkte, nur wach war ich. Das Perforieren geht wohl mit Strom, jedenfalls brutzelte und zischelte es fröhlich vor sich hin und ich fand das alles total lustig, weil ich zwar wach, aber immer noch narkoseknülle war

Huch, flötete die junge Anästhesistin, da sind sie ja… jaaaaaaa, da war ich und grinste unter der Atemmaske schräg vor mich hin. Dann war es vorbei, der Chirurg kam noch persönlich und erklärte mir, warum das so schwer war, aber es interessierte mich nicht wirklich, ich hockte nur zusammengesunken auf dem mobilen OP-Tisch, denn mittlerweile spürte ich auch die Schmerzen und war gar nicht mehr lustig drauf.

MIt diesem Tisch schoben sie mich dann in den Aufwachraum, wo der diensthabende leitende Anästhesist doch glatt lachen musste, als er mich sah, wie sitzen sie denn da, wie ein Haufen Elend… ICH BIN EIN HAUFEN ELEND ICH WILL SOFORT EINE TASSE KAFFEE… und was soll ich sagen, er lief los und ich kriegte meinen Kaffee und dann gings mir schon besser.

Hinterher habe ich mir überlegt, wie ich denn ausgesehen haben mag, und da musste ich selber lachen, ich lag also nicht mehr auf dem Tisch, ich saß darauf, leicht zur Seite gekippt wegen der Schmerzen, mit dieser blauen Plastikhaube auf und dem schicken gepunkteten OP-Hemdchen an und dem mieslaunigsten Gesicht, was man sich vorstellen kann.

Bei der Vorstellung muss ich jetzt noch grinsen. Jedenfalls ist es überstanden und das Mistding ist drinne, geröntgt wurde ich auch, weil was perforiert wurde und dabei kann die Lunge verletzte werden. Wurde sie aber nicht.

Und Dienstag, da kommt er das erste Mal zum Einsatz, der Port.

Irgendwie ist das alles unglaublich.

Chemo, Krankenhaus, Operation

warum eigentlich…

…hat man in so einer Klinik das Gefühl, als sei alles eine irgendwie schrecklich durcheinandere Organisation? Heute war ich geschlagene 5 Stunden dort und habe mich einer Voruntersuchung für die morgige Port-OP unterziehen müssen. Die Untersuchung war nur 15 Minuten, der Rest bestand aus warten, hin und her laufen, Etage 1 und Etage 3 und Parterre und wieder zurück, noch mal warten, noch länger warten, noch mal Bögen ausfüllen, die ich schon mindestens 3 mal ausgefüllt habe, wieder 74 mal die gleichen Fragen beantworten und warten, noch mal warten und wieder die gleichen Fragen beantworten und ehrlich, ich blick da nicht wirklich durch, warum das alles so nötig ist, aber ok, nach 5 Stunden war ich dann wieder raus aus dem Bunker, 10 Euronen Parkgebühr und ich konnte nach Hause.

Morgen früh so gegen 10 soll ich die ScheißEgalSpritze kriegen, die mich hoffentlich vom Geschehen abschirmt, denn ich bin eine anerkannte Memme und kann nichts ertragen, was mit Blut zu tun hat.

Und dann kann ich irgendwann nach Hause und dann werde ich alle Vorbereitungen für die Giftmischung überstanden haben.

Boah, ich bin geschafft, wirklich, einfach nur geschafft. Im Moment passiert mit mir eigentlich gar nichts schlimmes, aber ich bin geschafft. Zu viel ist passiert, zuviele Abschiede musste ich ertragen, und dann starb auch noch Regina, die ich vor ein paar Jahren durch den Blog meiner Mutter kennen gelernt habe. Wir hatten nur einmal direkten Kontakt, auf ihrer Seite, aber ich habe sie dort häufig besucht und Anteil genommen an ihrem Schicksal. Irgendjemand schrieb jetzt in ihrem Gästebuch, es sei so unglaublich, dass sie gestorben ist und die Erde sich einfach weiter dreht. Genau das habe ich damals auch gefühlt, als Hajo starb.

Ich kenne Regina nicht persönlich, aber es entsetzt mich die Vorstellung, dass ich auf ihrer Seite nichts mehr von ihr lesen werde. Diese Endgültigkeit bringt mich grad an den Rand meines Fassungsvermögens. Sie hat mich Teil haben lassen an ihrem Leben und ich habe gerne Teil genommen, auch wenn vieles, was dort stand, manchmal sehr schmerzhaft war, denn ihr Weg war wahrlich kein leichter.

Die Welt dreht sich weiter. Ja das tut sie. Auch wenn diese Vorstellung manchmal einfach nur schwer zu ertragen ist.

Chemo

hin und her und her und hin

Rein in die Stadt… raus aus der Stadt… rein in… ich bin jetzt immer zwischen Dorf und Stadt unterwegs, weil ich einige Termine zu absolvieren habe, denn endlich geht es los. Was? Die Chemo natürlich, aber bevor jetzt jemand denkt, ich freu mich drauf… Gott bewahre, nein, aber ich will es endlich hinter mich bringen. Heute also Termin in der neuen onkologische Praxis, ein Unterschied wie Tag und Nacht, ich fühlte mich gleich aufgehoben. Mir wurde alles erklärt, in einem kleinen gemütlichen Zimmer, in Ruhe, ohne Störungen, ohne Hektik. Fast eine Stunde. Dann sicherte man mir zu, so schnell wie möglich die noch nötigen Termine für mich zu vereinbaren und ich war noch im Auto auf dem Weg nach Hause, da klingelte schon das Handy, morgen früh gleich um halb 10 ist die notwendige Herzuntersuchung in der Praxis Dr. Sowieso… und wieder in die Stadt. Montag dann der nächste Termin, es geht Schlag auf Schlag.

Und vier Monate nach der Chemo soll ich wieder die gleiche Frisur haben wie heute. Na, da bin ich aber mal gespannt ;-))))

Leben

Mühlengeschichten

Heute war ich mit meiner Freundin spazieren, mit der ich nun das gleiche Schicksal teile, sie hatte vor 6 Jahren Brustkrebs. Wir kamen auch an der Winkelsmühle vorbei und da fiel mir ein, dass ich vor 36 Jahren dort einen Fotokurs der Volkshochschule gemacht habe. Wir haben die Mühlräder der damals noch unbewohnten Mühle fotografiert. Und natürlich kamen wir dann darauf zu sprechen, wie es war, so jung, was wir da dachten und fühlten und dass Krankheit etwas war, was gar nicht zu unserem Leben gehörte.

Meine Freudin sagte dann, als sie Krebs bekam, da hätte sie auf einmal gedacht, nein gefühlt, sie sei jetzt wie auf „der anderen Seite“, auf der einen Seite die gesunden und auf der anderen die kranken, die nicht mehr dazu gehören.

Nach dem Spaziergang ging es mir etwas besser, irgendwie war ich vorher in so einem verdammten Tief, ich habe derzeit, außer mit meiner Krankheit, auch noch mit der Trauer um Hajo zu kämpfen. Die kommt grad wieder mit voller Wucht heraus, die Trauer.

Chemo

Mein Glück soll bleiben

Heute bei meinem Professor gewesen, der hat alles vorbereitet, gehe nun zu zwei Onkologinnen, Termin schon am Donnerstag.

Dann hat er mir noch mal erklärt, wie gut die Operation verlaufen ist und dass ich außerordentlich gut heile. Meine Voraussetzungen seien gut, Glück haben nannte er das. Ich sag ja, ich bin ein Glückskind. Hoffe, es bleibt bei mir, das Glück. Jedenfalls da. Hatte wirklich genug Unglück die letzten Jahre.

Wirklich genug!!