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Splish splash…

Kaum konnte ich wieder gerade laufen, ging es mir wieder besser, wollte ich im Keller die Wäsche machen, ging also die Treppe runter und was hörte ich? Plitsch platsch hörte ich. Licht an. Der Boden nass. Herrjemine, was ist denn nun passiert? Panik. Ich sah schon Rohre in der Wand geborsten…. sah mich schon Putzstellen suchen… erwägte kurz das Haus mit einem Defekt zu verkaufen…

Und rief dann doch den Installateur an, der flugs kam und mich beruhigte, ist nur eine gebrochene Schelle vom Abflussrohr im Kamin (bei der Renovierung vor 20 Jahren wurden Rohre und Leitungen durch die frei gewordenen Kamine verlegt). Außerdem zahlt die Hausversicherung. Habe ich also ganz umsonst Panik geschoben.

War das Wetter nicht himmlisch? Ich habe nach dem ganzen Gedöne dann draußen gesessen und einfach die Sonne genossen.

Montag habe ich meinen  ersten Arzttermin nach dem Wendland bei meinen Professor, dann geht es weiter auf dem Weg. Step by step.

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ich lebe wieder

Kaum in meinem geliebten zu Hause saß die WG vereint in der Küche bei Pizza, es war ein netter Abend, es wurde viel erzählt und gelacht, ich ging zufrieden und glücklich, wieder zu Hause zu sein, ins Bett, die Fahrt hatte supergut geklappt, der kleine Hund lag bei mir… wurde es ein Uhr in der Nacht und ich saß auf dem Klo bzw. stand gebeugt davor, wahlweise. Bis Dienstag. Ich konnte kaum meinen  Namen buchstabieren geschweige denn mehr als 6 Schritte (zum Klo) laufen, der Hund bei der Freundin untergebracht, die mir Cola und Salzstangen brachte und mich überredete, beim Doc anzurufen. Der sagte nur was von überall derzeit und so bekam ich Medikamente und es wurde langsam besser. Dienstag Nachmittag öffnete ich wieder die Augen ohne Brechreiz und wunderte mich, wo der Montag geblieben war…

Wenigstens habe ich wieder schnelles Internet. Aber so richtig schnell 😉

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Siebzig

Heute wäre mein Mann 70 geworden, ich kann nicht an sein Grab, aber meine Freundin ist da, es ist schön, wenn man Freunde hat. Freunde sind so wichtig im Leben. Das ist mir durch meine Erkrankung so klar geworden, nicht dass ich keine Freunde habe, aber dass sie mehr zählen als sonstwelcher Besitz, denn ohne den ganzen materiellen Mist kann man leben, ohne Freunde aber nicht. Doch das ist ein anderes Thema. Heute ist das Thema, tja, was? Ich sage mal, das Leben 😉

Die Fotos hier sind entstanden kurz nachdem mein Krebs entdeckt wurde, kurz nach dem 1. Todestag meines Mannes also. Ich wollte ihm zu Weihnachten einen Flug mit der alten Tante Ju schenken. Er liebte dieses Flugzeug so und konnte mir fast alles dazu erzählen. Sie fliegt ja regelmäig über Düsseldorf, wir hören dann ein tiefes Brummen und wissen, da ist sie wieder, die Junkers 52.

 

Ich habe mir dann einfach ein Ticket gekauft und bin geflogen, der Krebs war noch in mir, die OP stand ja noch bevor. Im Anfang liegt das Ende, so heißt es, und ich habe den Anfang der Erkrankung ja mit viel Ruhe und Umsicht begonnen und mir ging es damals schon nicht schlecht. Ich kann das nicht so gut beschreiben, es war so, dass ich mir keine Sorgen machte, nicht weil ich meine, ich müsse das nicht, sondern weil ich einfach dachte, das ist jetzt Dein Weg und den wirst Du gehen und Punkt. Es hat keinen Sinn zu paniken, Angst zu haben, irgendweche Chancen auszurechnen, dies und das zu bedenken, Du gehst jetzt diesen Weg und fertig.

Das stand also fest, den Weg gehe ich, es war auch nicht so, dass ich den Tumor jetzt sofort und direkt und am besten noch in der Nacht los werden wollte. Er war da, er war ein Teil von mir, ich wusste, bis zur OP trage ich ihn noch mit mir herum und das ist nun so. Wenn er schon da ist, kann ich auch freundlich zu ihm sein.

So flogen der Tumor und ich also mit der alten Tante Ju über Deutschland herum und einerseits hat es mir sowas von gut gefallen, das ist ja wirkliches fliegen, mit so alten Geräten, wo die Piloten noch echt ackern müssen, an Kurbeln drehen und sowas alles, nix Schalterchen drücken 😉 andererseits konnte ich oft die Tränen nicht zurückhalten, weil es doch Hajos Geschenk war. Er fehlt mir so.

Heute morgen brachte ich meine Mutter zu ihrer Frauenärztin, Kontrolltermin, wir sprachen natürlich auch über mich, klar, Mutter hat den Port nun weg und dafür habe ich so ein Ding jetzt in mir. Und wir sprachen über meine Entscheidung, für die Chemo ins Wendland zu kommen und diese in Salzwedel machen zu lassen. Das war wohl wirklich goldrichtig, die Ärztin war die erste, die offen sagte, in den überlasteten Krankenhäusern der Ballungsgebiete wird die Chemo viel zu schnell verabreicht und das tut dem Körper absolut nicht gut.

Ich fühlte mich noch einmal mehr bestätigt darin, hierher gekommen zu sein. Und dann fiel mir ein, dass die Zeit jetzt zu Ende geht, dass ich Sonntag nach Hause fahre und dass ich meine Mutter zurück lasse. Das fällt mir sehr schwer. Sie kann täglich weniger, wird täglich weniger und sehr oft erkennt sie mich nicht mehr. Ich erinnere sie dann und dann weiß sie es wieder. Meist verwechselt sie mich mit meiner Schwester. Ich merke es an ihren Fragen, sie will dann z.B. wissen, ob mein Sohn schon laufen kann. Dieser Sohn ist nun schon 12 und meine Schwester wünschte, er würde diese Fähigkeit, laufen zu können, etwas mehr einsetzen, denn er sitzt zu oft vor dem Computer, aber das ist ein anderes Thema 😉

Ich muss Mutter zurück lassen. Meine Mutter, die mir so oft das Leben so schwer gemacht hat. Aber auch das ist ein anderes Thema und liegt in einer längst vergangenen Zeit und hat heute keine Bedeutung mehr. Es ist vorbei.

Ich habe 1000 Gedanken und 1000 Gefühle in mir und alles wirbelt durcheinander. Was hat das mit dem Krebs zu tun? Nichts. Alles. Das Leben ist alles. Alles auf einmal. Alles zu seiner Zeit.

Abschiede. Lauter Abschiede. Herzlichen Glückwunsch Hajo. Du fehlst mir so.

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Abschiedsgedanken

Das war seit Dezember letzten Jahres meine Anlaufstelle für meine Giftverklappung, die Tagesklinik im Altmark-Klinikum in Salzwedel. Ich könnte mich heute noch knutschen für den Entschluss, die Chemo hier durchzuziehen, es war einfach nur gut. Ruhig, besonnen, ohne Massenstress wie in Düsseldorf (was nicht heißt, dass die Schwestern nicht genug zu tun hatten, oh nein, aber für uns Patienten war es einfach eine ruhige Zeit), ich fühlte mich gut aufgehoben und umsorgt. Und ich bin überzeugt, darum ging es mir auch so gut während dieser Zeit. Die Psyche hat schließlich auch was zu sagen.

 

Ich musste in den 1. Stock, das war mein Empfangsraum hier, das Treppenhaus. Und dann hinauf und ab in die Tagesklinik. Den zweiten Chemozyklus mit dem Eibensaft bekam ich ja wöchentlich. Jeden Mittwoch, das war hinterher so eine richtige Gewohnheit.

 

 

Und dann war es auf einmal um. Dann hatte ich die letzte Blutkontrolle hinter mir, zur Stärkung der Schwestern hatte ich noch jede Menge Berliner Ballen mitgebracht, wir verabschiedeten uns, die Blutwerte waren gut und dann war ich damit fertig. Ein seltsames Gefühl. Am 19.03. um 12 Uhr 35 bin ich davongedüst.

 

Noch ein Abschied, lauter Abschiede begleiten mich, diesmal aber ein guter Abschied und hoffentlich ein endgültiger, das wünsche ich mir. Ich habe versucht, das so bewusst wie nur möglich zu begehen, damit auch in mir drin alles Abschied nehmen kann. Und damit ich nach Hause kann, zurück ins Rheinland.

Dann ist mir gestern noch mal so richtig klar geworden, welches Glück ich habe, dass meine Operateurin eine wirkliche Künstlerin an der „Lanzette der Ärzte“ ist, das bedeutet nämlich Skalpell 😉 mir war das bisher wirklich nicht so bewusst. Meine „neue“ Brust sieht echt schöner aus als die „alte“, mit Narbe, aber das macht mir zum Glück nichts. Warum? Weiß ich nicht, ist aber so. Vielleicht kriege ich das ja auch noch raus oder ich nehms einfach hin, dass ich so bin. Schon als Kind fand ich Narben klasse, wie Auszeichnungen, die ich stolz herumzeigte 😉 Nun werde ich das bei dieser Narbe nicht tun 😉 aber so vom Gefühl macht es mir in der Tat nichts. Halt eine Narbe. Die zweite, die mich ziert, auf dem Bauch habe ich auch eine 30 cm lange Narbe, die aber fast verblasst ist. Da hat meine Operateurin auch dran mitgewirkt, in einer anderen Zeit und einem anderen Krankenhaus. Ziemlich dramatisch aber es ist gut gegangen und sie haben mich heile gemacht.

Dass sie nochmal an mir rumschneiden würde hätte ich im Leben nicht gedacht. Aber so kann es kommen und ich wünsche mir, sie hat mich auch heile gemacht. Heil werden, ja, ich möchte heil werden. Meine Narbe wird mich immer an die unheile Zeit erinnern, aber das Ergebnis, das ist schön. Ich zeigs trotzdem nicht 😉

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gehetzt

Fast 20 Jahre her, in unserem jetzigen WG-Wohnzimmer, welches noch keins ist, weil es noch eine Baustelle ist. Damals war es meine Wohnküche. Damals wohnte ich mit meiner Tante zusammen und oben in der Wohnung, die jetzt meine ist, wohnte meine Großmutter, die Mutter meiner Mutter.

Ich glaube, in dem Haus waren alle Zimmer schonmal alles, aber das ist ein ganz anderes Thema. Hier jedenfalls war es meine Wohnküche. Mit Balkon. Es war schön. Nebenan in dem Haus wohnten meine Eltern. Es war schön. Wir verstanden uns alle gut und ich fühlte mich glücklich.

Heute weiß ich, dass ich funktionierte, oder sagen wir, hauptsächlich funktionierte. Meine Schwester meinte heute, ich sehe gehetzt aus und ja, das war ich. Meine Hochzeit hat das alles ans Tageslicht gebracht, denn durch die massive Ablehnung meines Mannes kam das heraus, was all die Jahre verborgen war.

Ich werde so nie wieder werden, das weiß ich, das hat jetzt nix mit Krebs und was weiß ich zu tun, klar hat es auch damit zu tun, aber es geht um den Weg, den ich gegangen bin seither. Ich werde so nie wieder sein. Ich bin es schon nicht mehr.

Krebs gehört zu meinem Lebensweg dazu. Funktionieren gehörte auch dazu. Gehetzt sein auch. Und viele schöne Dinge gehörten dazu. Ich bin die Summe all dessen, was ich erlebt und gelebt habe.

Buchempfehlung für Frauen: Julia Onken „Eigentlich ist alls schief gelaufen – Mein Weg zum Glück“ habe ich heute zu Ende gelesen. Habe mich wiedergefunden. Gehetzt und ungehetzt.

Freue mich auf mein neues Leben, wohin es mich auch bringt.

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es reicht

Und aus dem Chaos sprach eine Stimme:
Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen.
Und ich lächelte und war froh – und es kam schlimmer…

Das ist meine arme Mutter mit gebrochenem Nasenbein, sie sieht aus, als habe sie KlitschK.O. vermöbelt, dabei ist sie „nur“ gefallen, und zwar ungebremst mit der Nase auf den Boden. Steinfußboden, logisch, was sonst. Mit dem Notarzt ins Krankenhaus, wir hinterher, als hätten wir nicht schon genug zu tragen. Nun tragen wir auch das.

Aber ich merke, meine Grenze ist erreicht, ich muss nach Hause, meine Wendlandzeit geht vorüber. Ich weiß, wie mein Vater sich fühlt, weil ich auch getragen habe, die Krankheit meines Mannes, immer da sein, nicht ausfallen, nicht aufgeben, wie in einem Hamsterrad.

Ich weiß, wie es ihm geht. Und er muss nun auch operiert werden, Kreuzbandriss und Miniskusanriss, meine Nichte kommt, die Enkeltochter, die in London fertig ist mit ihrem Studium. Sie trägt jetzt etwas. Ich trage mich nach Hause, weil ich hier nichts weiter mehr tragen kann.

Es reicht.

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