neurotoxisch

Heute mal wieder ein paar Krebsgedanken. Die letzten Tage waren nicht so gut und irgendwie… kommen dann immer so Gedanken. Gesundheit. Krankheit. Leben. Krebs. Schmerzen. Weglaufen. So in etwa.

Gestern war ich im Büro, wir hatten Besprechung, ich saß mit meinen Kolleginnen und dem einzigen Kollegen in netter Runde beisammen. Wir sprachen die Termine durch, die Veranstaltungen, die nun stattfinden, die Arbeit, die dafür noch zu machen ist. Wer macht was und ich mach nichts. Ich schreibe nur. Das ist auch schön. Mehr geht auch nicht, wo ich von den vier Tagen, die ich arbeite, zwei zu Hause schreibe. Telearbeit. Nennt sich behindertengerechter Arbeitsplatz.

Eigentlich geht es mir gut. So richtig gut. Wenn ich so mit Abstand auf mein Leben schaue, dann geht es mir gut. Ich habe viel geschafft, viel überstanden, habe mich verliebt, habe nette Menschen kennen gelernt, wohne in einem schönen, wenn auch alten Häuschen, richte mir grad den Garten her, liebe meine Wohnung, in der ich, nebenbei, aufgewachsen bin, ja, es geht mir gut.

Eigentlich.

Und uneigentlich? Uneigentlich dachte ich gestern, da in der Besprechung, ich laufe jetzt weg. Ich renne dem Krebs einfach davon. Richtung Sonne. Und da setze ich mich dann in einen Strandkorb und genieße die Wellen und den Sand und den Duft nach Sonnenöl und… dann höre ich Schritte im Sand, weil der Krebs nämlich hinterher gelaufen kommt.

Ich nehme doch nun Exemestan statt Arimidex, was für meine Knochenschmerzen echt eine Erholung bedeutet. Erholung heißt aber nicht KEINE Knochenschmerzen mehr. Erholung heißt, sie sind nicht mehr permanent und sie sind erträglich. Erträglicher.

Und ich habe seit Exemestan öfters taube Finger. Sie fühlen sich geschwollen an, was sie nicht sind, aber sie fühlen sich so an, und halt ab und an taub. Seitdem geht ohne Rechtschreibprogramm gar nix mehr, weil ich mich öfters verhaue, weil ich die Tasten nicht mehr richtig treffe. Das sind keine echten Neurpathien, das gehört zu den Symptomen durch neurotoxische Substanzen. Chemo und das Krebsgepille. Was auch immer es ist, jedenfalls dadurch.

Ich wurde vorletzte Nacht wach wegen der Schmerzen, Rücken, Hüfte, Hände. Ab und an Füße. Ich konnte mich kaum drehen im Bett.

UND DA HATTE ICH ALLES SO SATT und dann saßen wir da in der Besprechung und ich dachte, ich renne jetzt. Ich will das alles nicht mehr. Ich renne einfach davon.

Stellt Euch vor, Krebs ist eine Erbse. Eine kleine grüne Erbse. Und dann kommt jemand mit einem riesendickenfetten Baseballschläger und schwingt den durch die Luft dass es saust und dann schlägt er mit einem gezielten kräftigen lauten und harten Schlag diese kleine Erbse platt. Holz splittert, Glas knackt, alles wackelt… aber die Erbse ist platt.

So ungefähr ist die Krebstherapie. Da hat man lange was von.

Und da möchte man schon mal weglaufen. Aber es nutzt nix, der Krebs läuft mit. Scheiß Erbse.

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4 Antworten auf “neurotoxisch”

  1. ja, die erbse kullert immer hinterher.
    bei meiner erstdiagnose wollte ich einfach im zug sitzen bleiben. davonfahren. bis ich begriff: der krebs fährt mit.
    wenn wir die erbse zu püree machen würden. kochen, stampfen ……
    du hast recht von den nachwirkungen der krebstherapie hat man lange was
    ich drück dich
    babs

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  2. deswegen glaubt Mensch auch an Versprechungen, egal wie unglücklich sie auch sein mögen. Ich wünsche Dir alles Gute und ein gutes Leben weiterhin!

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