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normal

Ich wollte mal was über das Leben sagen, mit Krebs, mitohne Krebs, ohne Krebs. Mit heißt, er ist irgendwie noch da, mitohne heißt, man wurde behandelt und kann wieder gesund werden oder man hat es bereits weit hinter sich und ist tatsächlich ohne und gilt als gesund, ohne heißt, man hatte ihn noch nie oder hat ihn noch nicht gehabt. Denn wissen tun wir ja nun alle nichts. Was das anbelangt jedenfalls.

Ich weiß auch nicht, wie ich drauf komme, aber ich dachte, was ist eigentlich normal. Jetzt gar nicht mal an Krebs gedacht. Wenn ich abends vor den Nachrichten immer diese unsägliche Reklame sehe, wo eine Frau mit Zahnlücke und einem Mops am Strand… dann könnte ich das Kotzen kriegen, nein, nicht wegen der Frau, die ist hübsch, da gibt es nichts, auch nicht wegen der Pampe, für die sie Reklame läuft, ich weiß nämlich gar nicht, wie das Zeug schmeckt. Sondern wegen dem Mist, der uns da vermittelt wird. Ich will jetzt gar nicht mal darauf hinaus, wie man als Frau so gesehen wird… diese Diskussionen habe ich als alte Emanze genug geführt, nein, es geht mir darum, wie sehen wir eigentlich unser Leben.

Jung – gesund – schön… und dann? Jetzt kommt das Wort normal ins Spiel. Was ist normal? Wenn ich mir so die Statistiken anschaue, dann ist es jung/gesund/schön jedenfalls nicht. Da ist Krebs dann schon irgendwie normaler.

Ist Krebs normal? Ja, Krebs ist normal, weil Krebs ist das Leben. Glauben wir wirklich, was wir da alles vorgespielt bekommen, ist die Normalität? Blenden wir wirklich alles aus, was nicht ins Bild passt, was ich immer „Rama-Familie“ nenne? Auch so eine Reklame, wo ich die Schwindsucht kriegte, junge fitte gutaussehnde Mutter joggt OHNE Schweiß durch die Botanik, kommt nach Hause, da hat der Mann in dem wunderschönen Garten vom wunderschönen Haus schon den wunderschönen Frühstückstisch gedeckt und die wunderschönen Kinderlein freuen sich über Mama, die sich fit, hübsch und immer noch OHNE Schweiß an den Frühstückstisch setzt und den nicht minder wunderschönen Mann küsst…

Ok, ich kann nicht für irgendeinen Brotaufstrich werben, in dem ich eine Frau an Krücken die Treppe runter wanken lasse, unten steht der sorgenvolle Ehemann, der gerade von reichlich unerzogenen Kindern fast umgerannt wird… verstehe ich schon. Es geht mir auch gar nicht um die Werbung, die transportiert ja nur was. Es geht mir darum, wie sehen wir unser Leben. Was ist das, Leben. Irgendwann sind wir alle nicht mehr da und wir werden uns vermutlich nicht von Geigenmusik begleitet in Luft auflösen und dann als Schmetterling im Abendrot dahingleiten, umflogen von der Möwe Jonathan…

Sind nur so Gedanken. Ich weiß auch nicht, warum ich die habe. Vermutlich weil es mir nicht passt, wie die Menschen mit Krankheit umgehen. Krankheit ist immer sowas Externes. Sowas, was eigentlich nicht dazu gehört. Gesund ist normal. Anstatt unser Leben zu leben MIT alldem, was dazu gehören kann, verbannen wir so vieles und erklären es für „unnormal“.

Und das passt mir eben nicht. Wie die hübsche Zahnlückenfrau da am Strand mit den Möpsen… äh dem Mops 😛

13 Gedanken zu „normal“

  1. normal ist das werbungs-reklame-leben nun mal nicht, genau deshalb glauben viele menschen ihr leben sein nicht normal. viel mehr wollen, das ihr leben dem der werbung-reklame gleicht und wundern sich, dass dem nich so ist *grins*
    mal wieder ein toller artikel von dir………..berührend
    alles liebe
    babs

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  2. Liebe Samate !

    Dein Beitrag spricht mir aus der Seele und ich lese grad `Bücher über solche
    Themen.

    Auf Arte war letzte Woche Donnderstag die Sendung Scobel über den Optimierungswahn in unserer Gesellschaft. Wenn`s Dich interessiert kannst Du die Sendung noch in der
    Mediathek anschauen.

    Ich denke das was Du geschrieben hast, hat genau damit zu tun. Es geht darum,
    dass es viele Industriezweige gibt wie z.B. die Schönheitsindustrie oder die ganzen
    Coaches, die es heute für fast alles gibt (z.B. Coaches die Leuten zeigen, wie man
    sich optimieren kann, um den richtigen Partner zu finden etc. ) die uns über die Medien
    ständig suggerieren, dass wir nicht mit uns, unserem Leben, unserem Körper etc.,
    zufrieden sein dürfen, sondern es immer was zu optimieren gibt.

    Auf dem Gebiet mit der Schönheit, haben wir Frauen es ja schon lange erlebt, das
    Frauenzeitschriften oder die von Dir zitierte Werbung, uns immer suggerieren, wir
    müssten schöner/schlanker/jünger aussehen . Aber inzwischen wird es uns in allen
    Lebensbereichen suggeriert, wir müssten was verbessern, weil es angeblich immer
    was zu optimieren gibt.

    Das suggeriert uns natürlich dann immer, dass dieses Idealbild, von einem perfekten
    Leben, was in der Ramawerbung zu sehen ist, der Normalzustand wäre und dass
    jeder der das nicht hinkriegt dieses Bild zu erreichen, versagt hat.

    Deshalb machen sich viele Leute den Stress das zu erreichen und landen dann,
    wenn sie es nicht schaffen im Burnout, wei sie sich als Versager fühlen.

    Letztendlich steht dahiner ja eine ausgeklügelte Verkaufsstrategie, mit dem Ziel uns
    Bedürfnisse einzureden , z.B: das Bedürnis nach einem perfekten Körper,
    perfekter Gesundheit (die es sowieso nicht gibt, ein Leben lang) um die
    dann mit den ganzen Produkten, die dafür angeboten werden, zu bedienen
    und damit Geld zu verdienen.

    Dabei ist Krebs die 2. häufigste Todesursache in Deutschland, nach Herz-
    Kreislauferkrankungen und noch viel höher ist die Zahl derer die Krebs
    bekommen und überleben. Aber die noch Gesunden tun immer so,
    als ob Krebs die große Ausnahme wäre und ihr Tod noch so weit weg,
    dass sie so tun könnten, als wenn er sie gar nicht betreffen würde.

    Wenn ich sehe, wieviele Gesunde Menschen, die noch dazu jünger waren,
    in dem letzten halben Jahr gestorben sind, bei Autounfällen, Flugzeugabsturz,
    oder Lungenembolie (der Politiker neulich ). Alles Menschen, die vermeintlich
    keinen Grund hatten mit ihrem Tod in naher Zukunft zu rechnen .

    Ich empfinde das irgendwie ein bischen so als „die Arroganz der Gesunden“,
    wie sie mit uns Krebspatienten umgehen. Als wären wir vom anderen Stern.

    Ich lese auch gerade einen Spiegelbestseller über das Thema Optimierungs-
    wahn, falls Dich das Thema noch weiter interessiert, kann ich Dir auch den
    Titel nennen.

    Lieben Gruß

    Biene

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, bitte, poste mal den Titel!! Ich finde dieses „Optimieren“ auch unsäglich, vor über 20 Jahren sagte mein damaliger Chef (ich arbeitete in der IT-Branche), bald wäre es möglich, Chips in Menschen einzubauen, die den Energiebedarf des jeweiligen Körperteils regelten, also wenn ich z.B. lese, dann brauche ich die Beine nicht, dann können die „schlafen“ und so wäre es vielleicht eines Tages möglich, dass man nicht mehr die Nacht schlafen müsse, weil man ja „optimiert“ worden sei und …. ich dachte, der macht einen Scherz, der meinte das ernst!! Dann könne man 24 Stunden durcharbeiten und sei nie müde…

      Wahnsinn, oder?

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  3. Ja, das ist ohne jeden Zweifel Wahnsinn und wohl ein Wunschtraum der
    Arbeitgeber, die ihre Arbeitnehmer gerne noch mehr ausbeuten würden.

    Ich habe den Titel nicht gleich gepostet, weil er sehr provokant ist und dadurch
    manchen abschrecken könnte. Das wäre sehr schade, denn es ist echt ein
    gutes Buch, das jedem aus der Seele spricht, der sich über das Thema
    schon Gedanken gemacht hat. Noch dazu hat es den Effekt, dass es einem
    schon beim Lesen viel besser geht und man zufriedener mit dem eigenen Leben
    wird, weil es einem in dem bestätigt, dass der Optimierungswahn nicht gut sein
    kann und den Druck, dem wir alle jeden Tag in der Gesellschaft ausgesetzt sind
    nimmt. Also zumindest ist es mir so ergangen beim Lesen.

    Der Titel heißt :“ Ich bleib´so scheiße wie ich bin. “ (Sorry, aber der heißt wirklich
    so).
    Die Autorin ist eine 37-jährige Journalistin mit Emmigrationshintergrund und
    das Buch ein Spiegelbestseller.

    Lieben Gruß

    Biene

    Gefällt 1 Person

  4. Alles was nicht zu 100 Prozent paßt und funktioniert wird aus dem Alltagsbild verbannt: Kinder in Kindergärten, Behinderte in Werkstätten, Kranke in Krankenhäuser, Alte in Altenheime . . . aus den Augen aus dem Sinn.
    Aber am Ende müssen dann doch alle sterben und so durchoptimiert sterben finde ich irgendwie ziemlich lächerlich und albern.

    Gruß Sue

    Gefällt 1 Person

  5. Ja, was ist normal? Gesund sein ist es jedenfalls nicht, denn es gibt keine Gesunden. Guckst Du genau hin, findest Du bei jedem was. „Normal“ ist die Ausnahme, und damit gibt es „normal“ nicht. Ich wüsste auch nicht, was daran erstrebenswert sein sollte, „normal“ zu sein. Krebs brauch ich nicht, auf diese Art Normalität kann ich verzichten, obwohl ich mich drauf einzustellen versuche, dass irgendwann mal was in dieser Richtung kommt. Diese Art von Normalität, die eine/-n doch immer wieder einholt, auch wenn man meint, man hat genug Pflöcke dagegen eingerammt. Aber was kümmert das die Mutationen in meinen entarteten … äh … anormalen Körperzellen? Die machen, was sie wollen. Und wenn sie Krebs wollen, machen sie Krebs. Als wär’s normal. Ist mir egal. Ich mache mein eigenes Ding, und wenn ich irgendwann mal nicht mehr bin, ist auch das … normal. Irgendwie. Trotzdem ein komischer Gedanke.

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    1. Gute Frage immer noch und immer wieder, damals schon bei uns in der Schule vom (wirklich guten) Klassenlehrer zum Thema gemacht: was ist normal? Ist da schon eine Wertung drinne und wenn ja, warum? Gehts da nur umn diese Verteilungskurve, was viele machen/haben/können/wollen/… ist also normal?

      Mein Vater, ein Kriegskind (Jahrgang 36), jedenfalls weiß genau, was normal ist. Wusste er schon immer. Männer mit langen Haaren jedenfalls waren es nicht. Damals. Sieht er heute (lieblingsfußballertechnisch bedingt) auch etwas anders. Frauen als Busfahrerinnen (hat er bis zur Rente über 30 Jahre gemacht) waren jedenfalls lange lange nicht normal. Seit er zwei heißgeliebte (mittlerweile erwachsene und vor allem arabische) Enkeltöchter hat, gibt es eigentilch nichts, was Frauen nicht auch können und vor allem dürfen sollten. Normal 😉 Kopftücher sind seither auch normal. Ging früher gar nicht. Was also ist normal? In der kleinen Welt des einzelnen, in der großen aller? Krebs ist für meinen Vater absolut nicht normal, aber da kann ich als seine erstgeborene Tochter und verhätscheltem Liebling seine Ängste nachvollziehen und nehme es einfach mal so hin.

      Müßig. Aber Du sprichst mir aus der Seele: „ich mache mein eigenes Ding“ und auch wenn es sich wunderlich anhört und auch gar nicht esotherisch gemeint ist, erst der Krebs, oder sagen wir, mein erlernter Umgang damit, hat mich dazu gebracht, zu meinem eigenen Ding. Was mein Vater nun wirklich nicht normal findet, aber das ist ein anderes Thema 😛

      Schön, dass Du mir folgst 🙂 ich folge Dir schon länger, aber woanders 😉

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  6. Krebs ist allein dadurch normal, weil so viele Menschen daran erkranken.
    Er wird ja deshalb auch oft als Volkskrankheit bezeichnet.
    Jeder kennt in seinem Freundes- und Bekanntenkreis jemanden der ihn
    hat oder hatte. Aber alle tun immer so, als wäre das die Ausnahme und
    weil es noch immer viele gibt, die aus Scham verschweigen dass sie
    Krebs haben, scheint es auch manchmal so .

    Gruß

    Biene

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  7. Ich finde es nicht erstrebenswert, normal zu sein. Für mich ist normal eher ein Schimpfwort, aber ich kann nachvollziehen, dass Menschen, die aus allem hinausgeworfen werden, was einmal ihr Leben, ihre „Normalität“ ausgemacht hat, sich danach sehnen, normal zu sein.

    Und was Deinen Vater betrifft — der hält sich anscheinend genauso für normal, wie es mein Vater seinerzeit tat. Der war Baujahr 34. Schnaps war sein bester Freund. Das Ende kannst Du Dir ausmalen, so normal war das.

    So, Du folgst mir schon länger? Vielleicht hättest Du die Verfolgung etwas auffälliger inszenieren sollen, denn so, wie Du es gemacht hast, ist sie mir leider völlig entgangen. Na, macht ja nichts. 😉

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  8. Ich meinte “ normal “ in Bezug auf den Krebs auch nicht im Sinne von
    erstrebenswert, sondern in dem Sinne, dass diese Krankheit fast jeden
    zweiten Deutschen im Laufe seines Lebens treffen wird (das ist statistisch
    gut untersucht ) und daher das was sich die noch Gesunden vormachen,
    dass Krebs eine Ausnahme wäre nicht stimmt. Aber das ist wohl ein
    Verdrängungsmechanismus bei den noch Gesunden.

    Gruß

    Biene

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