Chemo

Mein Glück soll bleiben

Heute bei meinem Professor gewesen, der hat alles vorbereitet, gehe nun zu zwei Onkologinnen, Termin schon am Donnerstag.

Dann hat er mir noch mal erklärt, wie gut die Operation verlaufen ist und dass ich außerordentlich gut heile. Meine Voraussetzungen seien gut, Glück haben nannte er das. Ich sag ja, ich bin ein Glückskind. Hoffe, es bleibt bei mir, das Glück. Jedenfalls da. Hatte wirklich genug Unglück die letzten Jahre.

Wirklich genug!!

Chemo

Glückskind

Da sitze ich grad und denke darüber nach, dass ich ein Glückskind bin. Warum? Weil ich Zeit meines Lebens immer Menschen um mich hatte, die da waren, wenn ich sie brauchte. Nicht unbedingt nur Freunde, sondern Menschen im allgemeinen. Engel könnte man auch sagen. Der Himmel hat mir Engel geschickt.

Gestern war ich in der Onkologie, mein erster Termin dort. Und ich wusste gleich, da will ich nicht hin. Da nicht. Im Anfang liegt das Ende, so heißt es doch so richtig und es fing schon schlecht an. Die Onkologin war eine richtig nette taffe Frau, aber sie konnte auch nichts mehr retten, dort stimmt es einfach nicht. Ich war danach ziemlich am Ende, weil ich erstmal nicht das Licht gesehen habe sondern nur die Dunkelheit. Krankheit. Krebs. Chemo. Schrecklich. Zu Hause dann habe ich meinen Professor angerufen, der mich verstehen konnte und der mir auch gleich sagte, er organisiert mir nun etwas, was zu mir passt, dafür muss er noch einige Telefonate führen, auch mit meiner Operateurin, aber Montag kann er mir schon mehr sagen, ich solle mich nun einfach ausruhen. Er werde sich kümmern und am Montag sehen wir uns dann.

Und da war es wieder, mein Glück, so wie es all die Jahre war, angefangen mit meiner Großmutter, die da war, als ich unterzugehen drohte. Der Himmel hat sie geschickt und sie hat dann hier auf Erden dafür gesorgt, dass ich überlebe. Sie war immer da, meine ganze Kindheit und Jugend.

Und danach waren immer wieder Menschen da, die zur Stelle waren, wenn ich Hilfe brauchte. Die Dinge für mich regelten, wenn mir die Kraft fehlte. Helfende Hände, die für mich tun.

Ich bin ein Glückskind, daran hat auch die Krebserkrankung nichts geändert. Meine Engel sind immer noch da. Heute dann auch mein Bankengel, der sich um die Finanzierung der Renovierung kümmert, der einfach alles für mich macht, erholen sie sich von den Strapazen, sagte er mir am Telefon, ich werde die nötigen Schritte für sie unternehmen, sie brauchen sich um nichts zu kümmern, werden sie einfach nur gesund.

Welch ein Segen sind diese Menschen für mich!!

Tumor

Frauenquote

Ich für meinen Krebs habe die Frauenquote bereits erfüllt, es operierte mich eine Frau und nun habe ich noch eine Onkologin. Therapiebegleitend unterstützt mich eine Heilpraktikerin, und in bälde gehe ich zu einer Psychoonkologin, außerdem begleitet mich jedesmal meine Freundin, die alles aus eigener Erfahrung kennt, es kann also sogesehen nix schief gehen 😉

Gestern nun erfuhren wir die Empfehlung der Tumorkonferenz (welch ein Wort!!) die da lautet: 3 x in Abständen von 21 Tagen ein Zeug, danach 9 x jede Woche zwei Zeug. Im Anschluss Bestrahlung. Wir waren bei „meinem Professor“, der mich ja durch alles durchlotst und mir immer alles erklärt, so ich es möchte.

Danach gab es eine klasse Currywurst am wenn nicht weltbesten so doch regionsbesten Currywurststand in Kaiserswerth, natürlich mit Pommes und Majo.

Und, damit mir nicht langweilig wird, fahre ich gleich wieder in die Klinik zur Drainagenkontrolle. Donnerstag bin ich auch wieder da, Erstgespräch mit meiner Onkologin. Ich hab gedacht, wenn man krank ist, soll man sich auf das Sofa legen und ausruhen und nicht durch die Gegend düsen und Pommes essen 😉

Heute gibbet Kötbullar. Zu Hause!!

Seele

Kugelgedanken

Wir waren im Baumarkt, Farbe kaufen für die neu gemachte Gemeinschaftsetage, ich entdeckte die letztens eröffnete Weihnachtszeugabteilung und bin hin. Weihnachten habe ich schon immer so geliebt, und als Hajo und ich uns kennenlernten, stellten wir mit Freude Fest, dass wir beide es so sehr lieben!!

Wir haben Weihnachten regelrecht zelebriert, er und ich, wir hatten unsere Rituale und Vorstellungen und daran hat sich auch nichts geändert in unseren gemeinsamen Jahren.

Dann kam das erste Weihnachtsfest ohne ihn, letztes Jahr, ich habe es überlebt, ja, das habe ich. Aber es ist mir sehr schwer gefallen. Weil er mir so fehlte. Er fehlt mir immer noch. Ich habe da noch so viel aufzuarbeiten, nachzufühlen und auszuhalten, und darum habe ich mir ja auch eine Therapeutin gesucht, aber bevor es überhaupt losgehen konnte, kam der Krebs. Den hat man mir jetzt weggeschnitten, eine riesengroße Narbe zeugt davon. Die habe ich auch auf meiner Seele, und die will ich behandeln. Und darum habe ich mir jetzt eine Psychoonkologin gesucht, oder eine Therapeutin mit psychoonkologischer Weiterbildung, oder wie immer das auch heißt, jedenfalls habe ich jetzt eine, in Düsseldorf.

Und neue Christbaumkugeln habe ich auch. In Tropfenform, für meinen Kerzenleuchter an der Decke. Wie lange muss ich noch bis zum 1. Advent warten?

Nachwirkungen

Gefühlstelegramm

Wach geworden – scheiße schlecht gefühlt – gefroren – Vormittag auf dem Sofa verbracht – schlecht ging nicht weg – Mittag auf dem Sofa verbracht – schlecht immer noch da – zur Heilpraktikerin gefahren – Vitamin D verpasst bekommen – Fußreflexzonenmassage – schlecht war weg – nach Hause gefahren – voller Energie Programme installiert – Bett

Gute Nacht!

Operation

körperliche Unversehrtheit

Heute hatte ich ausreichend Gelegenheit, mir darüber Gedanken zu machen was es heißt, gesund zu sein, also das zu sein, was ich bis vor 8 Wochen selber noch glaubte zu sein. Gestern bekam ich Probleme mit meiner mir noch treu verbliebenen Drainage, irgendwas war undicht und so hatte ich alles nass. Da es sich nicht um farbloses Wasser handelt, was da in den Behältnissen gesammelt wird und ich zudem eine regelrechte Memme bin (Blut = augenblickliches umkippen), bedeutet sowas für mich ein wahres Drama. Ich muss in die Klinik!! Da muss ein Experte drauf gucken!! Hilfe!! Denn wenn ich mir das selber angucke, wie da so ein Geschläuch aus mir herauskommt und nicht farbloses Nichwasser verteilt… dann liege ich da, und zwar augenblicklich.

Hört sich zugegebenermaßen lustig an, ist jedoch voll Scheiße irgendwie kontraproduktiv. Weil mir dann noch weniger als gar nicht geholfen ist. Also Klinik. Mein Kumpel fuhr mich, es war ein nettes Erlebnis und zu Hause stellte ich fest, jetzt läuft gar nix mehr. Ich hab mir dann gedacht, der liebe Gott hat dich nicht eine Brustoperation überleben lassen um dich dann an einer verstopften Drainage sterben zu lassen, jedenfalls nicht von heute auf morgen und so fuhr ich also heute Vormittag, wieder mit Hilfe des lieben Kumpels, erneut in die Klinik, diesmal zu einem richtigen Brustarzt, der Ahnung hatte.

Der bestätigte meine Version des Gottvertrauens, sei alles nicht schön, aber auch nicht gefährlich, ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, er mache das jetzt mal neu und schaue gleich nach, per Ultraschall, ob sich das was angesammelt habe. Gesagt getan. Ist alles nicht schlimm, tut auch nicht wirklich weh, ok, es gibt schöneres, aber es gibt auch definitiv viel viel schlimmeres.

Doch als ich da so lag, den Arm nach oben strecken musste, als ich spürte, dass ich nix spüre, weil noch alles taub ist, als ich dann den Blick nach unten wagte (es sieht wirklich gut aus, also da ist eine Narbe, aber ansonsten sieht es so aus wie immer), da kam mir eine Wortkombinaiton in den Sinn, sie war auf einmal da, wie rote flammende Lettern leuchtete es vor meinem geistigen Auge: körperliche Unversehrtheit.

Die ist nun dahin. Neinnein, ich will hier nicht jammern, das ist es nicht, es war nur so, dass ich auf einmal den Unterschied zu früher spürte, zu der Sorgloszeit. Ich fühlte mich so hilflos dem Leben gegenüber, ich kann das noch nicht recht beschreiben, ich bin jetzt in dieser Klinikmaschinerie, das ist ja auch gut so, da gehöre ich ja auch hin, nur ich fühlte mich so hilflos. Der Arzt war sehr nett, erklärte mir alles, hörte zu, nahm sich Zeit, kein huschhusch, war kompetent und beruhigte mich. War alles bestens, besser hätte es nicht sein können.

Darum geht es auch nicht. Es geht um das, was in mir ist. Was sich geändert hat. Ich muss jetzt Dinge geschehen lassen, aushalten, ertragen, ich MUSS das, um gesund zu werden. Es ist eine Form von ausgeliefert sein. Ich meine jetzt nicht die andere Seite, die Ärzte und die Klinik und und und, ich meine MICH, wie ICH mich fühle, was ICH empfinde, was diese Gedanken mit MIR machen, diese Gefühle, diese Termine, dieses spüren von nichts spüren unter dem Arm.

Eigentlich, so meine ich, müsste es Mentoren geben. In der Uni Düsseldorf gibt es für die neu eingeschriebenen Semester Mentoren, sie bekommen von älteren Studies alles gezeigt und erklärt. Und ich dachte, sowas braucht es auch in den Kliniken, Mentoren, Mentorinnen, die da sind, die sagen hör mal, fühlt sich jetzt scheiße da an unterm Arm, ist aber normal, hatte ich auch… ich meine jetzt nicht das medizinische, ich meine das seelische. Das, was sich ändert, wenn die körperliche Unversehrtheit weggegangen ist und Gedanken und Gefühle kommen, die man erstmal nicht versteht.

Sozusagen eine Gefühlsmentorin 😉 um sich auf den langen Klinikfluren zurecht zu finden…