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Pfingstgedanken

Als ich so vor dem Strahlenarzt saß und dieser mir sagte, wie viele Frauen schon vor ihm gesässen und ihm berichtet hätten, wie unendlich schwer die letzten Jahre  für sie gewesen seien, da ging mir viel durch den Kopf. Zu aller erst, wie schön es in meinem zu Hause ist, wieviel ich dafür getan habe und wie gut mir das gefällt.
Dort, in dem kleinen alten Siedlerhäuschen, bin ich aufgewachsen, bei meiner Großmutter, die schönste Zeit meines Lebens, es kamen noch viele schöne Zeiten, aber das war einfach klasse, meine Kindheit bei Oma.
Ich war schon einmal verheiratet, in jungen Jahren, leicht rosarotblind heiratete ich einen im grunde netten Kerl, der aber schon vorher durch seine extreme Untreue auffiel und natürlich dachte ich, den lieb ich mir gesund 😉 Jau, hat geklappt 😉
Auch damals fiel meine Mutter dadurch auf, dass sie mir das Leben zur Hölle machte, dass sie Lügengeschichten erzählte und kein gutes Haar an meinem Mann lies. Warum ich dachte, dass das nun endgültig vorbei sei? Vielleicht, weil man immer an das Gute im Menschen glaubt, weil es einfach schön gewesen wäre, wenn es schön gewesen wäre… oder so.
Ich lernte meinen verstorbenen Mann kennen, diesmal den richtigen, treuen, lieben, chaotischen und humorvollen Menschen, mit dem es mir gut ging. Auch da kam wieder der Hass meiner Mutter, diesmal aber wohnte ich nebenan, nicht wie damals weit weg, so dass wir ihren Fiesigkeiten direkt ausgesetzt waren. Bevor es vollends eskalierte, zogen meine Eltern fort. Der Familienverbund zerbrach und auch wenn es richtig so war, litt ich. Und kaum hatten wir die Abwesenheit von Hasss und Stress so richtig genießen können, wurde mein Mann sehr schwer krank.
Als er starb, hatte ich 11 Jahre Dauerstress hinter mir, Dauerbelastung, Kampf um einen einigermaßen lebbaren Alltag für uns beide. Denn am Ende konnte er auch das kaum noch gewährleisten.
Ich habe mich dann um das Haus gekümmert, wozu ich die letzten Jahre keine Zeit und keine Kraft hatte, ich habe es entrümpelt, mich von vielen alten Dingen getrennt, die mir auf der Seele lasteten, ich habe es neu und hell gemacht und die Freude ist eingezogen. Wieder eingezogen.
Dann wurde der Krebs entdeckt, passt zu dem, was der Strahlenarzt sagt. Ich hadere nicht damit, es passt einfach. Er, der Krebs, hat mich hinauskatapultiert aus dem alten Lebensschema und das ist nicht mal schlecht, es ist eigentlich gut so. Nein, Krebs ist nicht gut, kann er nicht sein, weil er bösartig ist. Aber wenn schon, dann will ich auch die Dinge sehen, die sich zum Guten gewendet haben durch ihn.
Die 11 Jahre Dauerbelastungskampfstress haben mich in eine Erschöpfungsdepression gleiten lassen, an deren Ende ich in eine Klinik kam und deren Auswirkungen ich heute noch spüre. Alles geht nur langsam, mehrere Termine auf einmal geht gar nicht, einiges geht noch überhaupt nicht, ich taste mich wieder an meinen Alltag heran. Der Krebs hat sich da quasi eingefügt. Jetzt geht es noch langsamer. Aber auch damit hadere ich nicht, das ist einfach so.
Doch eins weiß ich, spüre ich ganz deutlich, egal was ist, ich lebe gern hier. Ich lebe wieder gerne hier. Ich liebe mein zu Hause.
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oben ohne

So, es ist vollbracht, die Chemozeit liegt insoweit hintermir, als dass ich nur noch mit ohne Tuch rumrenne 😉 Klar ist es rappelkurz und klar sieht man mir die Krebserkrankung dann doch an, aber es gibt schon Leute, denen es nicht auffällt. YEAH!! Also ich meine die Haare, die offensichtlich schon so „nichtkurz“ (das Wort lang ist in dem Zusammenhang wirklich unpassend) sind, dass sie durchaus als Frisur durchgehen können. Irgendwie wachsen meine Haare erstaunlich schnell, finde ich.

Und sonst so? Ich liebe mein zu Hause, dort ist es wunderschön. Dann habe ich mit einem lieben Kollegen telefoniert und echt Sehnsucht gekriegt nach meinen Akten 😉 Aber ich weiß, dass ich aufgrund meiner Vorerkrankung und oben drauf noch die Krebserkranung derzeit erstmal an der Nachsorge basteln muss. Dann fängt Dienstag die Bestrahlerei an. Außerdem vertrage ich diese Aromatasehemmer recht gut. Ich habe immer Angst, dass etwas nicht wirkt, wenn ich es so gut vertrage, wie bei der Chemo, wo mir ein Arzt sagte ‚man merkt ihnen gar nicht an, dass sie eine Chemo bekommen‘ dann denke ich immer, vielleicht ist es ja doch Himbeersaft… im Ernst, ich denke dann, es wirkt bestimmt nicht, wenn es so gar nicht oder wenig fühlbare Nebenwirkungen zeigt…

Aber vielleicht bin ich auch da wieder ein Glückskind, was das Zeug einfach gut verträgt. Also schweige ich still und vertrage weiter gut. Wie das Herceptin, was ich auch nicht merke.

Und mein Bienlein hat Hormone, kriegt sie einmal im Jahr, boah dann will sie Kontaktliegen, dann werde ich Nachts wach und ein Hund liegt fast auf mir drauf

So, Ihr Lieben, ich wässer mich jetzt und dann gehe ich mit den Hunden an den Bach. Dort ist es wunderschön. Und was macht Ihr so?

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ein Beruf für mich


Heute wirbelten Röntgenstrahlen um mich herum, es surrte mal mehr mal weniger und dann wurde ich beklebt und dann konnte ich wieder nach Hause fahren. In der übernächsten Woche wirbeln dann radioaktive Strahlen durch mich durch, ich hoffe, sie tun ihr Werk und beseitigen ein für alle Male Zellmutanten jedweder Art.

Das Abbild zeigt eins dieser hochmodernen CT-Geräte ohne Abdeckung, ich finde solche Technik ja wirklich hochinteressant, wenn ich schon Arzt sein müsste, wo ich doch kein Blut sehen kann und eine ausgesprochene Memme bin, dann sowas, das ginge. Möglichst ohne Patientenberührung, nur am Computer 😉

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Sehnsucht

Vor fast genau drei Jahren war ich mit meinem Mann in Heidelberg, es war der Beginn einer schweren Zeit, denn er musste sich mit seinem Erbe auseinander setzen, was für ihn, wie ich heute weiß, zu schwer war. Danach folgte die dramatische Zuspitzung seiner Erkrankung, sein Tod, mein Zusammenbruch und dann mein Krebs. Wie der nette Strahlenarzt schon sagte, so viele Frauen hätten eine schwere Zeit durchlebt, wenn sie denn dann vor ihm saßen, das Immunsystem sei herunter gefahren und es hätte etwas wachsen können, was da nicht hingehöre und was sonst auch nicht da gewesen sei.

Ja, es war eine schwere Zeit, es war eine verdammte schwere Zeit. Und doch habe ich oft Sehnsucht mach meinem Mann, als er noch gesund war, als wir viel Freude hatten mit unserem roten Flitzerauto und den gemeinsamen Urlauben in der Pfalz.

Aber jetzt muss ich an mich denken, an meine Gesundheit und an mein Leben. Ohne Stress und möglichst auch ohne Krebs.

Gute Nacht Welt! Gehe jetzt schlafen, habe mir bei Strauss ein neues Kopfkissen besorgt, auf dem lesen sich meine Krimis bestimmt doppelt gut 😉

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Glückskind

Heute ist mir mal wieder klar geworden, was für ein Glückskind ich doch bin. Trotz allem. Ich war in der Radiologie, es geht ja nun los mit meiner Bestrahlung. Der Chefarzt ist ein richtig netter, mit dem ich mich gleich gut verstand. Das ist ja das tolle, dass ich immer die für mich richtigen Ärzte finde, nein, ich finde sie nicht, sie sind schon da, ich scheine gute Ärzteschutzengel zu haben. Das meinte er auch, denn ich bin wohl der erste Fall, der ihm über den medizinischen Weg gelaufen ist, der eine Tetanusinfektion überlebt hat. Kennt man sonst nur aus Lehrbüchern meinte er, und nun säße so jemand leibhaftig vor ihm. Wenn sie das überlebt haben, meinte er noch, dann überleben sie das hier auf jeden Fall. Das machte mir erneut Mut und gab mir Schwung. Die richtigen Ärzte waren schon immer an meiner Seite, wie damals, im April 1965, als unser Dorfarzt mir alle zwei Stunden Pferdeserum spritzte. Ohne ihn gäbe es diesen Blog hier nicht. Und das wäre irgendwie ziemlich doof.