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magische Momente

Ach hätte ich es doch fotografieren können! Ich gehe abends mit den Hunden meist an den Bach, ca. ein Kilometer vom Dorfrand entfernt. Er liegt in einer Talsohle. Heute habe ich Fußball geguckt, also war es schon spät, als ich zum Bach kam und fast Nacht. Und auf einmal, die Hunde rannten grad los, stiegen Glühwürmchen aus den Gräsern auf, ich kann Euch sagen, das war ein magischer Moment, das sah soooooo toll aus!! Ich habe mit offenem Mund da gestanden und nur noch gestaunt, wie schön die Natur sein kann.

Jetzt gehe ich ins Bett, die Hunde schlafen schon, ich werde morgen Abend wieder so spät gehen, das Naturschauspiel lasse ich mir nicht entgehen. Glühwürmchen sind einfach zu schön!

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Halbzeitgespräch

Gestern beim Strahlenchefarzt gewesen, gutes Gespäch. Sehr gutes Gespräch. Kein Schulmediziner sondern ein Arzt, der denkt und fühlt. So gut. Wunderbar und gut. Mein Leben reflektiert, meine Erkrankung darin, mein Weg weiter. Zu mir. Jahre haben sie für andere gesorgt, jetzt müssen sie für sich sorgen, dass zu lernen ist nicht leicht, sagte er nachdenklich. Und: die Krankheit zeigt ihnen vielleicht den Weg dort hinaus.

So viele Möglichkeiten. So viele Gedanken. So viele Worte. Gefühle. Stimmungen. Ich bin völlig überschwemmt derzeit davon. Ich fühle mich wie früher, als ich den Himmel kosten durfte: nutzlos glücklich 😉 ich meine damit ohne Nutzen, einfach so, weil die Welt eine Welt ist. Weil ich ich bin. Weil Blumen blühen und Wolken ziehen. Irgendwas bricht aus mir heraus. Was bin ich froh, dass nächste Woche meine PsychoOnkoTherapie beginnt, was bin ich froh!

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heute

 
Heute geht es mir gut. Innerlich. Gehe mit den Hunden, freue mich, sitze an meinem Tisch und genieße die Blumen. Seit dem Krebs brauche ich Blumen um mich. Das hat der Krebs nicht gemacht, sondern mein Wunsch, achtsamer mit mir umzugehen. Hat was mit dem Krebs zu tun. Und mit dem, was vorher mein Leben bestimmte und wohin es mich führte. Und und und… treffe die Frau des Tierarztes, die von ihren Pferden kommend an mir und den Hunden vorbei fährt, sie hält an und frohlockt ob meiner Haarpracht:

Gleich werde ich wieder strahlend zur Strahlung gehen und dort strahlen. Lese bei Wiki: Der Begriff Strahlung bezeichnet die Ausbreitung von Teilchen oder Wellen. Ausbreitung ist gut. Ich breite mich aus. Ich will mich ausbreiten. Völlig und ganz in meinem Leben. Nächste Woche beginnt meine psychoonkologische Therapie, dort werde ich meiner Lebensausbreitung strahlend begegnen. Wortspiele. Derzeit brauche ich Worte en masse, Worte Worte Worte, die in meinem Kopf Wellen verursachen und sich in meinen Gedanken ausbreiten. Was ist nur mit mir los? Haben die Strahlen in meinem Hirn etwas durcheinander gebracht? Oder vielleicht gerade gerückt? Gestern war die Frau wieder da, die kaum gehen kann. Habe mich entschlossen, mich zu ihr zu stellen. Wir sprachen. Und auf einmal sprachen alle. Der ganze Raum sprach. Miteinander. Geschichten. Lebensgeschichten. Krebs. Strahlen. Leid und Freund. Und Worte.

Ich quille über vor Worten. Lerne Latein. Endlich Zeit für Latein, heißt das Buch. Es ist gut. Es tut mir gut. Und Ulla Hahn tut mir gut, habe vor Jahren DAS VERBORGENE WORT gelesen, grandios, einfach nur grandios, jetzt lese ich AUFBRUCH und auch das fesselt mich wieder.

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Sommerzeichen

Ich wollte Euch ein Lebenszeichen senden, daraus wird nun ein Sommerzeichen, heute morgen aufgenommen beim Hundegang. Krass schönes Wetter, obwohl Regen angesagt war. Der soll angeblich heute Nachmittag kommen. Wir lassen uns überraschen.

Heute ist strahlenfrei, was auch dringend nötig ist, habe die Chemo gefühlte 1000 mal besser verkraftet, obwohl das kaum zu verstehen ist. Doch es ist so. Hat bestimmt was damit zu tun, dass in diesem Vorhof zur Hölle die Krankheit in jedem Stadium vertreten ist, gestern eine Frau, die kaum noch gehen kann, ohne Hilfe nicht mal mehr aufstehen, die brach plötzlich in Tränen aus, sie könne nicht mehr… trösten unmöglich, sie hat es sich auch verbeten, was soll man da auch trösten? Stumme Anteilnahme, sofern man dazu in der Lage ist.

Habe das Brummteil, was heute gewartet wird, richtiggehend lieb gewonnen, denn das ist das geringste Problem, wie ich nun gemerkt habe.

21 Mal noch. Ich schaff das schon. Aber es fällt mir schwer. Wirklich, es fällt mir sehr schwer.

Gestern sah es an gleicher Stelle übrigens so aus, das trifft derzeit eigentlich mehr meine Stimmung.

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sagt es mir

Macht so Bestrahlung auch was mit dem Kopf? Ich meine so innendrin? Mit den Gedanken und so? Sagt es mir ruhig, ich muss es ja eh leben. Und leicht ist das nicht, das sage ich Euch!!

Auf dem Foto das bin ich, 7 Jahre her, ob da der Krebs schon da war? So das eine oder andere Zellchen? Ich habe da auf meinen Neffen gewartet, der aus der Schule kommen sollte. Das ist der Hauseingang vom Palast meiner Schwester 😉 ich übertreibe jetzt, aber ein wenig größer ist da schon so manches. Die Küche ist irgendwie so groß wie meine gesamte Wohnung. Voll krass. Ich steh ja mehr so auf kleine Hutzelzimmerleins mit Bolleröfchen. Möglichst mitten im Wald… da arbeite ich noch dran.

Jedenfalls geht bei mir im Kopf grad die Post ab. Die Abschiedspost. Abschied nehmen. Loslassen. Neues Leben anfangen. Holla die Waldfee, es ist wirklich hammer. Wirklich. Und könnt Ihr mir glauben wenn ich sage, die Chemo ist mir leichter gefallen? Ok, keine Haare, das ist nicht schön, aber so das drum und dran, so jeden Tag dahin und dann das Gebrumme von dem Strahlenteil und die Gewissheit, jetzt geht was kaputt (was gut so ist und so sein muss, trotzdem macht es eben kaputt), du bist nicht mehr heile, du bist versehrt…

Gestern hatte ich das erste Mal den Wunsch, mir einen dicken Hammer zu nehmen und immer, wenn der Apparat brummt, ihm damit kräftig eine zu verpassen!! Ich lag da und kriegte Wut.

Machen die Strahlen auch wütend?

Habe den Blog meiner Mutter verändert, Bilder neu sortiert, dabei ist mir klar geworden, dass es meine Mutter, so wie sie war, schon länger nicht mehr gibt, ich meine, ich bin ja nicht superblöd, das ist mir schon lange klar, aber irgendwie, ich weiß auch nicht, kommt mir das jetzt hoch. Ausgerechnet jetzt, oder sind das die Strahlen? Dann gehe ich auf Hajos Blog, er ist bald zwei Jahre tot, und doch, er ist mir so nah wie nie. Sind das so Phasen, dass man nach so langer Zeit glaubt, der Tote ist wieder da?

Abschied. Neues Leben. Krebs. Bestrahlung. Strahlen. Wut. Hammer.

Gleich kommt mein Taxi und fährt mich wieder zu dem Brummteil. Wenigstens ist der Taxifahrer ein echt netter!!

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da wuchs er schon…

…der Krebs, nur wusste ich es noch nicht, an meiner Arbeitsstelle letzten Sommer. Es war eine verdammt schöne Arbeit und ich vermisse sie. Ich vermisse sie sehr und meine lieben Kolleginnen besonders, aber derzeit ist wirklich nicht daran zu denken. Auch das ist etwas, was ich erst lernen muss zu akzeptieren.
War grad mit einem meiner Hunde spazieren, der andere Hund ist ja aushäusig 😉 und das war schön. Trotz dieser Multierschöpfung (die Bestrahlung haut mich um, ich schlafe noch auf dem Bestrahlungstisch ein, ehrlich) habe ich mich aufgerafft und bin durch die Felder gelaufen.
Auf dem Bild ist übrigens das Häkelschwein zu sehen, mitten in Düsseldorf, auf dem Balkon vor meinem ehemaligen Büro. Ich werde grad wehmütig…
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glückliche Momente

Da saß ich gestern Abend, etwas erschöpft, weil mich derzeit alles sehr anstrengt, aber glücklich. Glücklich in dem Moment. Der Bollerofen war an, derzeit ist es ja eher kalt, Musik lief, mein kleiner Hund war bei mir, die Katze schlief schon, ich hatte mit meinem WG-Partner zuvor etwas gegessen, er Pizza, ich Nudeln, wir hatten uns nett unterhalten, und dann saß ich da und war glücklich.
Ich habe ein schwers Jahrzehnt hinter mir, das durch die Krebserkrankung quasi „gekrönt“ wurde, um es mal flapsig auszudrücken. Es war wirklich verdammt hart. Mir ist das oft gar nicht klar gewesen, darauf getrimmt, alles auszuhalten, habe ich halt auch das ausgehalten. Bis ich nicht mehr konnte. Und doch ging ich weiter und weiter und… dann kam der Krebs. Er hat all das quasi beendet. Ich MUSSTE zur Ruhe kommen, mir blieb nichts anders übrig.
Und da sitze ich nun, inmitten der erzwungenen Ruhe, und kann Revue passieren lassen, was ich alles geschafft habe, seit mein Mann gestorben ist. Ich habe mir ein neues Leben aufgebaut, Holla die Waldfee es war nicht leicht, es war verdammt nicht leicht, aber ich habe es geschafft. Mein Häuschen ist renoviert und entrümpelt, all das ist getan, was ich in den Jahren der schweren Erkrankung meines Mannes nicht habe tun können und was jetzt endlich erledigt werden konnte. Nicht mal organisieren musste ich es, das hat alles mein Mitbewohner übernommen, er hat die Handwerker koordiniert, ich konnte mich voll der nötigen Krebsdinge widmen und musste eigentlich nur all das schöne neue bestaunen.
Es gefällt mir gut, es gefällt mir ausgesprochen gut. Und damit geht es mir auch gut. Ich habe wieder diese glücklichen Momente, die das Leben so schön machen.
Trotz meiner Erkrankung, trotz der anstrengenden Nachsorge, trotz meiner Schwerbehinderung, die nicht allein durch den Krebs kommt. Ich atme auf. Ich lebe wieder.