Chemo

zappzerrapp… ab!!

Es ist vollbracht, ich hab das warten nicht mehr ausgehalten und bin in die Offensive gegangen: Rasierer und weg waren sie. Das Rasierteil rasiert nämlich doch, ich war gestern nur zu blöd.

Und nun sind sie hinfort und ich muss zugeben, ich habe es mir schlimmer vorgestellt, irgendwie sieht es, naja, ich will jetzt nicht übertreiben, aber es sieht gar nicht schlecht aus, so 3 mm lange… äh… kurze Haare. Mein Vater sagte schon als Jugendliche zu mir „dir stehen kurze Haare“ und das hat mich sowas von wütend gemacht, fand ich kurze Haare doch doof. Ich sollte sie mir immer abschneiden. Und jetzt, schlappe 40 Jahre später, muss ich ihm Recht geben: ich habe einen Kopf für extrem kurze Haare.

Nun denn. So sei es. Aber das abrasieren, das hatte schon was Spirituelles, echt. Meine Freundin kam vorbei und holte die Hunde und sie war völlig erschrocken, als ich da mit dem Rasierer und dem halb kahl rasierten Schädel vor ihr stand. Mir ging es dabei gut, sie meint ja, ich sei verrückt. Vielleicht hat sie ja Recht.

Nun bin ich halt verrückt ohne Haare.

Chemo

Es geht lohoos…

Was geht los? Der Haarausfall geht los. Na klasse, wie ich mich freue 😦 Gut dass es kalt ist, weil dann falle ich mit meinen Mützen nicht so auf. Meine Schwester hat mir Kappen aus Dubai mitgebracht, die moslemischen Frauen tragen nämlich nicht nur Kopftücher sondern auch moderne Kappen. Und ich demnächst auch ;-)))) Nur sehe ich nicht so gut damit aus, aber ich fühle mich derzeit eh irgendwie scheiße nicht so wirklich wohl in meiner Haut, aber ich weiß, das kommt wieder. Das hält mich aufrecht.

War heute bei meinem Professor, alles ist, wie es sein soll, das beruhigt mich dann doch. Und das mit den Haaren, das werde ich auch noch hinkriegen, ich habe sie mir ja schon rappelkurz geschnitten, eben wollte ich sie mir dann auf ein paar Millimeter abrasieren, aber das bescheuerte Rasierding rasiert nicht. Mein verstorbener Mann hatte so ein mechanisches von ganz früher, vielleicht probiere ich das mal aus. Ist ja eh egal, ob es bescheuert aussieht oder nicht, bald sind sie gänzlich verschwunden, die Haare. Derzeit fallen übrigens nur die weißen aus und nur die oben auf dem Kopf. Hinten nicht.

Nicht, dass ich bald aussehe wie ein Mönch…

Chemo

normales Leben

So, ich habe es geschafft, ich konnte kochen, so richtig, so in echt mit Lebensmittel umgehen ohne dass mir übel wurde, das ist doch mal was. Die Küche ist nun auch wieder benutzbar und bald sogar ganz fertig, es wird, es wird.
Vier Tage fühlte ich mich wie von einem schweren Magen-Darm-Virus betroffen, danach ging es laaaaangsam bergauf und jetzt geht es eigentlich ganz ok, wenn ich es mal so zusammenfasse.

Das einzige Manko ist, dass ich schlapp bin, so schlapp, dass ich nach jeder Aktivität ruhen muss. Das ist aber jetzt nicht schlimm, ich muss mich daran nur gewöhnen. Aufstehen, mit dem Hund gehen, ausruhen, Frühstücken, ausruhen, duschen, ausruhen… so geht es weiter, alles wird von ausruhen unterbrochen, so zieht sich mein Tag in die Länge und ehe ich mich versehe, ist es Abend. Und dann ruhe ich wieder aus ;-))))))

Ich muss viel trinken, damit meine Nieren das Gift rausspülen, also koche ich mir ständig Kräutertee und ich glaube, wenn ich die Chemozeit hinter mir habe, dann kann ich keinen Tee mehr sehen. Noch aber schmeckt er mir, zum Glück, bei Aldi Süd gibt es jede Menge Bio-Kräuter-Tee, den schütte ich jetzt Kannenweise in mich hinein.

So, jetzt werde ich mal wieder ausruhen, und dann fängt die Nacht an und dann ruhe ich mich auch schon wieder aus ;-))))))))))

Das ist für jemanden wie mich, der ständig und drei Tage irgendwelche Projekte hatte, echt GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG.

Aber der Krebs, der ändert ja alles. Merke ich grad wieder.

Chemo

gesundschlafen, geht das?

Schon als ich klein war und ab und an krank, da sagte man mir nach, ich würde mich gesund schlafen. Das kann ich heute noch, in den Schlaf abtauchen. So mache ich es seit zwei Tagen, schlucke brav meine AK-Pillen (AntiKotz) und lege mich wahlweise ins Bett oder aufs Sofa. Ich habe noch keine Beziehung zu dem Gift, was da derzeit in mir wirkt. Zu meinem Knubbel hatte ich eine, hört sich vielleicht jetzt schräg an, war aber so. Der war irgendwie ein Teil von mir, ich wusste, dass er eigentlich Kacke war, also dass er weg musste. So oder so. Aber er war ein Teil von mir.

Das Gift ist es noch nicht. Ich wehre mich nicht dagegen, ich verschlafe es irgendwie. Ob man sich gesund schlafen kann? Jedenfalls kann man irgendwie diese Nebenwirkungen überschlafen. Ich schlafe derzeit sogar wenn Vollmond ist, was ich sonst nicht tue.

Ich schlafe eigentlich immerzu. Außer wenn ich mal blogge und Matrix Reloaded gucke 😉

Das ist übrigens der Blick aus meinem Schlafzimmerfenster bei besagtem Vollmond.

Chemo

darum das

Im Gehirn befindet sich ein sogenanntes ,,Brechzentrum“ (was für ein Wort), und das koordiniert den gesamten Vorgang wenn man mal kotzen muss. Messfühler im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn registrieren, wenn ein Giftstoff wie auch immer in den Körper gelangt ist und senden dann Botenstoffe aus, die diesem Brechzentrum den Befehl zum Würg… senden.
Die bei der Chemotherapie eingesetzten Medikamente erkennt der menschliche Organismus als vermeintliche Giftstoffe und versucht darum, sie durch Erbrechen wieder loszuwerden.
Kluger Organismus, nur leider in diesem Falle völlig sinnlos 😦
Chemo

rot rein rot raus

Es ist geschehen, das Gift ist verklappt!! Zunächst zwei dicke fette rote Spritzen, also der Inhalt war rot, hochtoxisch, wie man mir versicherte, und so käme es auch wieder aus mir heraus, rot, das toxische bleibt aber drinnen und sorgt dafür, dass sich meine Frisur ganz bald geringfügig ändern wird…
So, ich spielte also mit meinem Handy herum und fotografierte mich in meiner Einschlafposition und was stelle ich dabei fest?
ICH HABE EINE UNEGALE NASE!!

Ist man dann behindert? Oder einfach nur unegal?

;-))))
Wie auch immer, die Frau vor mir war eher fertig, die bekam nix rotes und nur ein kleines Infusionchen und war dann schnell wieder weg.

 

Mein Port tut übrigens nicht mehr weh. Der hat sein Wehsein gestern abend eingestellt. Von jetzt auf gleich. Fand ich sehr skurril, aber irgendwo auch gut.
Und nun lege ich mich auf das Sofa und warte auf das, was da kommt. Schütte Flüssigkeiten in mich hinein und jede Menge Pillen habe ich bekommen. Fragt mich mal wie ich das alles finde. Nein, fragt mich nicht.
Krankenhaus, Operation

Trillionen

Gestern noch bekam ich erklärt, dass es bei einem von 10 Trillionen Patienten vorkommen kann, dass die Vene (oder wie immer man das Ding nennt, wo der Schlauch von dem Port reinkommt) zu dünn ist und man sich deshalb was einfallen lassen muss. Irgendeine dickere Vene wird dann perforiert und dann wird was geschoben und… jedenfalls kompliziert.

Heute weiß ich, dass ich die eine von den vielen Trillionen bin. Und weil die junge und hübsche Anästhesistin die Narkosemittelmenge nach der Dauer der einfachen OP ausgerechnet hat, wurde ich vor dem Ende wach. Und hörte den ebenso hübschen Chirurgen fluchen, weil es nicht so klappte, wie er sich das gedacht hatte. Gespürt habe ich aber nix, weil die Lokalanästhesie ja noch wirkte, nur wach war ich. Das Perforieren geht wohl mit Strom, jedenfalls brutzelte und zischelte es fröhlich vor sich hin und ich fand das alles total lustig, weil ich zwar wach, aber immer noch narkoseknülle war

Huch, flötete die junge Anästhesistin, da sind sie ja… jaaaaaaa, da war ich und grinste unter der Atemmaske schräg vor mich hin. Dann war es vorbei, der Chirurg kam noch persönlich und erklärte mir, warum das so schwer war, aber es interessierte mich nicht wirklich, ich hockte nur zusammengesunken auf dem mobilen OP-Tisch, denn mittlerweile spürte ich auch die Schmerzen und war gar nicht mehr lustig drauf.

MIt diesem Tisch schoben sie mich dann in den Aufwachraum, wo der diensthabende leitende Anästhesist doch glatt lachen musste, als er mich sah, wie sitzen sie denn da, wie ein Haufen Elend… ICH BIN EIN HAUFEN ELEND ICH WILL SOFORT EINE TASSE KAFFEE… und was soll ich sagen, er lief los und ich kriegte meinen Kaffee und dann gings mir schon besser.

Hinterher habe ich mir überlegt, wie ich denn ausgesehen haben mag, und da musste ich selber lachen, ich lag also nicht mehr auf dem Tisch, ich saß darauf, leicht zur Seite gekippt wegen der Schmerzen, mit dieser blauen Plastikhaube auf und dem schicken gepunkteten OP-Hemdchen an und dem mieslaunigsten Gesicht, was man sich vorstellen kann.

Bei der Vorstellung muss ich jetzt noch grinsen. Jedenfalls ist es überstanden und das Mistding ist drinne, geröntgt wurde ich auch, weil was perforiert wurde und dabei kann die Lunge verletzte werden. Wurde sie aber nicht.

Und Dienstag, da kommt er das erste Mal zum Einsatz, der Port.

Irgendwie ist das alles unglaublich.