Brustzentrum, Chemo, Familie, Nachwirkungen, Seele

Gesamtüberleben

Das Bild ist meine wunderschöne neue Kaffeetasse, die mir meine Kolleginnen zum Geburtstag geschenkt haben ❤️ der war schon im Februar, aber ich war erst jetzt wieder arbeiten, die Schmerzen hatten mich ziemlich nieder gedrückt. So war es einfach. Doch die gute Nachricht ist, ich habe das Gefühl, sie ziehen sich zurück, ja wirklich, als ginge es langsam bergauf.

Dienstag war ich im Brustzentrum (an dieses Wort werde ich mich nie gewöhnen können) und auch da war alles in Ordnung. Ich sagte meiner Operateurin, dass ich nun auf Tamoxifen umgestiegen sei und sie fragte mich, ob ich am Ende auch solche Schmerzen in den Füßen gehabt hätte 😲

UND WAS FÜR WELCHE 😩 ich dachte manchmal, ich könne kaum laufen.

Mich kontaktierte eine Journalistin, die an einem Artikel über Krebsüberlebende und die Langzeitfolgen von Krebsbehandlungen schreibt (mehr erzähle ich, wenn es soweit ist). Es geht dabei auch um Langzeitfolgen, es geht auch darum, dass die Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen möglicherweise oft denken, dass alles wieder beim Alten ist, wenn der Krebs geheilt wurde.

Nein, nichts ist beim Alten und mich haut das zuweilen mehr um als die Diagnose selber. Die habe ich ja erstaunlich ruhig aufgenommen. Ich war nicht geschockt. Und es war auch kein Antischock oder was auch immer da reingedichtet wurde, ich habe mir das angehört und gedacht, na klasse, nun musst du dich nach der ganzen Scheiße der letzten Jahre auch noch – ebenso wie meine Mutter übrigens – mit Brustkrebs auseinander setzen. Ich habe nicht eine einzige Träne vergossen, das macht mich weder stolz noch ängstigt es mich, es war einfach so. Ich war nicht wütend, ich war nicht erschüttert, ich stand einfach da und dachte, ok, nun bekämpfen wir eben den Krebs. Wird bestimmt nicht schön, aber was hilft es. Augen zu und durch. So bin ich, so war ich immer, so werde ich bleiben. Und da lasse ich mir auch nichts erzählen.

Meine Therapeutin nennt das eine Riesenportion Resilienz. Was auch immer es ist, es hat mich getragen. Trägt mich bis heute. Auch wenn mich diese Langzeitfolgen manchmal ziemlich schaffen. Sowohl da, wo sie auftreten als auch im Kopf. Und es sind beileibe nicht nur die Knochenschmerzen. Soll ich mal aufzählen? Wollt Ihr es wirklich wissen? Die meisten, die hier lesen, kennen es vermutlich selber. Es ist eine verdammte Scheiße, ‚tschuldigung, aber so ist es doch. Wer glaubt denn wirklich, dass eine Chemo nur die Krebszellen kaputt macht? Dass eine Bestrahlung nur genau da wirkt, wo sie auch hinstrahlt? Dass das ganze Gepille ohne Nebenwirkungen ist?

Überleben hat seinen Preis. So ist es einfach. Punkt.

Heute war eine Beilage in der ZEIT, ging auch um Krebs, da schrieb ein Arzt, selber betroffen, über die Folgen für ihn und seine Patienten. Und er sagte, viele hätten ihm nach erfolgreicher Therapie, Jahre später, gesagt, dass der Krebs ihnen mehr gegeben als genommen hätte. Wenn ich jetzt mal die Nebenwirkungen auf das Pluskonto zähle… war’n Scherz 😉 nein, ich glaube, da ist was Wahres dran. Ich lebe bewusster, ich lebe endlicher. Was heißt das? Ich WEISS einfach, dass das Leben von jetzt auf gleich kippen kann, dass nichts selbstverständlich ist. Und was heißt das noch? Dass ich keinen Bock mehr auf sinnloses Gelabere habe. Dass mir Menschen unglaublich auf den Zeiger gehen, die nur an ihren Vorteil denken oder sich mit Pillepalle aufhalten. Oberflächlichkeit geht mir auf den Senkel. Ich werde immer ungeduldiger.

Und jetzt muss ich los zur Massage, damit die Schmerzen erträglicher werden.

Ich grüße aus dem Neanderthal ❤️

5 Gedanken zu „Gesamtüberleben“

  1. Toller, ehrlicher Post von Dir. Ich hätte auch gerne eine Portion
    von Deinem gelassenem Pragmatismus von dem Du in Deinem
    Post schreibst, mir gelingt das nicht immer so gut. Hast Du wirklich
    nie gehadert, nicht einen einzigen klitzekleinen Moment ?
    Bei mir halten sich die Nebenwirkungen noch immer sehr in erträglichen
    Grenzen. Die Blasenentzündung habe ich dank dem „Wundermittel“
    D-Mannose sehr gut im Griff, sogar nur mit der Minimaldosis einmal pro
    Woche kam trotz dem eiskalten Nordseewind im Sylturlaub von dem ich
    gestern zurückkam keine Blasenentzündung mehr.

    Ich wünsche Dir, dass es bei Dir weiter Berg auf geht.

    LG

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  2. Hoffe Dein Urlaub war schön und erholsam!! Und nein, ich habe nie gehadert, ich habe in meinem Leben noch nie gehadert, ich bin eine Antihaderin, ich weiß nicht, warum das so ist, aber es ist so. Wenn etwas nicht so ist, wie ich es gerne hätte, dann frage ich mich, ob ich es ändern kann, und wenn nicht, dann mache ich einen Haken dran. So war das schon immer. Ist vielleicht ein Fehler, ich weiß es nicht. Hat vielleicht mit meiner Borderline-Mutter zu tun, die meine Gefühlswelt oft mit Chaos überzog. Da blieb keine Zeit zu hadern, weil schon die nächste(n) Welle(n) am Horizont erschien(en).
    Ist auch egal, ist so.
    In der Therapie arbeite ich jetzt meine Wut raus, vielleicht kommt da ja noch was 😎
    Und ich hoffe, Deine Blasenentzündungen bleiben da, wo sie sind: weg 😈

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  3. Ich denke es ist das Beste nicht zu hadern und genau wie Du schreibst. Kennst Du den Spruch :“ Glücklich ist wer vergisst was doch nicht zu ändern ist “ ? Der drückt genau das aus was Du geschrieben hast.
    Warum arbeitet ihr denn Deine Wut heraus bei der Psychoonkologin ?
    Ich wäre froh ich hätte keine .
    Danke für Deine lieben Wünsche für meinen Urlaub. Er war schön und die Blase hat dank D-Mannose Ruhe gegeben.
    Sag`bescheid wenn Du Fotos sehen möchtest wo ich sie hinschicken kann.

    LG

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  4. Zum Thema „Wut herausarbeiten“ wollte ich noch was schreiben.
    Ich habe in der Zeitschrift „Psychologie Heute“ gelesen, dass neuere
    Studien in der Traumaforschung ergeben haben, dass es nicht unbedingt
    besser hilft ein Trauma zu überwinden, wenn man darüber redet bzw. die
    Gefühle die das Trauma verusacht herauszuholen. Man hat in der Studie
    traumatisierte Menschen (Opfer von schweren Unfällen, Gewalt etc. )
    untersucht, von denen die eine Gruppe danach eine Traumatherapie gemacht hat und die andere nicht und das Ereignis verdrängt hat. Das Ergebnis war, das es den Menschen aus der Gruppe ohne Therapie die verdrängt hat, auch lange Zeit danach nicht schlechter, sondern sogar etwas besser ging als der Gruppe mit Therapie, die sich auf ihre Gefühle, die das Trauma verursacht hat, konzentriert haben. Deshalb gilt es in der Traumaforschung nicht mehr unbedingt als das Beste nach einem traumatischen Erlebnis zu therapieren, es besteht sogar ein gewisses Risiko,
    dass wenn verdrängte Gefühle geziehlt hervorgeholt werden, alte Wunden wieder aufbrechen, die sonst nie aufgebrochen wären .
    Eine Bekannte von mir, die eine zeitlang als Traumatherapeutin im Institut für Traumatherapie in München gearabeitet hat, hat mir das auch so ähnlich gesagt.
    Ich lese Dein Tagebuch schon von Anfang an und habe Dich immer sehr dafür bewundert, dass Du es schaffst ohne Wut und hadern damit umzugehen, trotz der vielen Schicksalsschläge. Das hat mir auch immer Mut gemacht. Danke Dir dafür.

    LG

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    1. Ja, ich denke, ohne wirklich Ahnung davon zu haben, manche Dinge muss man ruhen lassen. Nun mache ich keine Traumatherapie, weil ich (GOTT SEI DANK) nicht traumatisiert wurde, vieles war nicht leicht, vieles war schrecklich, vieles war gut, ich arbeite es auf und das ist insgesamt gut. Ich bin schon immer ein Mensch gewesen, der wissen wollte, warum was so ist. Mir hat das sehr weiter geholfen, aber jeder ist eben anders und dem sollte man Rechnung tragen.
      Schön, wenn ich Dir Mut machen konnte, dann hat sich das ganze Geschreibsel wenigstens gelohnt ❤️

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