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nächtliche Grüße

Ich will nur mal kurze Grüße in der Nacht los werden! Ich denke derzeit so sehr über das Leben nach, bald beginnt mein Hospizkurs, meine Psychoonkologin meinte, ob ich das wirklich machen wolle, grad Krebspatienten seien da ja sehr vorsichtig, sie seien dem Sterben immerhin sehr nah gekommen.

Dem ist wohl so. Aber das bedeutet für mich, dass ich mich mit dem Leben auseinander setzen will, immer und überall. Ich freue mich auf den Kurs, ich freue mich auf die Menschen dort, auf die Themen. Ich freue mich auf die Auseinandersetzung.

Und jetzt wünsche ich allen eine wirklich gute Nacht!

2 Gedanken zu „nächtliche Grüße“

  1. Wie mutig, dass du dich dafür entschieden hast. Ich kann deine Intention dabei sehr gut nachfühlen. Auch ich habe mich nach meiner Krebsbehandlung dazu entschieden, in einem OnkoZentrum mit Patienten im Palliativstadium zu arbeiten. Weil das Angebot da war und mir das Gefühl gesagt hat, dass es genau der Job ist, den ich als nächstes machen muss. Machen möchte. Viele Leute in meinem Umfeld fanden das ziemlich krass.
    Ich habe klinische Studien betreut und die Patienten darin. Am Anfang betreute ich eine Studie des metastasierten Brustkrebses. Das Medikament war bei den Patientinnen leider nicht sonderlich erfolgreich. Meist kannte ich die behandelnden Ärzte. Aus eigener Erfahrung. Hatte Bilder im Kopf, die ich nicht ausschalten konnte. Kannte die CT-Befunde schon vor den Patienten und hatte durch den Job natürlich detailliert Einblick in das ganze Thema Krebs. Von der anderen Seite…
    Dann kam nach ein paar Wochen der Chef-Onkologe zu mir und fragte, wie ich mich eingelebt hatte. Er sagte, dass ich nun lernen würde, lernen müsste, wie es ist, auf der anderen Seite zu stehen. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich gemerkt habe, was er meinte…
    Mittlerweile habe ich diesen Job hinter mir gelassen und kann aus heutiger Sicht sagen, dass er mir wohl am meisten gegeben und am meisten abverlangt hat. Viele Gespräche und Erfahrungen haben mir so ein positives Gefühl gegeben, haben mir gezeigt, wie glücklich ich sein kann, dass ich wieder gesund und am Leben bin. Einige Patienten und Schicksale, Gespräche über das Leben in der Endphase haben mir alles abverlangt. Machen mich auch heute noch betroffen, obwohl sie schon vergangen sind.
    Heute weiß ich, was mein Chef damals meinte. Die Position der Studienkoordinatorin hat mir sehr dabei geholfen, mich von der Patientin in mir zu entfernen. Ein Stück weit hat mir der Job auch geholfen, meine eigene Geschichte zu verarbeiten. Eben wieder auf die andere, gesunde Seite des Lebens zurückzukehren. Aber ich habe es eben nie ganz geschafft, die Patientin in mir ruhen zu lassen. Sie ist und bleibt ein Teil von mir. Jetzt und jeden Tag. Und sie war es letztendlich auch, die entschieden hat, dass nach fünf Jahren in der Onkologie das Thema Sterben nun erst einmal nicht mehr Bestandteil meines beruflichen Alltags sein soll. Gut so! für den Moment.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Erfüllung mit dem Auseinandersetzen!!! 🙂

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    1. Das hört sich ja bei mir so flapsig an, dass ich mich auf die Themen freue und auf die Auseinandersetzung. Fällt mir grad so auf, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich es nicht flapsig meine. Es war spät und es waren Gedankenschnipsel. Aber es ist auch ein Teil wahr, der mit der Freude, nur eben weiß ich, wie Du Deine Erfahrung ja auch beschreibst, dass es mir viel abverlangen wird. Mal eben so übers Sterben reden ist nicht. Denn Sterben geht uns alle an. Ausnahmslos und das macht glaube ich immer betroffen im Sinne von: es betrifft mich. Da gibt es im Grunde keine andere Seite, denn dahin kommen wir alle. Onkologen können mit ihren Patienten über Krankheiten reden, die sie hoffentlich nie selbst bekommen werden, ich meine damit, sie können tatsächlich immer auf der anderen Seite sein. Wenn ich mit jemandem über sein Sterben rede, dann weiß ich, dass ich genau da auch hinkomme. Wenn ich mich also nicht selbst mit dem Thema auseinandersetze, dann glaube ich, kann ich nicht wirklich helfen. Ich muss nicht zu irgendeinem klaren Ergebnis kommen, einen klaren Standpunkt haben, vielleicht schwanke ich ständig, aber ich muss mich auseinandersezten. Das war damit gemeint, dass ich mich darauf freue. Ich gehe ja nun immer noch regelmäßig (einmal im Monat) zu meiner Psychoonkologin. Diese Gespräche tun mir unendlich gut, es ist nie das Super-Aha-Erlebnis, das große Kapieren, endlich wissen, wie das Leben funktioniert, es ist das nachdenken darüber, das abwägen, Argumente austauschen, sich die Situationen nochmal anschauen. Nicht wegschauen. Das ist glaube ich für mich immer am wichtigsten, hinschauen, seinen eigenen Anteil sehen. Darum mache ich das alles.

      Ob ich meine Geschichte jemals verarbeiten kann? Kann man das? Ich bin heute noch erstaunt darüber, Krebs? Ich? Als würde mir jemand einen Bären aufbinden wollen, dabei habe ich das alles ja nun erlebt. Und wie ich damals damit umgegangen bin, ohne in Panik zu geraten, was das alles zu bedeuten hatte, da habe ich in der Therapie viel über mich begriffen. Wie ich ticke. Warum ich so bin. Wie meine Familie mich geprägt hat, die Vergangenheit meiner Familie, was da alles eine Rolle spielt.

      Ich will diese Auseinandersetzung niemals missen, ich glaube, ich bin eine Auseinandersetzfrau, da ist es gut, dass ich auch einen Auseinandersetzmann gefunden habe 😉 meinen Wandersmann. Auseinandersetzen ist bei Psychologen wahrlich nicht immer selbstverständlich, die können gut andere auseinandersetzen 😉 aber wir leben unsere Partnerschaft wirklich nicht einfach so.

      Ich wrede über den Hospizkurs berichten! Danke jedenfalls für Deine lieben Wünsche!

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