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WebCams dieser Welt

Der Tag erwacht in Düsseldorf:

Düsseldorf

und in Köln:

Köln

in Berlin ebenso:

Berlin

und zerknautscht im Neanderthal:

Zerknautscht

derweil wird in Mumbai geputzt:

Mumbay

Ich habe eine App auf meinem iPhone, so heißt das ja heute, App, man sagt nicht mehr Programm, man sagt App. Also ich habe eine App, die nennt sich WorldView+ und wenn man dieses + hat (kostet 4 Euronen), dann kann man ganz viel damit sehen. WebCams all over the world 😉 ich liebe diese App. Und wenn man mit dem iPhone unterwegs ist, dann kann man der App sagen, zeige mir die WebCams der Umgebung… und schwupp, sammelt sie alle WebCams ein und ich kann mich nicht sattsehen an den Dingen, die um mich herum sind 😉

Jeden Tag schaue ich, ob der Grand Canyon noch da ist 😉 und wie es auf der 6th Avenue in New York zugeht. Ich bin an der Klagemauer und schaue mir Santorin an. Die Kabinenbahn im Großartal interessiert mich genauso wie die Sauschwänzlebahn in Zollhaus und am meisten liebe ich derzeit den Blick von einer Anhöhe auf San Francisco 😉

Braucht kein Mensch und ist doch wunderschön. Computer verändern die Welt. Sie verändern den Blick auf die Welt. Ich schaue mir diese kleine Gasse da in Mumbai an und überlege, wie die Menschen dort wohl leben. Was sie arbeiten. Wie es ihnen geht. Ob sie auch manchmal an Deutschland denken. Ob sie glücklich sind, krank oder gesund und ob sie überhaupt wissen, dass da eine WebCam hängt und ganz weit dahinter eine Frau aus Deutschland, die sich an ihrem Anblick erfreut.

Und sonst so? Gestern haben mein Liebster und ich festgestellt, wieviel Freiraum wir uns lassen und dass er das gar nicht gewohnt gewesen ist, Freiraum. Ich finde uns echt gut 😉 also wir kriegen das richtig gut hin, das Miteinander. Wir sind nun in einer Lebensphase, die nichts mehr mit Familienplanung oder Karriereschritten zu tun hat. Wir brauchen, um den Alltag zu bewältigen, keinen gemeinsamen Haushalt mehr, wir haben das alles irgendwie schon gehabt. Jetzt ist eine andere Zeit.

Jetzt ist eine Zeit, wo es wirklich nur darum geht, was wir wollen. Was er will. Was ich will. Und nicht, was organisiert werden muss. Seine Wohnung in der Stadt, mein Haus auf dem Land (ok, Lieblingsschwesters Haus 😉 ), das ist wahrer Luxus, echt jetzt. Wenn wir zusammen sein wollen, dann können wir es, wenn nicht, dann sind wir da, wo wir schon vorher gerne waren, bevor wir uns kennen lernten, in unsrem zu Hause.

Das war nicht immer so. Hinter uns liegen schwierige Zeiten, aber das kennt ja wohl jeder, schwierige Zeiten 😉 ich hatte einen kranken Mann, dem es zuletzt sehr sehr schlecht ging und wie sehr mich das belastet hatte, das merkte ich erst, als er gestorben war und die Last von mir abfiel. Da brach dann ich zusammen. Vorher konnte ich nicht, da brauchte er mich. Durchhalten, das war damals irgendwie mein Lebensmotto. Durchhalten ist nicht immer positiv. Manchmal wäre es besser, zu gehen. Ich habe mir ein Buch bestellt, der Psychotherapeut Dietmar Stiemerling hat es geschrieben, dort geht er der spannenden Frage nach, was aus psychoanalytischer Sicht hinter der Unfähigkeit, einen Schlussstrich zu ziehen, stecken könnte. Hat gute Kritiken, ich werde berichten. Betrifft mich jetzt mehr indirekt, aber spannend ist die Frage schon.

Warum bleiben Paare zusammen, obwohl sie sich mehr als quälen? Und wenn sie es dann endlich, viel zu spät, geschafft haben, doch noch das negative Knäuel zu lösen, warum gibt es dann immer wieder Menschen, die nachtreten? Die partout nicht loslassen können?

Ich will das mal verstehen, weil ich glaube, dass das wichtig ist für unseren Freiraum, den wir uns gegenseitig lassen wollen. Lassen müssen, dann sonst verklincht man und das ist schrecklich. Das will ich nicht. Das will ich absolut nicht.

Das eigene Muster erkennen, das habe ich in einer Klinik im Weserbergland gelernt, das ist sooooooo wichtig! Wissen, warum man in so eine Situation geraten ist, und was man tun kann, damit das aufhört. Und, wichtig! was man tun muss, damit man da nicht mehr rein kommt.

Ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein. Er war verdammt nicht leicht, aber wo steht, dass das Leben leicht ist? Eben. Und dann noch Krebs. Leicht geht anders. Aber ich gehe meinen Weg.

Und wenn ich leicht will, dann gucke ich WebCams 😉

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Nachtgedanken

 

Seit der neuen Medikation kann ich ja wieder richtig schlafen. So richtig richtig. So mit Tiefschlaf und so. Das war ja bis vor kurzen nicht mehr wirklich schön, was die Pillen da mit mir gemacht haben. Seit dem neuen Gepille geht es echt besser. Auch die Knochenschmerzen sind weg, dafür habe ich…

Ach das erspare ich Euch, ist ja immer die gleiche Leier, kennen alle, die Antikrebspillen schlucken müssen, in welcher Dosierung und gegen welchen Krebs auch immer. Ist halt so.

Ich genieße lieber meinen wunderschönen Vorgarten, der eigentlich meiner Schwester gehört, denn der habe ich ja mein Haus geschenkt, was eigentlich zur Hälfte sowieso ihr gehörte, weil sie ist da genauso wie ich drinne groß geworden. Aber als ich so krank wurde und nicht wusste, was mit mir wird, dachte ich, besser so…

Und nun ist sie die Eigentümerin. Sie wäre eh meine Erbin. Müsste dann aber Erbschaftssteuer zahlen. Echt jetzt. Und durch das Umschreiben und ich als Nießbraucherin muss sie das nicht. Gesetze sind schon komisch, vor allem die Steuergesetze. Was soll’s, für mich hat sich nichts geändert und geregelt ist alles jetzt schon. Wir brauchen nix mehr regeln. Das ist schön, wenn alles in trockenen Tüchern ist. Und das ist es. Ich möchte gerne gesund werden und mein Leben noch lange genießen können, aber es ist trotzdem gut, dass ich mich um diesen Kram nie wieder werde kümmern müssen. Ich brauche nur da wohnen, mehr nicht 😉

Montag MRT. Kontrolle. Weil ich bin Privat und da kann man dann auch mal außerhalb einer konkreten Diagnose kontrollieren. Das ist ungerecht aber für mich gut. Der Bericht geht an meinen Professor, ich hoffe, es ist wie von den Ärzten erwartet alles ok. War eine reine Privatpraxis, schon krass, Termine innerhalb einer Woche, HÖCHSTENS einer Woche. Ist wirklich krass. Ich hätte schon am nächsten Tag auflaufen können, aber das wollte ich nicht, das war vor Berlin und ich steckte in den Vorbereitungen.

Tja und jetzt sitze ich in meiner schönen Wohnküche und trinke einen Kaffee mit aufgeschäumter Milch, weil ich kann zwar wieder so richtig tief und fest schlafen, aber es gibt Nächte, da ist um 4 Uhr die Nacht vorbei. Doch das ist besser als ständig schlecht schlafen.

Heute ist Grilleinweihung 😉 ich habe mir einen Elektrogrill gekauft, das musste sein. Irgendwie ist mir das mit der Kohle zu viel Gemurkse. Außerdem qualmt es. Und auf meinem kleinen Balkon mit so einem Kohleteil herumhantieren, nein, das ist nicht wirklich das, was ich möchte. Also Elektrogrill. Den werde ich zu meinem Freund schleppen und meine Beutefamilie begrillen 😉 Beutefamilie ist das, was man mitgeliefert kriegt, wenn man einen netten Mann kennenlernt, der eine Familie hat 😉 der Begriff stammt von meiner lieben Kollegin, die zwei Beuteenkelchen hat und damit so glücklich ist. Jedenfalls wollen seine Kinder auch grillen und dann habe ich sie gleich miteingeladen. Und weil das auf meinem kleinen Balkon nun wirklich nicht geht, machen wir das bei meinem Freund.

Das ist schön. Grilleinweihung in der Stadtwohnung 😉 wir wohnen 12 Kilometer auseinander, das ist echt genial, jeder hat sein Reich und doch ist es einfach, beisammen zu sein.

Und ich war beim Friseur, endlich ist die Matte ab! Wobei Matte… naja, seit dem Gepille eher dünnes Gepissel. Dafür wächst das dünne Gepissel wie Hulle. Also ständig Friseur, weil langes dünnes Gepissel ist noch schlimmer als kurzes dünnes Gepissel 😉

Krebs ist echt ’ne Dauerbeschäftigung. Wobei ich ja hoffe, dass ich keinen mehr habe. Oder hat man den immer, wenn man den hatte? Mental? Hat man ihn gehabt? Hatte man ihn gehabt? Hätte hätte Fahrradkette? Einmal Krebs immer Krebs auch wenn er weg ist? Ist er im Kopf nicht immer da? Tralala?

😉

Ich fühle mich gut. Mit oder ohne hat oder hätte. Es geht mir gut. Ich liebe mein Leben. Ich habe geregelt, was zu regeln ist, ich habe getan, was getan werden muss. Ich habe einen netten Mann kennen gelernt, mit dem es mir echt gut geht. Ich teile mit meiner Schwester ein Haus, das wollten wir immer, allerdings in Irland 😉 Jetzt eben Neanderthal, auch nicht schlecht 😉 nur die Klippen in Irland sind schöner 😉

Mein Leben ist ok. Ich weiß heute, der Kampf hat sich gelohnt. Der Kampf um mich selber.

Ich wünsche Euch da draußen einen schönen Freitag!

 

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Krankheitserfahrung

Was war das für eine tolle Veranstaltung! Die feierliche online-Schaltung der Module Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern in der wirklich wundervollen Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums in der Charité. Ein würdiger Rahmen mit sehr interessanten Menschen, vielen Krebsbetroffenen und guten Musikern! Mit meinem Partner an meiner Seite. Für den inhaltlich auch was dabei war, es sprachen nämlich zwei Psychologinnen 😉 Toll, dass ich mitgemacht habe!! Es hat sich gelohnt, für mich auf jeden Fall, für andere Betroffene oder Angehörige hoffentlich auch! Und ein frischgebackener Vater hielt eine Rede, bei dem zum Zeitpunkt des Interviews gar nicht klar war, ob das überhaupt jemals… Es hat!! Ein kleines Mädchen gehört nun zu seinem Leben! Sowas macht Mut!

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mein Gut

  

Wir haben es gut angetroffen, die Ferienwohnung in Lichtenberg ist wirklich schnuckelig, das ist uns nämlich irgendwie wichtig, so ein Zuhausefeeling, wir mögen einfach keine 0-8-15-Buden mit lieblos zusammen gestellten Möbeln. Ich möchte mich gerne hier aufhalten, gerne gemeinsam am Tisch sitzen, kochen, einen Wein genießen, in einem gemütlichen Schlafzimmer aufwachen, in einer wohnlichen Küche frühstücken, für den Balkon wird es vermutlich noch zu kühl sein, leider. Aber wir waren bestimmt nicht das letzte Mal hier. Es ist sehr ruhig und nicht weit zur U-Bahn und von da aus ist man flott am Alex, wie es hier so schön heißt 😉

Wir haben es gut. Ja, das stellen wir immer wieder fest, wir haben es gut. Warum mir das so wichtig ist? Es waren dunkle Jahre, gekrönt durch eine Krebserkrankung. Es kommt mir so vor, als könne ich jeden Tag doppelt genießen, der mir klar macht, wie gut ich es habe. Wobei gar nicht klar ist, was ist gut eigentlich? Mit meinem Freund beisammen sein. Das ist gut. Mit meiner Schwester, mit Freunden, Freundinnen. DAS ist gut, sogar sehr gut. Eine Arbeit haben, die ich schaffen kann. Telearbeit machen dürfen. Nicht überfordert werden. In einem Haus wohnen, das jetzt mir und meiner Schwester gehört. Genug Geld zu haben für mein Leben. Auszukommen mit dem, was man hat. Das ist gut.

Gesund sein ist auch gut, ich hoffe sehr, ich werde wieder ganz gesund, oder zumindest gesund. Die Krankheit hinterlässt Spuren. Oft hadere ich damit, aber dann fällt mir doch immer wieder ein, wie gut ich es habe. Mein gut. Was ich als gut empfinde. Mein gutes Leben. Ja, mein Leben ist gut. Es war schon gut, bevor ich meinen Freund kennen lernte, aber jetzt ist es sozusagen doppelplusgut 😉 Es ist einfach wunderbar, mit einem lieben Menschen das Leben, den Alltag, die Abende und Morgende, die Wochenenden, eine Berlinreise… all das genießen zu können. Gemeinsamkeit ist für mich etwas, was das Leben gut macht. Ob nun mit einem Freund oder mit sonstwem, das ist ja für jeden anders. Für mich ist es mein Freund. Meine Familie. Meine Freundinnen. Freunde. Menschen, die mir wichtig sind. Auch meine Nachbarn. Die auf mein Haus aufpassen, während ich nicht da bin. Die Nachbarstochter, die sich um meine alte Katze Milli kümmert. Menschen, die mir zugetan sind. Die an mich denken. Die für mich da sind.

Das zu haben ist für mich ein gutes Leben.

Ich habe ein gutes Leben.

Ja, das habe ich.

Das das nicht selbstverständlich ist, das haben mir die letzten Jahre gezeigt. Und darum genieße ich es, dass es jetzt doppelplusgut ist 😉

Wir Krebsbetroffenen wissen, dass es von jetzt auf gleich vorbei sein kann damit.

Achtsamkeit. Das fällt mir dabei ein. Ich möchte achtsam sein.

Und jetzt gibt es Nudeln und Wein. Mitten in Berlin 😉

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Wir haben Großes vor

Am Wochenende waren wir wieder wandern, mein Partner und ich. Für mich derzeit ein MUSS, damit ich diese vermaledeiten Nebenwirkungen besser kompensiere, Bewegung Bewegung Bewegung, so sagten es mir meine Ärzte. 15 Kilometer über Stock und Stein sind wir diesmal gelaufen. Das ging richtig gut. Und ich merkte, wie fit ich doch bin, trotz allem. Ich bin zwar nicht ganz so schnell wie mein Freund, aber die Geschwindigkeit sei auch für ihn gut, so sagte er mir. Was schön ist, denn ich möchte doch weiter mit ihm wandern. Wir müssen schließlich üben 😉

Ja, wir haben Großes vor. Ich möchte meine Krankheit überstehen und er möchte pilgern. Im Grunde ist es ähnlich, wir gehen beide einen neuen Weg. Alleine und gemeinsam. Das ist wirklich sehr sehr schön. Ich habe mir das gewünscht, aber so wirklich daran geglaubt, dass mein Traum in Erfüllung gehen könnte… ach es ist schön! Ich liebe mein Leben. Und es ist etwas, was mich mit großer Dankbarkeit erfüllt, dass ich das nach vielen schweren und auch dunklen Jahren wieder so aus vollem Herzen sagen kann: ich liebe mein Leben.

Klar ist nicht alles easy, meine Neuropathien in den Händen, meine Gelenksteifheit, immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs, meine eingeschränkte Leistungsfähigkeit, meine 90%ige Schwerbehinderung kommt nicht von ungefähr, all das lastet auf mir. Aber all das kann ich tragen. Und wo steht, dass das Leben easypeasy ist? Eben, nirgendwo.

Und ist irgendwie nicht alles ein Weg zu sich selbst? Wo er wohl hinführt?

cornwall
Doch jetzt fahren wir erstmal ein paar Tage nach Berlin, die Stadt genießen und an der feierlichen online-Schaltung der Module Brustkrebs bei Frauen und Prostatakrebs teilnehmen!! Ich finde, was die Charité da auf die Beine stellt ist wirklich klasse!!