Leben

Der Tod ist so nah.

Vor einigen Tagen habe ich erfahren, dass ein Mensch, den ich vor mehr als zwei Jahrzehnten recht gut kannte und der zu meiner Familie gehörte, sich das Leben genommen hat. Er war so alt wie ich. Er hat sich aufgehangen.

Nun könnte man sich fragen, was war geschehen, warum wusste er keinen Ausweg mehr… all diese Fragen, die dann kommen. Und dann denke ich, es gibt Menschen, die kämpfen jeden Tag ums Überleben, die lassen Gift durch ihren Körper laufen, lassen radioaktive Strahlen durch sich hindurch gleiten, um länger leben zu können und nicht sterben zu müssen.

Ich denke jetzt nicht an mich. Ich habe heute bei Amazon was kaufen wollen, die merken sich ja immer, was man mal gesucht hat, und so bekam ich „Krebsliteratur“ angezeigt und fand etliche Bücher von jungen Menschen, die sterben mussten, sterben müssen.

Was ist das für ein Unterschied, wenn jemand sterben muss und jemand sterben will? Wie wäre es, wenn man sagen könnte, kannst du nicht meinen kranken Körper nehmen und mit ihm sterben und ich nehme deinen gesunden und lebe mit ihm weiter?

Warum ist dir so unwichtig, was mir so wichtig ist? Warum beendest du, was ich weiter haben möchte?

Darf man wütend werden auf Menschen, die sich umbringen?

Ja, man darf. Sage ich. Weil es egozentrischer gar nicht mehr geht. Ich sage das nicht einfach so. Ich sage das als Ehefrau eines schwer depressiven Mannes, er sich das Leben nehmen wollte, der aber aufgrund einer Lungenembolie nicht mehr dazu kam.

Ich bin dem Schicksal dankbar, dass es mir erspart hat, was er für sein Ende vorgesehen hatte. Ob ich mich davon hätte erholen können, kann ich heute nicht sagen. Und genau das finde ich so egozentrisch. Das eigene Leid zählt mehr als das Leid er Angehörigen.

Depression ist eine Scheißkrankheit.

13 Gedanken zu „Der Tod ist so nah.“

    1. „Wut tut gut“ ist ein Satz aus der Therapie. Ich finde, man darf wütend sein, man muss es sogar. Wut ist eine ganz wichtige Emotion, die uns zeigt, da läuft was falsch.
      Liebe Grüße!

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  1. Wenn Wut die erste Reaktion ist, ist es ehrlich und darf auch gezeigt, bzw. gelebt werden. Letztendlich entscheidend ist die Auseinandersetzung mit dem was passiert ist. Dazu gehören auch unbequeme Fragen. Ganz klar.

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  2. Ja, ich bin der Meinung, dass Wut erst einmal gut tut.
    Dann jedoch sollte man (ich) sich (mich) fragen, was für ein Gefühl h i n t e r der Wut steht.
    Meistens verbirgt sich da etwas ganz anderes.
    Alles Gute Dir
    Beate

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  3. Auch wenn Wut völlig legitim ist, ist es eine traurige Tatsache,
    dass den allermeisten Suiziden schwehre Depressionen vorausgehen
    und dass eine Depression eine anerkannte Krankheit ist, die eben genau
    deshalb weil sie mit Suizidgedanken einhergeht auch lebensbedrohlich ist. Der Unterschied zur Krebserkrankung ist, dass die Krankheit Depression
    eine psychische Erkrankung ist bzw. auch eine organische Erkrankung des Gehirnstoffwechsels.Sogar bakterielle Infektionen des Gehirns können eine Depression verusachen. Daher wäre es meiner Meinung nach vermessen und auch nicht fair, jemandem der sich aufgrund so einer Erkrankung das Leben nimmt Schuldzuweisungen zu machen.
    Genau wie es ja auch unsinnig und vermessen wäre, jemand der Krebs bekommt und daran stirbt, selbst wenn er ungesund gelebt hätte, Vorwürfe zu machen.

    Ein Depressiver Mensch hat es nicht unter Kontrolle wenn Suizidgedanken
    kommen und leider hilft eine Psychotherapie und auch Psychopharmaka nicht bei jedem Patienten. Genau wie eine Chemo etc. auch nicht bei jedem Krebspatienten helfen .

    Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat selbst über sein Leben und eben auch über seinen Tod zu bestimmen, denn es ist SEIN Leben und auch SEIN Tod. Was anderes ist es natürlich wenn Kinder da sind für die dernjenige Verantwortung hat, aber um es nochmal zu verdeutlichen, jemand der an einer schwehren Depressionen erkrankt ist, die mit Suizidgendanken einhergeht, hat sich das NICHT ausgesucht. Er leidet selbst am allermeisten darunter und hat das nicht unter Kontrolle, so wie ein Krebspatient zwar auch Medikamente gegen Krebs nehmen kann, aber es nicht wirklich kontrollieren kann ob er daran sterben wird oder nicht.

    Gruß

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  4. Für Menschen, die gegen den eigenen Tod kämpfen (kämpften) und ev. einen hohen Preis dafür bezahlen müssen (mussten), ist das Gefühl, wenn ein an sich körperlich gesunder Mensch, sein Leben so beendet, ein klein wenig etwas anderes 😉
    Da meine ich nicht nur Menschen mit Krebs, sondern auch Menschen mit Erkrankungen wie ALS, MS, Aids, etc.
    Ich glaube, darum geht es in dem Beitrag und auch bei dem Gefühl Wut. Die Lebensansichten sind derart gegensätzlich und da ist die andere Situation sehr oft, sehr schwer zu verstehen oder zu begreifen.
    Ein schwer depressiver Mensch hat wahrscheinlich auch ganz andere Gedanken und Gefühle, wenn er z. B. vom Kampf gegen den Krebstod hört und welchen Preis manche Menschen bezahlen, um weiter leben zu können.
    LG
    Sue

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  5. Eine Depression ist auch eine körperliche Erkrankung, wie ich oben schon
    schrieb. Eine Stoffwechselstörung im Gehirn oder andere krankhafte Vorgänge im Gehirn können Depressionen auslösen. Sogar lange bevor
    z.B. eine Demenzerkrankung oder Parkinson auftritt sind Depressionen oft ein frühes Symptom davon, das ist erwiesen und habe ich in meinem Umfeld auch miterlebt. Die Suizidgedanken sind dann auch ein Symptom der „Gehirnerkrankung“ und nicht Ausdruck von persönlichen Lebensansichten.

    Eine Depression ist kein Persönlichkeitsmerkmal und auch keine Charaktereigenschaft, sondern eine psychische und körperliche Erkrankung, die genau wie Krebs JEDEN treffen kann.

    LG

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  6. Hallo Lisa,

    ganz offensichtlich willst Du nicht verstehen.
    All das was Du verteidigst, wurde von niemand behauptet. Du reagierst auf Aussagen, die niemand gemacht hat.

    LG
    Sue

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  7. Ich verteidige gar nichts, sondern schreibe lediglich Fakten über die
    „Volkskrankheit “ Depression, die viel zu lange ein Tabuthema war
    und über die immer noch Vieles behauptet wird was nicht stimmt.
    Deshalb wollte damit etwas zur Aufklärung beitragen, nicht mehr und nicht weniger. Es bezog sich nicht auf Deinen Post und dabei möchte
    ich es jetzt auch belassen.

    Gruß

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  8. Es geht beim Suzid wohl nicht ums Sterben wollen – die Angst vor dem Tod ist ja trotzdem da – es geht um das Nicht-mehr-da-sein-wollen. Niemandem mehr zur Last fallen. Depression ist auch eine Krankheit. Deine Wut kann ich trotzdem verstehen.

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