Leben

Der Tod trinkt keinen Kaffee ☕️

Mein anfängliches Schlafproblem ist hinfort, der Lavendel scheint zu wirken, wie und warum ist mir völlig wurscht, ich kann schlafen. Mein Schlafzimmer gleicht irgendwie einer Lavendellagerstätte 😎 überall hängen so kleine duftende Säckchen und ab und an brennt ein Teelicht in der Duftlampe mit reinem Lavendelöl. Wunderbarer Duft, findet auch mein Wandersmann, der sowieso schläft, ob nun mit oder ohne Lavendel 😉

Soviel dazu. Kommen wir zum Kaffee. Das ist keine leichte Kost, also ich meine, die Gedanken, die ich dazu habe. Obwohl es ja eigentlich positiv ist. Uneigentlich weiß ich nicht, muss jeder selbst entscheiden.

Wenn ich meinen Alltag lebe, wenn ich hier im Haus herum gehe, mir z.B. Kaffee koche, dann schweifen meine Gedanken oft ab, das sind ja so Handlungen, die immer gleich sind. Filter knicken, einlegen, Kaffee mahlen (bei mir gibbet frisch gemahlenen Kaffee 😎), Wasser in den Tank, Deckel drauf, anstellen… kennt vermutlich jeder, jede, so ähnlich, ob nun mit Kaffee oder Tee oder was auch immer. Rituale. Alltagsrituale.

Und dann stehe ich hier also in der Küche, meiner Wohnküche, die Kaffeemaschine steht in dem Teil, der mal das Schlafzimmer meiner Großeltern war, mein Vater hat eine Wand eingerissen, so dass aus der winzigen Küche eine Wohnküche wurde. Meine Wohnküche.

Diese Küche war auch mal das Zimmer meiner Tante, dann war sie die Werkstatt meines verstorbenen Mannes, dann wurde sie zur WG-Küche und nun ist es meine Wohnküche. Ich will damit sagen, ich kenne diese Räume seit Jahrzehnten, als Kind bin ich in Opas Quitschbett herum gehüpft (wo jetzt meine Kaffeemaschine steht 😜) und dann habe ich dort mit meiner Tante gesessen und dann mit meinem Mann und dann… zog das Leben so dahin. Immer begleitet von Alltagsritualen. Die nimmt man doch gar nicht mehr wahr. Das ist einfach so. Filter knicken, einlegen, Kaffee… das ist doch immer gleich und man bemerkt es kaum.

Bis, ja, bis man realisiert, dass das Leben grad dabei ist, einem diese Rituale wegzunehmen.

Während meines Klinikaufenthaltes war ich oft in der kleinen Kapelle des Krankenhauses, die war sehr schön gestaltet, ein Raum der Ruhe, mit einem Baum aus Metall, wo man Kerzen aufstellen konnte, Fürbittkerzen. Ich habe so manche Fürbittkerze entzündet. Und ich habe gehofft, ich überlebe den ganzen Mist, ich habe so sehr gehofft, dass ich weitere Filtertüten falten kann. Dass ich dort stehen kann, wo einmal das Qutischebett meines Großvaters stand, und Filtertüten falten. Und einlegen. Und Kaffee mahlen. Und all das tun, was ich jeden Tag tat, ohne darüber nachzudenken.

Ich mag meine Küche, obwohl sie so anders ist, wie ich mir eigentlich Küchen wünschte, es ist eine Einbauküche und ich liebe ja eigentlich so zusammengestelltes aus allen möglichen Epochen, bunt, unegal, aber nun ist es anders gekommen und ich mag sie. Ich mag meine Kaffeemaschinenchaosecke, ich mag es, dort den frischen Kaffee zu mahlen, ich mag den Duft, ich mag den Milchaufschäumer, ich mag mich dann an den Tisch setzen und darüber nachdenken, was das Leben mit mir gemacht hat.

Ich habe diese Alltagsrutiale lieben gelernt. Sie sind mir jetzt so bewusst geworden. Ich hatte Angst, ich verliere sie. Denn der Tod trinkt keinen Kaffee ☕️ und wenn, dann nur schwarz 😜

Aber so schnell wird nicht gestorben, jetzt leben wir erstmal weiter und trinken unseren Kaffee 😎