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Krebsgedanken

Hier nun mal wieder ein kleines Bildchen, weil ohne geht ja nicht derzeit. Ich sitze wieder im Wohnzimmer meiner bereits schlafen gegangenen Eltern am neuen Computertischchen mit neuem PC und gebe mich Krebsgedanken hin. Habe den Blog von Jenneke besucht, dann war ich bei Sue und dann bei Sunny und nun bin ich wieder bei mir. Meine Gedanken sind nicht verworren oder quälend oder so, nein, es geht mir ganz gut, ich war heute bei der Blutkontrolle, Werte wie sie Zitat „besser nicht sein könnten“ und habe auch wieder eine halbe Stunde auf dem Heimtrainer gesportelt. Es ist also alles, zumindest in diesen Krebszeiten, in bester Ordnung.

Heute lag ich auf dem Sofa und dachte, wie ist das eigentlich, wenn man Krebs hat. Ich müsste es ja wissen, aber ich war verblüfft, weil ich es nicht weiß. Ich bin nicht blöd, also ich meine, nicht völlig 😉 aber doch habe ich das Gefühl, ich weiß es nicht. Ok, wenn ich in den Spiegel gucke und sehe, dass ich keine Haare habe, dann komme ich um dieses Wissen irgendwie nicht drumrum, aber das ist es nicht, was ich meine. Wie soll ich es sagen? Hm, schwer. Weil es so unbeschreiblich ist. Ich dachte ja immer, die Welt geht unter, also so muss sich das anfühlen. Guten Tag, sie haben Krebs. OH GOTT und schon ist man so gut wie tot. Aber all das stimmt nicht.

Ich hatte früher (wie sich das anhört, früher!) immer Angst vor Krebs. Meine Ma hatte Brustkrebs und ich betete immer lieber Gott lass mich verschont sein… und dann hatte ich ihn und es war ganz anders, wie ich dachte, wie es wäre wenn es ist. Es ist so, irgendwie, also so: nun hast du ihn und nun lebe weiter. Ja und nun? Ich lebe weiter. Ja aber… nix aber, ich lebe und es geht mir gut und ich will endlich wieder Haare haben und wann ist diese Chemo endlich vorbei wo ist die Sonne!

Ich spüre das Leben anders. Nicht besser, nicht schlechter, nicht erweitert oder so, was mir der Krebs alles gebracht hat blablabla, nein, einfach schlicht anders. Vorher war so, jetzt ist anders. Ich habe keine Angst mehr davor. Kann mir jetzt das beten sparen, der Druck ist weg. Ja, so fühlt es sich an, der Druck ist weg.

So das waren meine vorläufigen Krebsgedanken. Stand 30. Januar Zweitausendzwölf 23 Uhr und eine Minute. Und dann, als ich so auf dem Sofa rumlag und krebsig dachte, schaute ich zu meiner alzheimerkranken Mutter, die neben mir auf dem Sessel saß, und wurde furchtbar traurig. Ihr Anblick war so krass, diese agile taffe Frau, die sie mal war und nun sitzt da eine alte zusammengesunkene und völlig veränderte Frau, die mich oft nicht mal mehr erkennt. Auf einmal wurde mir klar, sie kommt nie wieder, die aktive Zeit mit ihr ist unwiederbringlich vorbei. Ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll, das war so brutal wie eine Keule, diese Erkenntnis. Vorbei. Ich werde auch älter, ich war auf einemal in so einem das-Leben-ist-endlich-es-ist-vorbei-Strudel und dann die Erkenntnis, es kann nicht besser werden mit ihr, wenn ich gesund werde, dann kann sie sich nicht mehr über meine Gesundung freuen, weil sie dann nicht mehr wissen wird, wer ich bin, wenn sie dann überhaupt noch lebt. So Gedanken. Endzeitgedanken. Schreckliche Gedanken.

Ich habe meinen Mann verabschiedet, ich habe ihn begleitet durch seine schwere Erkrankung und nun sehe ich den letzten schweren Kampf, den meine Eltern mit und in ihrem gemeinsamen Leben auszufechten haben.

Ich hätte jetzt gerne ein glühendes Schwert und ich würde jetzt unheimlich gerne rumsäbeln.

So ist mir, gar nicht mehr krebsig sonder SÄBELIG!!!! Verdammt säbelig!!!!

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Schreiben rettet mich

Schreiben rettet mich, Schreiben ist meine Leidenschaft, da kann ich mich auslassen, meine Gedanken und Gefühle in Geschichten bringen, es fließt oftmals nur so aus mir raus, als warteten die Worte da schon Tage und Jahre. Ohne Schreiben geht gar nicht. Darum habe ich mir einen Raum geschaffen für meine Worte, den RaumWort. Und dann kommt noch meine Liebe zu Krimis hinzu. Seit 2009 entsteht einer in meinem Kopf, der nur darauf wartet, auf Papier gebannt zu werden. Erst war es eine kleine Idee, dann wurden immer mehr Ideen draus und dann habe ich einfach mal angefangen. Viel Zeit blieb mir zwischen Beruf und zu Hause mit meinem kranken Mann nicht, aber es wurde doch langsam mehr. Dann musste ich pausieren, weil dann einfach alles in meinem Leben zusammen brach. Jetzt kann ich mich langsam wieder diesem Thema widmen, Mord und Totschlag und zwei Frauen, die damit umgehen können 😉 ein prima Gedanke.

Derzeit aber schreibe ich an „Die Tage es weißen Elefanten“, das ist eine Geschichte darüber, was Alzheimer aus einer Familie macht, wie sie damit umgeht, wie sie die eigene Geschichte begreift und wie sie gezwungen wird loszulassen. Nämlich von der Vorstellung, dass alles immer so weiter geht.

Nichts geht so weiter, das lerne ich auch grad, zweimal innerhalb eines Jahres krachte alles in sich zusammen, so ist das manchmal, oder vielleicht auch nicht, egal, es ist mein Leben. Jetzt arbeite ich erstmal den Wortstau in meinem Kopf ab, ich habe ja Zeit dazu. Entweder liege ich geplättet auf dem Sofa oder sitze am PC-Tischlein meiner Eltern. Liege ich, entstehen die Worte, sitze ich, fließen sie. Gute Arbeitsteilung.

Und JEDEN Abend schwinge ich auf dem Heimtrainer, wie mir der Arzt befohlen hat, Bewegung ist wichtig, egal wie es mir geht, ich zwinge mich auf das Gerät und es klappt ganz gut. Ich will gesund werden und ich tue was ich kann dafür.

Und wie kommt die Zeche Zollverein da hinein? Gar nicht, ich brauchte nur wieder ein Bildchen um bloggen zu können 😉 Letztes Jahr war ich mit meiner Nichte bei der Nacht der Industriekultur. Das war schön.

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Bilderleuchten ;-)

Heute leuchte ich euch ein wenig, ich kann ja nur via Picasa bloggen, also in dem ich ein Bildchen einstelle. Dann eben ein Leuchtebildchen.

Die Chemo hat durchschlagende Wirkung, aber hollalla, und das wiederum hat Wirkunge auf meinen Kreislauf, hollahollala und darum liege ich heute mehr als ich aufrecht stehe, aber nun gut, das wird auch vorbei gehen.

Ich will diese Zeit einfach nur durchstehen, das ist alles. Jetzt habe ich die 2. Chemo im 2. Block hinter mir, 7 folgen also noch. Durchstehen durchstehen durchstehen, das ist alles, was ich denke, durchstehen.

Ich stehe das durch, das weiß ich, ich habe das Bergfest schon hinter mir, den restlichen Weg schaffe ich auch noch.

Solange stelle ich Bildchen ein, denn erst nach der Chemo fahre ich wieder nach Hause, dort habe ich schnelles Internet, superschnelles Internet via Kabel. Dann kann ich auch wieder die Blogeinträge anderer kommentieren, was mir leider immer noch nicht möglich ist, manchmal geht es, aber meist bricht die Verbindung ab. Schade, aber so ist es.

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neues Modell

Das neue Modell Gleitsichtbrille, wenn man im elterlichen Wohnzimmer am Computertischlein von der heute verklappten Chemo berichten will und gleichzeitig das Handballspiel verfolgen, es steht jetzt 21:20 für Polen gegen Deutschland. Es hat soweit alles gut geklappt, halb 8 saß ich im Chemosessel, halb 3 war die letzte Flüssigkeit verfüllt, es ging mir körperlich gut, das langsame Verfüllen ist einfach besser für mich. Heute ein langes Gespräch mit der Ärztin, war auch gut, alles gut.

Dann holte mich mein Vater ab, vormittags war eine Pflegekraft für Mutter da, damit er mich fahren konnte, nachmittags wollte er sie mitbringen, weil ein wenig Ablenkung tut auch ihr gut, sie lässt sich doch so gerne kutschieren (habe ich von ihr geerbt). Tja und zu Hause vor der Türe, wir alten Lüttchen wackelten grad alle Richtung Haustüre, vertritt Mutter sich und fällt in Zeitlupe um. Bumm.

Da lag sie da und mein armer Vater geriet völlig in Panik, er sah sie schon auf der Intensivstation mit 243 Knochenbrüchen pro Knochen dahinvegitieren. Aber nun sitzt sie frohgemut auf dem Sofa und hat Dank Alzheimer den Vorfall schon vergessen. Nur der blaue Zeh, der verwirrt sie völlig, aber das kriegen wir auch noch hin.

24:23 lohnt es sich, die Brille aufzulassen? Zeitstrafe für Deutschland wegen T-Shirt-Gezerre. Handball finde ich ziemlich verwirrend, weil auf einmal legt ein Spieler den Ball nieder und alles rennt in die andere Richtung. Schrittfehler, hat mir mein Vater erklärt. Boah, ich guck mir lieber Fussball an, das ist übersichtlich, schönes großes Feld, keine Discomusik (bei Handball spielen sie in den Unterbrechungszeiten immer Rummsmusik FÜRCHTERLICH) oder Eishockey, ich gebe es zu, das brachiale Eishockey der Männer liebe ich, Bandencheck ist das beste, es kracht und rummst und dann fliegt der Puck durch die Luft, den man nicht sieht, ich war als Jugendliche so oft mit meinem Vater an der Brehmstraße in Düsseldorf, da spielte der Makkatsch noch im Tor, der Vater von der Schauspielerin, boah fand ich den klasse, die Stimmung grandios, Vater hatte Kumpels, mit denen er öfters ging und dann durfte ich mit, wenn eine Karte übrig war und habe es genossen!!

Nun gut, ich lege mich, es hat zwar alles gut geklappt, ich bekomme wöchentlich Herceptin, eine geringere Dosis, und diesen Eibensaft, das geht ganz gut. Trotzdem bin ich einfach nur platt, aber sowatt von platt.

Und dann noch die umgefallene Mutter. Aber et hätt ja nochmohl joot jejange… Puh!

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Wenn man so Zeit hat, weil man auf Giftcocktails wartet und sonst auch nicht viel zu tun, macht man sich so Gedanken. Man denkt dies und man denkt das und kommt zuweilen zum Sinn des Lebens, dem letzten Urlaub und wieso man jetzt hier hockt und dann findet man Fotoalben. Vor allem, wenn man die Chemozeit im Haus der alten Eltern verbringt, die davon jede Menge in Regalen herumstehen haben.

Meine Oma Berlin, das ist die Frau auf dem Foto, die Mutter meiner Mutter, die erinnert mich immer an Doris Day. Oma war stets schick gekleidet und hatte immer tolle Brillen auf. Und sie war unglaublich lebenslustig. Von diesem Foto erzählt mein Vater heute noch, wie die ganze Familie am Strand in Holland war, und wie sie plötzlich zwei Esel von weitem kommen sahen und darauf, natürlich, laut lachend Oma Berlin und daneben ihre Enkeltochter. Welche ich bin.

Meine Omas, ich hatte zwei, die wohnten auch noch zusammen, waren unglaublich wichtig für mein Leben. Oma Hassel, von der ich jetzt leider grad kein Foto zur Hand habe, war noch wichtiger, bei ihr bin ich aufgewachsen. Vater erzählte mir heute, ich muss so zwei oder drei gewesen sein, da habe ich ein großes Himberbonbon verschluckt. Und hustete und es ging nicht runter und kam nicht rauf. Man brachte mich sorgenvoll ins Katholische Krankenhaus, was das vor nahezu 50 Jahren bedeutet hat, kann man sich vorstellen. Man fand nichts, wollte mich jedoch zur Beobachtung da lassen. Meine Eltern, beide grad Anfang 20, fuhren mit ihrem für 100 Mark erstandenen Käfer also ohne mich nach Hause zu Oma. Wo ist das Kind. Es ist im Krankenhaus. Warum. Man will es zur Beobachtung eine Nacht da lassen. Vater meinte, ab da sprach Oma kein Wort mehr, ihre Augen verdunkelten sich gefährlich, sie zog sich den Mantel an, blickte meinen Vater, ihren Sohn, an, der wusste, jetzt heißt es, ab zum Krankenhaus, sonst gibt es Verletzte.

Am Krankenhaus angekommen hörten sie mich bis unten schreien. Meine Oma stampfte hinein, Schwestern stellten sich ihr in den Weg. Auch sie wurden mit diesem gefährlichen Blick bedacht, wichen zurück, Oma sprach immer noch kein Wort. Treppe rauf, Kinderstation, kein Arzt, kein niemand konnte sie aufhalten. Sie packte mich, hüllte mich in Decken und so fuhren wir dann nach Hause, Oma sprach immer noch kein einziges Wort.

Ich kann mich daran natürlich nicht mehr erinnern, aber meine Seele wird es gespeichert haben. Du bist nicht allein, es wird jemand kommen, der dir hilft. Immer.

Das ist das Muster meines Lebens. Jedenfalls zum Teil. Ich habe immer Menschen, die mir helfen. Und wenn ich welche suche, sind auch immer die richtigen da.

So sieht man, dass auch Himberbonbons von Bedeutung sein können 😉 Jedenfalls dann, wenn man eine Oma mit dunklen Augen hat und dem nötigen Hass in den Backen, was Kinderkankenstationen (der damaligen Zeit) anbelangt.

Danke Oma.

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