Leben

Gute Geister GmbH đŸ˜Ž

Ich lebe im Haus meiner Großeltern, 1952 erbaut, ein altes SiedlerhĂ€uschen. Dort bin ich aufgewachsen und ich ha1965tte bei meinen Großeltern wirkliche eine wunderschöne Kindheit. Wenn ich daran denke, wird mir heute noch ganz warm ums Herz! Hier sind Opa und Oma mit mir und meiner kleinen Schwester. Das war an Weihnachten 1966. Ich habe im Laufe der Jahre in allen Etagen gewohnt, jedes Zimmer mit meinen Dingen gefĂŒllt, jetzt wohne ich wieder unten in der Wohnung, wo auch meine Großeltern wohnten und wo ich so glĂŒcklich mit ihnen war.

Ich hatte wirklich GlĂŒck, so sehe ich das heute. Keine Sorgen, niemand wurde schwer krank oder starb, meine Kindheit kannte keine dunklen Wolken und die, die mich betrafen, nahm ich nicht als solche wahr. Meine schwere Erkankung ein Jahr, bevor das Foto gemacht wurde, eine Erkrankung, die man normalerweise nicht ĂŒberlebt. Ich habe sie ĂŒberlebt, dank eines Dorfarztes mit Pferdeserum in der Tasche. Unglaublich, aber wahr. Wie sagte mein Strahlenarzt zu mir „wenn sie DAS ĂŒberlebt haben, dann ĂŒberleben sie das hier erst Recht“ und ich wĂŒnsche, dass er Recht behĂ€lt!

GlĂŒck. KindheitsglĂŒck. Das grĂ¶ĂŸte GlĂŒck aber war, dass ich angenommen wurde von meiner Großmutter. Sie gab mir das GefĂŒhl, dass ich so, wie ich bin, genau richtig bin. Ich habe sie das ein oder andere Mal (vermutlich öfter 😎) zur Weißglut gebracht, aber ich war richtig. Es war meine Welt, in der ich so gerne gelebt habe. Ich kann mich noch genau erinnern, Sommer 1967, ich war 8 Jahre alt, Oma hatte ihre Freundin zu Besuch und sie saßen im Garten. Ich hĂŒpfte um die beiden herum und sagte zu meiner Oma, so soll es bleiben, es soll nie aufhören, ich will immer 8 Jahre alt bleiben (darum erinnere ich das Jahr noch so genau). Die beiden alten Damen lachten und erklĂ€rten mir, dass das nicht ginge. Kinder seien dazu da, um groß zu werden. Ich wollte aber nicht.

Wie wir wissen, hat es nichts genutzt, ich wurde Àlter und helle sowie auch dunkle Wolken kamen hinzu. So ist das mit dem Leben, Tag und Nacht, hell und dunkel, schön und schrecklich. Die ganze Palette.

Von meiner Kindheit zehre ich heute noch, ich glaube, ich bin darum auch so ein lebensfroher Mensch geworden, weil ich es einfach gut hatte. Dass ich hier in dem Haus wohnen bleibe, als Kind war fĂŒr mich nichts anderes vorstellbar, aber als Jugendliche wollte ich lieber heute als morgen weg. Ich bin wieder hier gelandet und ich bin froh darum. Es gibt schlimmeres im Leben als ein eigenes Haus, wobei ich es ja verschenkt habe 😎 doch Spaß beiseite, hier ist es schön. Hier bin ich zu Hause.

Und damit kommen wir zur „Guten Geister GmbH“, das war nĂ€mlich ein Verein, mit einem eigenen Vereinsraum, dort stand eine Kasse, grau und mit SchlĂŒssel. Der Zweck des Vereins war das FĂŒllen derselben, um dann, mit dem angesammelten Reichtum, den Kaugummiautomaten des Dorfes zu plĂŒndern! Ich war die Vorsitzende, der kleine Dieter war der Kassenwart, er musste stĂ€ndig nachzĂ€hlen, wie viel wir haben, seine unwesentlich Ă€ltere Schwester Heike sollte alles aufschreiben und Karin hatte auch eine Funktion, die erinnere ich aber nicht mehr 😎 meine Schwester machte nicht lange mit, sie fand das ganze doof, aber Kaugummis kamen genug zusammen. Auf die waren wir eigentlich nicht scharf, wir wollten ein kleines Feuerzeug haben. Wer erinnert sich noch an diese Kaugummiautomanten aus den 60er Jahren? Da waren auch so kleine Spielzeuge drin, Murks im Grunde, aber wir kannten das ja alles nicht, es gab weder Internet noch Toys R Us, es gab den Otto-Katalog, ĂŒber den wir Kinder hingen, um uns Weihnachtsgeschenke auszusuchen. Ein mit Klimbim gefĂŒllter Kaugummiautomat war wie Coca Cola nach dem Krieg!

Um an Geld zu kommen, haben wir „gute Taten“ vollbracht und uns dafĂŒr bezahlen lassen 😎 z.B. Zigaretten holen fĂŒr meine Tante. Wir haben so manchen Groschen eingenommen, aber das Feuerzeug haben wir nicht bekommen. Vermutlich war das auch besser so 😉

Tja und jetzt sitze ich in dem Vereinsraum. Es ist mein kleines KellerbĂŒro

DSCN0941was ganz frĂŒher der alte Kohlenkeller war und dann das „Wohnzimmer“ meiner Eltern. Echt jetzt. Sie zogen 1958 zu meinen Großeltern, in die Wohnung in Parterre, 54 qm klein, zusammen mit Oma und Opa und meiner Tante Ingelore. Mit 5 Erwachsenen und ein Baby und fließend kalt Wasser, heute undenkbar! Und damit sie sich mal zurĂŒck ziehen können, hat Vater dieses Zimmer gebaut, ein Fenster rein, WĂ€nde und eine TĂŒr… und dort empfingen sie Freunde. 2,5 mal 3,5 Meter. Und als meine Eltern in die Wohnung nach oben zogen, weil die Mieter woanders hin gezogen sind, da bekamen wir Kinder das Zimmer, als Spielzimmer, und so wurde es der Vereinsraum der „Gute Geister GmbH“! Es ist noch so manches gewesen, dieses kleine Zimmer, heute ist es mein BĂŒro und ich liebe es hier! Ach, eigentlich liebe ich alles hier an dem Haus 😊

5 Gedanken zu „Gute Geister GmbH đŸ˜Ž“

  1. Ich kann mich an die Kaugummi/Spielkram- Automaten auch noch gut erinnern. Ich verbinde damit allerdings eine nicht so schöne Geschichte, die damit endete, dass ich, als etwa 6-jĂ€hrige, gut behĂŒtet von einem Polizisten, im grĂŒnen Dienst-VW-KĂ€fer nach Hause gebracht wurde.

    lieben gruß
    sue

    GefÀllt mir

      1. KinderhĂŒten war lustig und anstrengend. Es gab mal wieder ein AufklĂ€rungsgesprĂ€ch in der S-Bahn . . . sehr ulkig.
        Wie meine Eltern damals reagiert hatten, weiß ich gar nicht mehr. Mir hatte ein Mann an so einem Automaten angeboten mir etwas zu kaufen. . wenn ich dann mit ihm gehe. Darauf bin ich schreiend davon gelaufen und der Polizist hat mich gefunden. Dann habe ich vom Polizisten eine Brezel bekommen und er hat mich mit auf die Wache genommen . . . und spĂ€ter dann eben nach Hause gefahren. Ich hatte den Mann auf mir vorgelegten Fotos erkannt.

        lieben gruß
        sue

        GefÀllt mir

  2. wundervoll solche Erinnerungen zu haben und ein Elternhaus, leider sind wir so oft umgezogen, dass ich so was nicht habe. Aber ich lebe auch in einem SiedlungshÀuschen, ein wenig kann ich nach empfinden. Lieben Gruss Katinka

    GefÀllt mir

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