Leben, Liebe, Nachsorge

das französische Modell

Dies Foto entstand vor einem Jahr auf der Extraschicht 2014, damals noch frisch verliebt und ohne Knochenschmerzen 😉 jedenfalls kann ich mich daran nicht erinnern, aber wenn man Sternchen in den Augen hat, kann man sich vielleicht sowieso an nicht mehr viel erinnern 😛

IMG_0796Es sind die Tage der Gedanken. Gestern ging es um Normalität, die es glaube ich gar nicht gibt, heute geht es um Arzttermine. Morgen um 11 habe ich die Kontrolluntersuchung beim Onkologen. Irgendwie hat sich da grundlegend was geändert. In mir. Ich habe von Anfang an die Untersuchungen so aufgeteilt, dass ich sie nicht alle auf einmal habe sondern schön zeitversetzt, das ist irgendwie besser. Und die Onkologentermine liegen so, dass ich überhaupt gar nicht mehr dran denke. Zudem habe ich mir gewünscht, sie nicht wie üblich auf alle 6 Monate auszudehnen, ich wollte bei einem Dreimonatsrhytmus bleiben. So entzerrt sich nochmal alles, jedenfalls in meinen Gedanken.

Ich habe meine Krebserkrankung und die Nachsorge in mein Leben integriert. Sie ist nicht mehr allesbestimmend, sie ist da, ich übergehe sie nicht, ich tue, was ich tun kann, aber sie bestimmt nicht mehr alles. Leben ist mehr als das.

Heute war ich wieder beim Akupunkteur, der doch Urlaub hatte. Den wunderten meine Schmerzattacken nicht, er erzählte mir was von Energie und fließen und dauern und… schon war ich weggedämmert mit Dutzenden von Nadeln in mir drin. Ich bräuchte Geduld. Also gut, habe ich Geduld. Wenn’s weiter nichts ist, mit Krebs lernt man Geduld, aber sowas von!

Dann war ich bei meinem Freund und habe ihm erzählt, was sich bei mir alles geändert hat in mir drin (Psychologen sind echt praktisch 😛 ) und auf dem Weg nach Hause merkte ich, wie gut mir das tut, einen Liebsten zu haben und nicht zusammenzuclinchen. Soll heißen, wir leben das französische Modell 😉 so habe ich das mal genannt, wenn man zwar zusammen ist, aber nicht zusammen wohnt und das auch nicht will. Warum französisch? Nun, ich war jung und dumm naiv und bewunderte diese Simone de Beauvoir, die mit ihrem Jean-Paul zusammen war aber getrennt lebte und wie sie das begründeten und … das hörte sich alles so klug an. Dann verliebte ich mich, jung und DÄMLICH naiv und… naja, wie’s halt so ist, schon waren wir zusammen gezogen.

Ich habe so einiges erlebt, nicht immer schönes, oft schweres, gutes, alles, was man halt so erlebt im Leben und wenn ich eins nicht mehr will, dann eine Beziehung zerleben. Alltagszerlebenzusammenkleben. Immerbeisammensein. Nichtgetrenntseinkönnenwollendürfen. SCHRECKLICH. Wir sind alt genug, wir haben vieles abgehakt in unserem Leben, also Familiengründung und sowas meine ich jetzt, die Sache mit ein Haus, ein Baum, ein Videorecorder… äh… so ähnlich 😛 und darum passt das französische Modell so gut.

Wir besuchen uns, wir machen so vieles zusammen, wir sind so oft zusammen, aber ich habe meinen eigenen Bereich. Ich brauche das. Ich brauche Zeit für mich. In meinen eigenen Räumen. Wo nur ich zu bestimmen habe. Nur ich. Das hat sicherlich was damit zu tun, dass ich immer für andere da sein musste. Dass ich immer für das Wohlergehen meiner Liebsten verantwortlich war. Ich fühle mich immer noch oft verantwortlich, ich mache immer noch viel, gerade darum brauche ich diesen Raum, wo ich mich vor diesem machenmüssen schützen kann. Bei mir. Wo nur ich zu bestimmen habe. Nur ich. MEINSMEINSMEINS 😉 sagt mein Freund immer und lacht, sortiert seine Schlüssel, ob auch alle da sind und niemand unberechtigt… 😉

Irgendwie haben wir beide das Bedürfnis, unser Eigenes zu bewahren. Das ist gut so. Vielleicht ändert sich das mal, vielleicht nicht. Ist auch völlig wurscht. Das Leben ist, was man draus macht. Und wir machen das französische Modell 😉

Ich sag ja, Psychologen sind echt praktisch 😛 😀 😉

13 Gedanken zu „das französische Modell“

  1. das französische modell hört sich richtig gut an. eben das mit dem haus, baum etc habt ihr abgehakt. leben steht nun im vordergrund. zu manchen, vermutlich sehr vielen, zeiten zusammen. manchmal auch allein. wichtig.
    für heute morgen drücke ich dir die daumen……..schauen ist immer besser wie warten
    liebe grüße
    babs

    Gefällt 1 Person

  2. Wie oft wird bei Dir eigentlich ein CT zur Kontrolle
    gemacht ? Das wird ja je nach Bundesland recht unter-
    schiedlich gehandhabt . Diesen Termin finde ich immer am
    schwierigsten.

    LG

    Biene

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    1. Letztens war ich noch im MRT. Das ist immer auf Empfehlung meiner Operateurin. Ich müsste jetzt nachschauen, habe keinen Plan mehr davon. Da ich privat bin, ist das glaube ich eh was leichter.

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  3. Ich meinte eigentlich die Kontrollen, wo Metastasen ausgeschlossen werden
    und das geht ja eigentlich nur im CT, weil beim MRT kann ja immer nur ein kleiner
    Abschnitt untersucht werden, z.B. nur die Halswirbelsäule oder nur die
    Brustwirbelsäule etc.

    Ich wollte nämlich ein MRT machen lassen, weil das ja ohne Strahlenbelastung
    ist und hätte das auch selber bezahlt, habe dann aber erfahren, dass man immer
    nur einen ganz kleinen Abschnitt pro MRT untersuchen kann. Also um nur die
    Wirbelsäule auf Metastasen zu untersuchen, müsste man 3 MRT `s machen
    lassen und da wären dann aber z.B. das Becken nicht mal mit dabei.

    Dein MRT war für die Brust nehme ich an ?

    Mir ist es eigentlich immer egal, ob das die Kasse zahlt, denn wenn ich
    eine Untersuchung möchte, dann zahl` ich die halt selber. So kann man
    auch als Kassenpatient die selben Untersuchungen machen, die Privat-
    patienten bekommen. Kostet zwar extra , aber dafür sind die Krankenkassenbeiträge
    niedriger als bei den Privaten und so gesehen ist es dann auch nicht unbedingt teurer.

    Lieben Gruß

    Biene

    PS: Ein kleiner Tipp für`s Auto fahren, damit `s beim Aussteigen nicht so weh
    tut an den Gelenken nach längerer Fahrt. Ich bewege meine Beine während
    der Fahrt immer mal wieder, stelle den Sitz extra auf viel Beinfreiheit . Das
    hilft mir sehr.

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  4. Ach wie gut, dass man sich hier und in unserer Zeit aussuchen kann, nach welchem „Modell“ man leben möchte. Diese Freiheit habe heute noch nicht alle Menschen und nicht überall.
    Euer französisches Modell kann ich gut nachvollziehen 😉
    lieben gruß
    sue

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